· Vatikanstadt ·

Die Geschichten von Layla al-Sheik und Elena Kaminka

Wenn der Frieden das Gesicht einer Mutter hat

Da sx Azezet Habtezghi Kidane, religiosa comboniana eritrea, Elana Kaminka, israeliana, madre di ...
29. August 2025

Von Guglielmo Gallone

Rimini. »Meine Tochter war sehr wü-tend, als ich ihr 2018 sagte, dass ich Teil des Parents Circle-Families Forum werden würde, der Organisation, die palästinensische und israelische Familien, die Angehörige durch den Konflikt verloren haben, zum Dialog einlädt. Sechzehn Jahre zuvor, während der zweiten Intifada, war mein Sohn Qusay, im Alter von nur sechs Monaten in meinen Armen gestorben. Ich versuchte, ihn vor dem Krieg in Sicherheit zu bringen, aber die israelischen Soldaten hatten mich daran gehindert. Seit dem 7. Oktober 2023 wird unser Leben immer komplizierter. Alle Palästinenser, die in Israel gearbeitet haben, haben ihre Arbeit verloren. Wir haben keine Schutzräume, um uns vor den Bomben zu schützen. Wir wissen nicht einmal, was ein paar Kilometer von uns entfernt geschieht. Und die Kinder können nicht mehr zur Schule gehen, außer einen Tag in der Woche. Kürzlich hat die israelische Regierung auch neue Hindernisse geschaffen: Statt der üblichen Checkpoints gibt es Absperrungen, die man nicht überschreiten darf. In einer Notsituation wären wir isoliert. Und doch halten wir jedes Jahr mit dem Parents Circle-Families Forum eine Zeremonie ab, in der wir all unserer Lieben gedenken und der Welt eine Botschaft senden: Israelis und Palästinenser können Seite an Seite stehen. Gemeinsam können wir eine Veränderung erreichen. Als meine Kinder das gesehen haben, haben sie verstanden, warum ich der Organisation beigetreten bin. Meine Tochter hat mich umarmt. Viele Jahre lang habe ich den Glauben daran verloren, lange Zeit hat meine Tochter den Grund und den Geist meines Engagements nicht verstanden, aber das war das wichtigste Ergebnis, eines, das alles schöner und leichter macht.«

Die Geschichte von Layla al-Sheik, einer palästinensischen Mutter, hallt im Herzen des Auditoriums D3 des Forums von Rimini wider. Das von Comunione e Liberazione organisierte Meeting hat gerade erst begonnen. Und dass die Eröffnungsveranstaltung den Müttern für den Frieden gewidmet ist, zwei Geschichten von Versöhnung und Dialog,
lässt gleich zu Beginn die Essenz dieser fünf Tage erfassen: Selbst in der Wüste beginnen wir neu zu bauen.

Layla ist nicht allein. In dem von der Journalistin Alessandra Buzzetti, Korrespondentin von TV2000 aus dem Heiligen Land, moderierten Panel sitzt neben ihr Elana Kaminka, Israelin, Mutter von Yannai, einem Soldaten, der am 7. Oktober 2023 getötet wurde. An dem für das Schicksal des Nahen Ostens unauslöschlichen Datum rettete Yannai 80 Rekruten und 20 Zivilisten. »Yannai war mein Sohn, aber für mich war er ein Lehrmeister«, erzählt Elana. »Sein Sinn für Führung war von vielen Gefühlen getragen. Das erste: Die Mitmenschen seine Liebe spüren lassen, damit sie wirksamer Veränderungen schaffen können. Dann das Verantwortungsbewusstsein. Für mich ist Yannai ein Vorbild. Nachdem ich ihn verloren hatte, dachte ich, mein ganzes Leben verloren zu haben. Ich hatte in der größten Aufgabe einer Mutter versagt: meinem Kind Sicherheit zu bieten. Also sagte ich mir: Das Einzige was ich kontrollieren konnte, war meine eigene Reaktion. Ich habe verstanden, was er mir beibringen wollte, und habe selbst begonnen, etwas zu verändern. So habe ich mich dem Parents Circle angeschlossen.«

Heute leben diese beiden Mütter nur zwei Kilometer voneinander entfernt: Layla in Battir, Elana in Tzur Hadssah. Und doch ist es Layla unmöglich, diese Grenze zu passieren. Aber Elana hat, mit der Beharrlichkeit und Fürsorge, die nur Mütter haben können, nie den Mut verloren: »Wir sind Mütter. Wir sind eher pragmatisch. Layla ist in jeder Hinsicht meine Nachbarin, aber wenn ich sie nicht als solche betrachten würde, hätte ich ein kompliziertes Leben. Kurz gesagt, man muss gute Nachbarn haben, um ein gutes Leben zu haben. Die Extremisten in unserer Gesellschaft glauben hingegen, dass sie unsere Nachbarn beseitigen könnten. Das wird nicht geschehen. Man muss aber verstehen, wie viele Menschen ihr Leben verlieren müssen, bevor alle begreifen, dass Israelis und Palästinenser immer hier leben werden.«

Die gleiche Botschaft verkündete Bernard Scholz, Präsident der Meeting-Stiftung, in seiner Eröffnungsrede: »Wir könnten diese 46. Ausgabe mit verschiedenen Analysen beginnen, aber keine von ihnen wäre in der Lage, unsere Freiheit zu befreien, die Initiative für einen neuen Anfang zu ergreifen: dort zu beginnen, wo alles zu Ende zu sein scheint. Der Titel dieses Meetings sagt deutlich, dass es Wüsten gibt, aber dass auch in diesen Wüsten gesät werden kann. Gemeinsam bauen. Angesichts von so viel Resignation wollen wir Lebenssaft und Freundschaft in die Wüs-ten der existenziellen Einsamkeit bringen, vor allem aber Versöhnung in die Wüsten des Krieges.«

Hierzu passt der Erfahrungsbericht von Azezet Habtezghi Kidane, einer eritreischen Comboni-Schwester, besser bekannt als Schwester Aziza, die viele Jahre in Israel und den Palästinensischen Gebieten tätig war, zuvor im Sudan und in Eritrea. »Als Comboni-Schwestern ist es unser Ziel, Brücken zu bauen«, erzählt sie, »daher wenden wir uns an diejenigen, die sich um die Verwundbarsten kümmern. Unter ihnen sind die Beduinen der judäischen Wüste. Sie sagten uns, dass vor allem zwei Sorgen sie umtrieben: die Zukunft ihrer Kinder und das Fehlen medizinischer Versorgung. All dies schafft enorme Vorurteile, die dadurch genährt werden, dass die Mauer, die zwischen Israelis und Palästinensern errichtet wurde, uns daran hindert, das Gesicht des anderen zu sehen. Deshalb hat jeder Angst vor dem anderen. Und jedes Jahr wird diese Trennung schwieriger. Aber mit Krieg und Gewalt gibt es keinerlei Hoffnung. Denn wenn man das Gesicht des anderen sieht, sieht man Gott.«

Die Wunde, die der Tod eines Kindes im Herzen einer Mutter hinterlässt, heilt niemals. Das sind die immensen und unüberwindbaren Wüsten derjenigen, die diese Zeit erleben. Und doch haben diese beiden Frauen in Rimini bezeugt, dass ein anderer Weg als der der Rache und des Hasses
möglich ist. Es braucht Demut, Mut, Entschlossenheit. Das sind die »Erbauer von Gemeinschaft, von Koexistenz, von Frieden, von Teilhabe und von Solidarität«, auf die sich der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella in seiner Botschaft an das Meeting bezog. Gemeinschaften fallen dort auseinander, wo Untätigkeit oder Gleichgültigkeit vorherrschen. Bauen hingegen bedeutet, sich wieder auf den Weg durch die Zeit zu machen. Und genau das ist es, was man in einem Meeting tun will, das Stunde um Stunde, durch die Begegnungen, von jungen Freiwilligen, Menschen, Geschichten, Panels, das Ziel dieser Tage sichtbar macht, das Papst Leo XIV. in seiner Grußbotschaft hervorgehoben hat: »Sich in die Wüste treiben lassen und schon jetzt sehen, was aus den Trümmern und aus so viel, zu viel, unschuldigem Schmerz entstehen kann.«