Botschaft von Papst Leo XIV. an die Teilnehmer der Ökumenischen Woche in Stockholm zum Gedenken an den 100. Jahrestag des Ökumenischen Treffens von 1925

Aufruf zum gemeinsamen Zeugnis

 Aufruf zum gemeinsamen Zeugnis  TED-034
29. August 2025

Vom 18. bis 24. August kamen in Stockholm Vertreter der christlichen Konfessionen zu einer Ökumenischen Woche zusammen. Auf dem Programm standen über 70 Seminare, ein Friedensfestival und eine große ökumenische Feier im Stockholmer Dom, an der auch Schwedens Königspaar teilnahm. Papst Leo XIV. sandte folgende Botschaft, die der Sekretär des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, Erzbischof Flavio Pace bei dem Treffen verlas:

Liebe Brüder und Schwestern,

herzlich grüße ich alle, die sich in Stockholm zur Ökumenischen Woche 2025 versammelt haben, bei der des 100. Jubiläums der Weltkonferenz für praktisches Christentum 1925 sowie des 1700. Jahrestags des Ersten Ökumenischen Konzils von Nicäa, einem bedeutenden Ereignis in der Geschichte des Christentums, gedacht wird.

Im Jahr 325 kamen die Bischöfe der damals bekannten Welt in Nicäa zusammen. Sie bestätigten die Gottheit Jesu Christi und formulierten unsere Glaubensgrundsätze, dass er »wahrer Gott vom wahren Gott« und »eines Wesens (homoousios) mit dem Vater« ist. So formulierten sie den Glauben, der die Christen auch heute verbindet. Dieses Konzil war ein mutiges Zeichen der Einheit inmitten von Differenzen – ein frühes Zeugnis für die Überzeugung, dass unser gemeinsames Bekenntnis Spaltung überwinden und Gemeinschaft fördern kann.

Von einem ähnlichen Wunsch war die Konferenz von Stockholm 1925 beseelt, zu der der Pionier der frühen ökumenischen Bewegung, Erzbischof Nathan Söderblom, eingeladen hatte, damals lutherischer Erzbischof von Uppsala. Bei dem Treffen versammelten sich rund 600 orthodoxe, anglikanische und protestantische Führungspersönlichkeiten. Söderblom war überzeugt, dass »Dienen vereint«. Er rief daher seine christlichen Brüder und Schwestern dazu auf, nicht auf eine Einigung in allen theologischen Fragen zu warten, sondern sich im »praktischen Christentum« zu vereinen: gemeinsam der Welt zu dienen durch den Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde.

Obwohl die katholische Kirche bei diesem ersten Treffen nicht vertreten war, kann ich mit Demut und Freude bekräftigen, dass wir heute als gemeinsame Jünger Christi an Ihrer Seite stehen und dabei erkennen, dass das, was uns verbindet, weit größer ist als das, was uns trennt.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich die katholische Kirche voll und ganz dem ökumenischen Weg angeschlossen. Tatsächlich hat uns Unitatis redintegratio, das Konzilsdekret über den Ökumenismus, zu einem Dialog in demütiger und liebevoller Geschwisterlichkeit aufgerufen, die in unserer gemeinsamen Taufe und unserer gemeinsamen Sendung in der Welt begründet ist. Wir glauben, dass die Einheit, die Christus für seine Kirche will, sichtbar sein muss und dass diese Einheit wächst durch theologischen Dialog, gemeinsame Gottesdienste, wo dies möglich ist, und gemeinsames Zeugnis angesichts des Leidens der Menschheit.

Dieser Aufruf zum gemeinsamen Zeugnis kommt auf eindringliche Weise im für diese Ökumenische Woche gewählten Thema zum Ausdruck: »Zeit für Gottes Frieden«. Die Botschaft könnte nicht zeitgemäßer sein. Unsere Welt ist gezeichnet von tiefen Narben, verursacht durch Konflikte, Ungleichheit, Umweltzerstörung und einem wachsenden Gefühl geis-tiger Entfremdung. Doch inmitten dieser Herausforderungen wissen wir, dass Frieden nicht nur eine menschliche Errungenschaft ist, sondern Zeichen der Gegenwart Gottes unter uns. Dies ist sowohl eine Verheißung als auch eine Aufgabe, denn wer Christus nachfolgt, ist aufgerufen, Werkzeug der Versöhnung zu werden: mutig der Spaltung und mitfühlend der Gleichgültigkeit entgegenzutreten und Heilung zu bringen, wo es Verletzung gibt.

Diese Sendung wurde durch jüngere ökumenische Meilensteine weiter gestärkt. Im Jahr 1989 besuchte Johannes Paul II. als erster Papst Schweden und wurde in der Kathedrale von Uppsala von Erzbischof Bertil Werkström, dem Primas der Schwedischen Kirche, herzlich empfangen. Dieser Moment läutete ein neues Kapitel in den katholisch/lutherischen Beziehungen ein. Es folgte das gemeinsame Reformationsgedenken in Lund im Jahr 2016, bei der Papst Franziskus sich führenden lutherischen Vertretern in gemeinsamem Gebet und Reue anschloss. Dort bekräftigten wir unseren gemeinsamen Weg »vom Konflikt zur Gemeinschaft«. In dieser Woche Ihres gemeinsamen Dialogs und Ihrer Feierlichkeiten freue ich mich darüber, dass meine Delegation präsent sein kann, als Zeichen für das Engagement der katholischen Kirche, um den Weg des gemeinsamen Gebets und auch unsere Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und das Wohl aller fortzusetzen, wo immer wir dies können.

Möge der Heilige Geist, der das Konzil von Nicäa inspiriert hat und uns alle weiterhin leitet, Ihre Gemeinschaft in dieser Woche vertiefen und neue Hoffnung für die Einheit wecken, die der Herr so sehr wünscht für alle, die ihm nachfolgen.

Verbunden mit diesen Gedanken bete ich dafür, dass der Friede Christi mit Ihnen allen sein möge.

(Orig. engl.; ital. in O.R. 22.8.2025)