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Synthesebericht zu Beratungen der ersten Session der Weltbischofssynode veröffentlicht

Ein neuer Blick auf Kirche und Welt

 Ein neuer Blick auf Kirche und Welt  TED-044
03 November 2023

Vatikanstadt. Am Samstag, 28. Oktober, ist zum Abschluss der 16. Generalversammlung der Synthesebericht der Weltbischofs-synode zur Syn-odalität veröffentlicht worden. Mit Blick auf die zweite Sitzungsperiode im Oktober 2024 werden Überlegungen und Vorschläge unterbreitet zu Themen wie der Rolle von Frauen und Laien, dem Bischofsamt, Pries-teramt und Diakonat, der Bedeutung von Armen und Migranten, der digitalen Mission, der Ökumene und dem Missbrauch. Der Synthesebericht wirft einen neuen Blick auf die Welt und die Kirche und ihre Erfordernisse. Nach vierwöchiger Arbeit, die am 4. Oktober in der vatikanischen Audienzhalle begonnen hatte, schloss das kirchliche Beratungsgremium damit seine erste Sitzungsperiode im Vatikan ab.

Die 346 stimmberechtigten Teilnehmer, unter ihnen mehr als 200 Bischöfe und etwa 50 Frauen, stimmten mit breiter Mehrheit für die Prüfung theologischer und kirchenrechtlicher Veränderungen, die in einem nächsten Schritt konkrete Reformen ermöglichen könnten.

In dem am späten Samstagabend veröffentlichten Text, der auf knapp 40 Seiten in Form eines Syntheseberichts die Beratungen der ersten Session der Synode zusammenfasst, wird der »Konsens der Gläubigen« als Kriterium für Glaubensfragen genannt.

Zu den verabschiedeten Vorschlägen der ersten Session zählt im Sinne einer Dezentralisierung die Stärkung nationaler und kontinentaler Bischofsversammlungen. Ferner soll die kirchliche Basis künftig stärker an Bischofsernennungen beteiligt werden.

Mit sehr großer Mehrheit befürwortet die Synode die Überwindung von Rassismus in der Kirche, einen Bruch mit dem Kolonialismus früherer Jahrhunderte und den Abbau von Klerikalismus und Machismo. Außerdem bekennt sich die Versammlung nachdrücklich zur kulturellen Vielfalt innerhalb der Kirche. Die Ahndung sexuellen Missbrauchs durch Kleriker soll dem Votum zufolge künftig nicht mehr allein in der Hand von Bi-schöfen liegen.

Um neue Formen der Entscheidungsfindung in der Kirche zu ermöglichen, votierte die Synode für eine grundlegende Änderung des Kirchenrechts. Eine Kommission von Theologen und Kirchenjuristen soll dazu bis zur nächsten Phase der Weltbischofssynode die notwendigen Klärungen herbeiführen.

Alle Punkte erhielten eine Mehrheit von mindestens 80 Prozent der abgegebenen Stimmen. Erforderlich war lediglich eine Zweidrittelmehrheit. Die meisten Gegenstimmen (19,9 Prozent) erhielt der Absatz, in dem es um die Einführung des Frauendiakonats geht.

Der jetzt zu Ende gehenden ersten Sitzungsperiode der Synodenversammlung im Vatikan ging ein zweijähriger weltweiter Befragungs- und Beratungsprozess zunächst auf Ebene der Ortskirchen und dann der Kontinente voraus. Die zweite Versammlung, die im Oktober 2024 ebenfalls im Vatikan stattfinden wird, kann konkrete Empfehlungen beschließen, die dem Papst zur Entscheidung vorgelegt werden.

Bei der aktuellen Synode hatten erstmals Nicht-Bischöfe, unter ihnen auch Frauen, in größerem Umfang ein Mitsprache- und Stimmrecht. Die im Schlussbericht in 20 Punkten mit jeweils etwa 15 Unterpunkten aufgelisteten Ergebnisse und Vorschläge wurden einzeln abgestimmt. Laut Synodenordnung gelten immer nur Punkte als angenommen, die eine Zweidrittelmehrheit an Ja-Stimmen erhalten. Enthaltungen sind nicht möglich. Noch am Freitagnachmittag hatte der vatikanische Kommunikationsdirektor
Paolo Ruffini von einer bevorstehenden Nachtschicht der Textkommission für den zusammenfassenden Synthesebericht berichtet. 1.125 Änderungsanträge aus den Arbeitsgruppen und 126 Einzelanträge müssten bearbeitet werden.