· Vatikanstadt ·

Meine bisherige Erfahrung der Synode

Die Liebe zur Kirche vereint uns

 Die Liebe zur Kirche vereint uns  TED-044
03 November 2023

Meine Erfahrung mit dieser Synode zum Thema »Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung« begann, als die Bischofskonferenz von Madagaskar mich zum Mitglied der nationalen Gruppe ernannte, die beauftragt war, die Ortskirchen der ganzen Insel auf dieses Ereignis vorzubereiten. In der Gruppe waren wir zu siebt: drei Diözesanpriester, ein Ordenspriester, ein Laie, eine Laiin und ich als Ordensfrau, und selbstverständlich auch der für die Teilnahme an der Synode berufene Bischof. In dieser Gruppe begann das Erlebnis des »gemeinsamen Gehens«, eines von Gemeinschaft, Sendung und Teilhabe geprägten Lebensstils. Papst Franziskus fordert uns auf, diesen Stil als Gottes Söhne und Töchter zu leben.

In dieser Gruppe unterscheiden wir uns in vielerlei Hinsicht, wie zum Beispiel Lebensstand, Kenntnisse, Talente, Herkunftsgesellschaft, Alter, Charakter… aber die Liebe zur Kirche, die wir teilen, und die akzeptierten Unterschiede, die zur Vielfalt werden, stellen meinen ersten Schritt zur Synodalität dar, denn davon hängt die Bereitschaft zum Zuhören ab: auf den Heiligen Geist, den Protagonisten der Synode, hören, den anderen zuhören und auch auf das »gemeinsame Haus« hören; davon hängt auch die Unterscheidungsfähigkeit ab. Dann wurden das Zuhören und die Annahme der anderen immer wichtiger, je mehr ich mit all denen interagierte, die zunächst auf diözesaner Ebene, dann auf Landesebene und schließlich auf kontinentaler Ebene (im Rahmen der Veranstaltung von Addis Abeba in Äthiopien Anfang März 2023) an der Synode teilnahmen – vor allem aber jetzt, da die Kirche der ganzen Welt die Erfahrung des »gemeinsamen Gehens« macht. So habe ich schrittweise den Raum meines Zelts erweitert, um die Gemeinschaft mit all denen zu knüpfen, die jetzt zu Mitgliedern meiner Familie, zu meinen Nachbarn und Freunden geworden sind.

Vom Gebet für die Synode gefällt mir besonders folgender Abschnitt: »Bewahre uns davor, als schwache und sündige Menschen die Orientierung zu verlieren. Lass nicht zu, dass Unwissenheit uns auf falsche Wege führt und dass wir unser Handeln von Vorurteilen leiten lassen.« Vor allem kann ich es nicht erwarten, dass dieses Gebet in unserer Kirche Wirklichkeit wird. Wenn die Kirche, durch ihre Söhne und Töchter, ihre Worte lebt, wird es schön sein, in ihr zu bleiben; es wird immer weitere Kreise ziehen, während sie zusammen mit der Gesellschaft geht.

Diese Synode hat es Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten ermöglicht, sich einander noch mehr zu nähern. Sie hat den Gemeinschaftsgeist und den Sinn für gegenseitiges Zuhören und Austausch gefördert. Alle, besonders die Laien, waren begeistert davon, sich zu wesentlichen Punkten äußern zu können, die ihre Beziehung zur Kirche verbessern könnten. Diese Synode hat das Engagement aller Getauften im Leben der Kirche gestärkt. Daher warte ich ungeduldig darauf, dass Synodalität auf allen Ebenen in der Kirche fassbar wird.

Vor allem wegen der Art und Weise ihres Ablaufs ist diese Synode über »Synodalität« eine ausgezeichnete Gelegenheit, um zu betonen, dass ausnahmslos jeder in der Kirche nützlich ist. So hat jeder und jede, je nach der erhaltenen Gabe (vgl. 1 Kor 12,4-7), den eigenen Kompetenzen und der eigenen Berufung, Anteil an der Sendung der Kirche. Die Synode gibt uns die Gnade, zu verstehen, dass wir nicht alleine auf Gott zugehen können und dass die Kirche ihre Kinder braucht, um ihren Evangelisierungsauftrag in der heutigen Welt erfüllen zu können. Deshalb darf es zwischen uns keine Einmischung in Verantwortlichkeiten und Postengerangel geben, sondern es müssen gegenseitige Ergänzung und Achtung herrschen. Die Ordensfrauen in Afrika sind wie die (wenigen) Frauen, die Jesus nachfolgten; als Frauen und je nach ihren jeweiligen Charismen engagieren sie sich in der Verkündigung des Evangeliums. Diese Synode fordert uns in erster Linie dazu auf, unsere Art des »gemeinsamen Gehens« in unserer Kongregation und dann unsere Art des »gemeinsamen Gehens« mit der Kirche und mit der uns umgebenden afrikanischen Gesellschaft zu überdenken. Die Synode hat uns auch die Gelegenheit geboten, gehört zu werden und die Familie Gottes zu bilden.

Der synodale Prozess ist nicht immer ein langer, ruhiger Fluss ohne Probleme, aber ich bin überzeugt, dass wir mit dem Willen zum gemeinsamen Gehen und zum Ertragen der Schwierigkeiten zu einem fassbaren Ergebnis kommen werden, denn »alleine ist man schneller, aber gemeinsam kommt man weiter« (Afrikanisches Sprichwort). Die Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist drängt uns also, uns den anderen gegenüber zu öffnen; sie gibt uns die Gewissheit, einander zuzuhören, und hilft uns, voneinander zu lernen, denn Vielfalt ist ein Reichtum und ein Garant, der es uns erlaubt, unsere Identität wirksam zu leben: »Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung«.

#sistersproject

Sr. Marie Solange Randrianirina