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Botschaft von Papst Franziskus vor dem Segen »Urbi et orbi« am 9. April

An Ostern hat sich das Schicksal der Welt verändert

 An Ostern hat sich das Schicksal der Welt verändert  TED-016
21 April 2023

Liebe Brüder und Schwestern,

Christus ist auferstanden!

Heute verkünden wir, dass er, der Herr unseres Lebens, »die Auferstehung und das Leben« der Welt ist (vgl. Joh 11,25). Es ist Ostern, Pascha, was »Übergang« bedeutet, denn in Jesus hat sich der entscheidende Übergang der Menschheit vollzogen: vom Tod zum Leben, von der Sünde zur Gnade, von der Angst zum Vertrauen, von der Verlassenheit zur Gemeinschaft. In ihm, dem Herrn über die Zeit und die Geschichte, möchte ich allen mit von Freude erfülltem Herzen sagen: Frohe Ostern!

Möge es für jeden von euch, liebe Brüder und Schwestern, besonders für die Kranken und die Armen, für die älteren Menschen und für diejenigen, die durch Zeiten der Prüfung und der Mühsal gehen, ein Übergang von der Bedrängnis zum Trost sein. Wir sind nicht allein: Jesus, der Lebendige, ist für immer bei uns. Die Kirche und die Welt sollen sich freuen, denn heute werden unsere Hoffnungen nicht mehr an der Mauer des Todes zerschmettert, sondern der Herr hat uns eine Brücke zum Leben geöffnet. Ja, Brüder und Schwestern, an Ostern hat sich das Schicksal der Welt verändert, und am heutigen Tag, der noch dazu auf das wahrscheinlichste Datum der Auferstehung Christi fällt, dürfen wir uns darüber freuen, aus reiner Gnade den wichtigsten und schönsten Tag der Geschichte zu feiern.

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden, so rufen die Menschen in den Kirchen des Ostens: »Christòs anesti!« Dieses wahrhaft sagt uns, dass die Hoffnung keine Illusion ist, sondern Wahrheit! Und dass der Weg der Menschheit von Ostern an, von der Hoffnung geprägt, an Fahrt aufnimmt. Die ersten Zeugen der Auferstehung zeigen uns dies durch ihr Beispiel. Die Evangelien berichten von der guten Eile, mit der die Frauen am Ostertag »zu seinen Jüngern eilten, um ihnen die Botschaft zu verkünden« (vgl. Mt 28,8). Und nachdem Maria von Magdala »schnell zu Simon Petrus« gelaufen war (Joh 20,2), »liefen« Johannes und Petrus »beide zusammen« (vgl. V. 4), um zu dem Ort zu gelangen, an dem Jesus begraben worden war. Und dann brachen die beiden Jünger am Osterabend »noch in der selben Stunde« auf (Lk 24,33), nachdem sie dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus begegnet waren, und eilten, angetrieben von der unbändigen Osterfreude, die in ihren Herzen brannte (vgl. V. 32), in der Dunkelheit mehrere Kilometer bergauf. Es ist dieselbe Freude, aus der heraus Petrus am Ufer des Sees Gennesaret beim Anblick des auferstandenen Jesus nicht mit den anderen im Boot bleiben konnte, sondern sofort ins Wasser sprang, um ihm schnell entgegen zu schwimmen (vgl. Joh 21,7). An Ostern also beschleunigt sich der Gang und wird zu einem Lauf, denn die Menschheit sieht das Ziel ihrer Reise, den Sinn ihrer Bestimmung, Jesus Christus, und ist aufgerufen, ihm, der Hoffnung der Welt, entgegenzueilen.

Eilen auch wir, um auf dem Weg des gegenseitigen Vertrauens zu wachsen: Vertrauen zwischen den Personen, zwischen den Völkern und den Nationen. Lassen wir uns durch die frohe Botschaft von Ostern überraschen, von dem Licht, das die Dunkelheit und die Finsternis erhellt, in die die Welt allzu oft gehüllt ist.

Beeilen wir uns, Konflikte und Spaltungen zu überwinden und unsere Herzen für diejenigen zu öffnen, die am meisten in Not sind. Beeilen wir uns, Wege des Friedens und der Geschwisterlichkeit zu beschreiten. Freuen wir uns über die konkreten Zeichen der Hoffnung, die uns aus so vielen Ländern erreichen, angefangen bei jenen, die denen, die vor Krieg und Armut fliehen, Hilfe und Aufnahme gewähren.

Auf dem Weg gibt es jedoch noch viele Stolpersteine, die unser Hineilen zum Auferstandenen mühsam und anstrengend machen. An ihn richten wir unsere Bitte: Hilf uns, Dir entgegenzulaufen! Hilf uns, unsere Herzen zu öffnen!

Hilf dem geliebten ukrainischen Volk auf dem Weg zum Frieden, und ergieße dein österliches Licht über das russische Volk. Tröste die Verwundeten und diejenigen, die durch den Krieg geliebte Angehörige verloren haben, und lass die Gefangenen sicher zu ihren Familien zurückkehren. Öffne die Herzen der gesamten internationalen Gemeinschaft, damit sie sich für die Beendigung dieses Krieges und aller Konflikte einsetzt, welche die Welt mit Blut beflecken, angefangen von Syrien, das noch auf den Frieden wartet. Stehe denen bei, die von dem schweren Erdbeben in der Türkei und in Syrien betroffen sind. Beten wir für alle, die Angehörige und Freunde verloren haben und obdachlos geworden sind: Mögen sie Trost von Gott und Hilfe von der Familie der Nationen erhalten.

An diesem Tag vertrauen wir dir, Herr, die Stadt Jerusalem an, die erste Zeugin deiner Auferstehung. Ich bin sehr besorgt aufgrund der Angriffe in den vergangenen Tagen, welche das ersehnte Klima des Vertrauens und des gegenseitigen Respekts bedrohen, das notwendig ist, damit der Dialog zwischen Israelis und Palästinensern wiederaufgenommen werden kann, so dass in der Heiligen Stadt und in der ganzen Region Frieden herrsche.

Hilf, Herr, dem Libanon, der noch auf der Suche nach Stabilität und Einheit ist, dass er die Spaltungen überwinde und dass alle Bürger zum Wohl des Landes zusammenarbeiten.

Vergiss das geschätzte tunesische Volk nicht, vor allem die jungen Menschen und diejenigen, die unter sozialen und wirtschaftlichen Problemen leiden, auf dass sie die Hoffnung nicht verlieren und gemeinsam am Aufbau einer Zukunft in Frieden und Geschwisterlichkeit arbeiten.

Sieh auf Haiti, das seit mehreren Jahren unter einer schweren sozio-politischen und humanitären Krise leidet, und unterstütze die Bemühungen der politischen Akteure und der internationalen Gemeinschaft, bei ihrer Suche nach einer dauerhaften Lösung für die zahlreichen Probleme, unter denen diese so sehr geplagte Bevölkerung leidet.

Konsolidiere die begonnenen Friedens- und Versöhnungsprozesse in Äthiopien und im Südsudan, und lasse die Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo ein Ende nehmen.

Steh, Herr, den christlichen Gemeinschaften bei, die Ostern heute unter besonderen Umständen feiern, wie in Nicaragua und Eritrea, und gedenke all derer, die daran gehindert werden, ihren Glauben frei und öffentlich zu bekennen. Schenke den Opfern des internationalen Terrorismus Trost, besonders in Burkina Faso, Mali, Mosambik und Nigeria.

Hilf Myanmar, Wege des Friedens zu beschreiten, und erleuchte die Herzen der Verantwortlichen, damit die gepeinigten Rohingya Gerechtigkeit erfahren.

Tröste die Flüchtlinge, die Deportierten, die politischen Gefangenen und die Migranten, besonders die Schwächsten, sowie alle, die unter Hunger, Armut und den unheilvollen Auswirkungen von Drogen- und Menschenhandel sowie jedweder Form der Sklaverei leiden. Erleuchte, Herr, die Regierenden der Nationen, auf dass kein Mann und keine Frau Diskriminierung erleidet und ihre Würde nicht mit Füßen getreten wird; auf dass bei voller Achtung der Menschenrechte und der Demokratie diese sozialen Wunden geheilt werden, immer nur das Gemeinwohl der Bürger gesucht wird und die Sicherheit und die notwendigen Bedingungen für den Dialog und das friedliche Zusammenleben gewährleistet werden.

Brüder, Schwestern, lasst uns erneut Geschmack an unserem Weg finden, lasst uns den Herzschlag der Hoffnung beschleunigen, lasst uns die Schönheit des Himmels vorauskosten! Schöpfen wir heute die Kraft, im Guten voranzuschreiten, auf das wahre Gut hin, das nicht enttäuscht. Und wenn, wie ein Kirchenvater schrieb, »die größte Sünde darin besteht, nicht an die Kräfte der Auferstehung zu glauben« (Heiliger Isaak von Ninive, Sermones ascetici, I,5), dann lasst uns heute glauben: »Wir wissen, Christus ist wahrhaft auferstanden von den Toten« (Sequenz). Wir glauben an dich, Herr Jesus, wir glauben, dass mit dir die Hoffnung wiedergeboren wird und der Weg weitergeht. Herr des Lebens, ermutige uns auf unseren Wegen und sprich auch zu uns wie zu den Jüngern am Osterabend: »Friede sei mit euch!« (Joh 20,19.21).