Gedanken zum Sonntag - 4. September: 23. Sonntag im Jahreskreis

Der erste Platz in unserem Herzen

 Der erste Platz in unserem Herzen  TED-035
02 September 2022

Im heutigen Text (Lk 14, 25-33) appelliert Jesus an uns: Wir können ihm nur nachfolgen, wenn er an erster Stelle steht und wir ihm alle Bereiche unseres Lebens unterordnen! Das ist ein hoher Anspruch, der zunächst abschrecken mag. Im Alltag erfahren wir, dass ein solcher Absolutheitsanspruch zerstörerische Folgen haben kann. Setzen wir eine Partnerschaft oder ein Gut wie eine Arbeitsstelle uneingeschränkt an erste Stelle, kommt es häufig zu Enttäuschung, Frustration und im Extremfall zerbrechen Menschen und Beziehungen daran. Wer ist also Jesus von Nazaret, dass er beanspruchen kann, unser höchstes Gut zu sein? Ist ein Mensch, der diesen Anspruch erhebt, nicht ein Hochstapler?

Jesus Christus beansprucht aber noch mehr für sich: Er kennt nicht nur die Wahrheit, sondern er ist sie selbst (Joh 14,6). Er ist die Auferstehung und das Leben (Joh 11,25), der heilbringende Messias (Mt 16,15-17). Jesus ist demnach nicht nur Mensch, er ist Gottmensch! Glauben wir dies, erscheint alles in einem anderen Licht. Dann ist sein Anspruch gerechtfertigt (C.S. Lewis, Mere Chris-tianity). Wenn Jesus von Nazaret Chris-tus ist, ist er das Gut, welches alle anderen Güter in meinem Leben umfasst und diese in eine gute, maßvolle Ordnung bringt, denn er ist der Gott, der »alles nach Maß und Zahl und Gewicht geordnet« hat (Weish 11,20).

Gestatten wir Gott, der jeden Menschen so sehr liebt, dass er in Jesus Mensch wurde, den ersten Platz in unserem Herzen einzunehmen, prägt das unsere innere Haltung und unseren Alltag. Das zeigt sich im Umgang mit unseren Mitmenschen, mit uns selbst und mit materiellen Gütern. Es meint nicht das Vernachlässigen von Aufgaben oder Beziehungen, jedoch befreit uns die Ausrichtung auf Christus vom Ringen um Anerkennung und dem einseitigen Streben nach Besitz oder Macht (Lk 4,1-13). Eine so verstandene Nachfolge Jesu kann nur Konsequenz unseres Glaubens sein. Daher ist eine zentrale Frage, die der heutige Text an uns stellt: Wer ist
Jesus von Nazaret für mich?

Hannah Hassanein, Theologische Referentin im Bistum Aachen