P. Philipp Jeningen SJ in Ellwangen seliggesprochen

Unermüdlicher Volksmissionar

 Unermüdlicher Volksmissionar  TED-029
22 Juli 2022

Ellwangen/Vatikanstadt. Am Samstag, 16. Juli, wurde in Ellwangen der Volksmissionar und Jesuitenpater Philipp Jeningen (1642-1704) seliggesprochen. Der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich vertrat bei der Feier den Papst und verlas die Urkunde zur Seligsprechung, in der der Papst Jeningen als »unermüdlichen Verkünder des Evangeliums« würdigt. An der Feier auf dem Platz vor der Basilika Sankt Vitus, in der sich Jeningens Grab befindet, nahmen bei strahlendem Sonnenschein rund 4.000 Gläubige teil.

Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, sprach »von einem glücklichen Tag für Ellwangen, die Diözese und weit darüber hinaus«. Gekommen waren zu der Feier unter anderen auch der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke und der Augsburger Bischof Bertram Meier. Jeningen stammt aus Eichstätt, Ellwangen gehörte zu seinen Lebzeiten zum Bistum Augsburg.

Die Verehrung für den »guten Pater Philipp« ist in der Region um Ellwangen bis heute stark in der Volksfrömmigkeit verankert. Am Freitagabend hatten knapp 2.000 Menschen an einer Lichterprozession zur Basilika teilgenommen. Den Seligsprechungsprozess hatten der Jesuitenorden, das Bistum Rottenburg-Stuttgart und die Bischofskonferenz 1920 eingeleitet. Der Vatikan stellte 1989 den für eine Seligsprechung nötigen »heroischen Tugendgrad« fest. Eine medizinisch nicht erklärbare Heilung aus dem Jahr 1985 wurde als Wunder anerkannt, das Jeningens Fürsprache zugeschrieben wird. Der Gesundete war auch zur Messe gekommen, will aber nicht öffentlich in Erscheinung treten. Jeningen kümmerte sich in den Jahren nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) um Bauern, spendete Sakramente und pflegte einen asketischen Lebensstil. Auch heutzutage liegen an seinem Grab Blumen, und es werden Kerzen entzündet. Jeningen wirkte sein ganzes Leben in der Region um die heutige Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg.

Kardinal Hollerich, der wie Jeningen dem Orden der Jesuiten angehört, würdigte in seiner Predigt den neuen Seligen als Beispiel für jemanden, der Gottes- und Menschenliebe verbunden habe. »Gott war die Freude des Lebens von Pater Philipp. Sein Gottesglaube zeichnete sich durch eine tiefe Gottesverbindung im Alltag aus. Gott erfüllte, füllte sein Leben.« Ihm sei die Mission in Indien, nach der er sich gesehnt habe, versagt geblieben, und so sei »nicht die geographische Weite, sondern die Tiefe des Herzens« für ihn der »Ort der Begegnung mit Gott« geworden. Sein Zeugnis in der Welt habe darin bestanden, »sich den Blick Gottes zu eigen zu machen und so den Menschen, denen er begegnete, die Liebe Gottes zu schenken«. Das sei der Kern der »Missionsfähigkeit der Kirche«: Ohne die Liebe zu den konkreten Menschen in unserem Alltag ist unser Christentum nicht au-thentisch.« Diese Liebe müsse sich auch in unserem Engagement zeigen. Als Beispiele nannte der Kardinal das Eintreten für die Schöpfung, die Aufnahme von Flüchtlingen und den Einsatz für den Frieden. Jeningen sei es gelungen, »Gott in allen Dingen des Lebens zu finden«.

Auch der Generalobere des Jesuitenordens, Arturo Sosa, würdigte den deutschen Volksmissionar in einem Schreiben. Jeningen habe durch sein Wirken »die Liebe Gottes sichtbar« gemacht, was Gläubige auch heute inspiriere, erklärte der aus Venezuela stammende Ordensgeneral, der in seinem Schreiben einige Lebensstationen des neuen Seligen ansprach: »Am 16. Januar 1663, im Alter von 21 Jahren, trat Jeningen in das Noviziat der Oberdeutschen Jesuitenprovinz in Landsberg am Lech ein, die 1578 vom heiligen Petrus Canisius gegründet worden war. Dort entdeckte er die Spiritualität der Exerzitien und wuchs in der Lebens- und Dienstgemeinschaft mit Jesus, was ihn dazu brachte, immer wieder nach dem Willen Gottes zu suchen und ihn bereitwillig anzunehmen. »Es liegt in der Natur des Liebenden, dem Ruf des Geliebten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als auf seinen Befehl zu warten«, notierte er in seinen Aufzeichnungen. Er arbeitete und starb im Geist der Exerzitien.« Nach seiner Priesterweihe 1672 in Eichstätt habe er in Altötting seelsorgerische Erfahrungen in der Betreuung der Pilger durch Beichthören, Predigen und Katechismusunterricht gesammelt. »Sieben Jahre lang, von 1673 bis 1680, wirkte Pater Philip als Lehrer an den Jesuitenkollegien in Mindelheim und Dillingen. Seine Hauptaufgabe wurde jedoch der Dienst an den Pilgern auf dem Schönenberg, einem pastoralen Zentrum für die ganze Region, das auf das Jahr 1638 zurückgeht, als die Jesuiten während des Dreißigjährigen Krieges ein einfaches Holzkreuz mit einer Marienfigur errichtet hatten, um die Menschen zum Gebet einzuladen.«

In einem Brief beschrieb Jeningen sein Hauptanliegen darin, »Gott, Jesus und die Gottesmutter in das Herz seines Nächsten einzuprägen«, die Gläubigen aus der Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit herauszuführen und ihnen zu helfen, eine tiefe Beziehung zum Vater, zu Jesus Christus und zur Gottesmutter zu entwickeln, die aus dem Herzen kommt. Auch seine Arbeit als Beichtvater diente diesem Zweck. Mitten in seiner Tätigkeit erkrankte er nach Beginn der Exerzitien schwer und starb am 8. Februar 1704.

»Durch einfaches Predigen, einen überzeugenden Lebensstil und Herzensgüte spürten die Menschen, dass er an das glaubte, was er sagte, und – was vielleicht noch wichtiger war – dass er nichts von ihnen verlangte, was er nicht selbst zu tun bereit war und in überreichem Maße tat«, so Sosa. Jeningen sei ein »unermüdlicher« Volksmissionar gewesen.