Zum 400. Jahrestag der Errichtung der Kongregation »de Propaganda Fide« (1622-2022)

Neues missionarisches Bewusstsein

 Neues missionarisches Bewusstsein  TED-026
01 Juli 2022

Die Päpstlichen Missionswerke [in deutschsprachigen Ländern »missio«] sind das Hauptinstrument der Gestaltung und Zusammenarbeit in der Mission auf Ebene der Weltkirche. In der Apostolischen Konstitution Praedicate evangelium heißt es in Art. 67 §1: »Die Abteilung für Erstevangelisierung und neue Teilkirchen ist für die Päpstlichen Missionswerke zuständig.«

Es gibt vier Päpstliche Missionswerke: das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung, das Päpstliche Missionswerk des Heiligen Apostels Petrus, das Päpstliche Kindermissionswerk und die Päpstliche Missionsunion. Sie sind voneinander unabhängig, aber alle direkt dem Dikasterium für die Evangelisierung unterstellt.

Sie gehen auf die Initiative einzelner Personen, darunter auch Laien, zurück. Beseelt von einem tiefen missionarischen Eifer schlossen sich Gläubige zusammen, um bei der Evangelisierung mitzuwirken. Heute sind dies die offiziellen Einrichtungen der Weltkirche auf dem Gebiet der missionarischen Zusammenarbeit, die auf die verschiedenen Bedürfnisse, die sich aus den Missionen ergeben, antworten.

Pius XI. wird zu Recht »Missionspapst« genannt. Das dritte 100-Jahr-Jubiläum der Kongregation »de Propaganda Fide« (1622-1922) wurde während seines Pontifikats gefeiert und hatte eine große Bedeutung für die Kongregation. Bei jener Gelegenheit erließ der Ratti-Papst das Motu proprio Romanorum Pontificum, das ihr nicht nur den Titel »päpstlich« verlieh, sondern auch die Strukturen, Aufgaben und Pflichten der ersten drei Missionswerke definierte.

Päpstliches Werk der Glaubensverbreitung

Das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung war das Ergebnis zahlreicher Initiativen und Ideale, die im Zusammenhang mit den Missionen gefördert wurden. Diese Art der Vereinigung von Gläubigen gab es bereits in Frankreich, insbesondere nach der Französischen Revolution. Einige wurden durch das Apostolat der »Gesellschaft für auswärtige Missionen von Paris« inspiriert, die zum Gebet, zu guten Werken und Spenden für die Rettung der Heiden aufrief.

Unter all diesen Bewegungen zur Unterstützung der Evangelisierung verdient die der seligen Pauline Marie Jaricot (1799-1862) aus Lyon besondere Erwähnung. Ihr Wunsch, Arbeiter in ihre karitative und missionarische Arbeit einzubeziehen, führte zur Gründung des »Vereins für die Glaubensverbreitung«.

Nachdem die amerikanischen Missionen um materielle Hilfe gebeten hatten, trafen sich Jaricot und ihre engsten Mitarbeiter am 3. Mai 1822 zum ersten Mal in Lyon und beschlossen, eine katholische Vereinigung zu gründen, die universal und nicht auf ein bestimmtes Land oder einen Kontinent beschränkt sein sollte.

Die universale Dimension dieses Werkes verdient besondere Erwähnung. Ihr charismatischer Ursprung wurde von Anfang an erkannt, als ein junger Seminarist an jenem 3. Mai 1822 zu den in Lyon versammelten Leitern mehrerer Gruppen sagte: »Wir sind Katholiken und müssen etwas Katholisches gründen, das heißt etwas, das universal ist. Wir dürfen nicht die eine oder andere Mission unterstützen, sondern wir müssen alle Missionen in der ganzen Welt unterstützen.«

Der Verein wurde am 3. Mai 1922 von Pius XI. zum Päpstlichen Werk erklärt, um eine größere, universale Wirksamkeit zu erzielen. Der Hauptsitz wurde an den Sitz der Missionskongregation nach Rom verlegt, wo sie deren organischer Bestandteil wurde und damit die offizielle Organisation für die universale missionarische Zusammenarbeit.

Pius XI. betrachtete dieses Werk als wichtige Tätigkeit des missionarischen Engagements, da es die dringend benötigte materielle Hilfe für die zahlreichen Bedürfnisse gegenwärtiger und künftiger Missionen zur Verfügung stellte. Der spezifische Zweck des Päpstlichen Werks für die Glaubensverbreitung bestand darin, weltweit Geldmittel zu sammeln und das Gebet für die Missionen zu fördern. Zu diesem Zweck wurde am 14. Juni 1926 der Weltmissionssonntag eingeführt.

Päpstliches Kindermissionswerk

Das Päpstliche Kindermissionswerk wurde am 19. Mai 1843 von Bischof Charles Augus-te Marie de Forbin Janson aus Nancy, Frankreich, als Vereinigung christlicher Kinder zur Rettung ihrer Altersgenossen in China und anderen Ländern gegründet. Dabei wurden die Kinder auch zu Spenden aufgerufen, um chinesischen Kindern in Not zu helfen. Das Werk wurde am 18. Juli 1846 vom Heiligen Stuhl offiziell anerkannt und schloss bald auch die christliche Erziehung von Kindern ein, nicht nur in China, sondern in der ganzen Welt.

Ziel war es, Kinder zu ermutigen, durch Gebet, Spenden und Opfer den Missionaren zu helfen, die Kinder in den Missionsländern zu beschützen und ihnen eine christliche Erziehung zu geben.

Päpstliches Missionswerk
des Heiligen Apostels Petrus

Das Päpstliche Missionswerk des Heiligen Apostels Petrus für den einheimischen Klerus hat das besondere Ziel, die Ausbildung von Priestern zu unterstützen, die aus dem jeweiligen Missionsland stammen. Gegründet wurde es 1889 in der Diözese Caen, ebenfalls in Frankreich, wo Stéphanie Bigard und ihre Tochter Jeanne mit Missionaren und deren Anliegen in Berührung kamen. Insbesondere durch die Mitglieder der Gesellschaft für auswärtige Missionen von Paris wurde ihnen klar, wie wichtig es ist, in den Missionsgebieten den einheimischen Klerus zu unterstützen.

Der Hauptzweck des Werkes bestand darin, geistliche und materielle Hilfe für die Ausbildung einheimischer Geistlicher in den Missionsländern zu leisten, insbesondere für den Bau und die Unterhaltung von Priesterseminaren. Im Jahr 1899 erhielt das Werk die Anerkennung von Papst Leo XIII., der es unter den Schutz des Heiligen Apostels Petrus stellte. Der Hauptsitz wurde 1920 nach Rom verlegt. Es ist eng mit dem Päpstlichen Werk der Glaubensverbreitung verbunden.

Päpstliche Missionsunion

Die Päpstliche Missionsunion wurde 1916 in Italien von P. Paolo Manna aus der Ordensgemeinschaft des Päpstlichen Instituts für auswärtige Missionen (PIME) gegründet. In der Anfangsphase wurde es vom damaligen Bischof der Diözese Parma, Guido Maria Conforti, unterstützt, der auch der Gründer des Missionsinstituts des Heiligen Franz Xaver war. Pius XII. verlieh der Missionsunion am 28. Oktober 1956 den Titel »päpstlich«.

Ziel dieses Werkes ist, die Bemühungen des Klerus und der Ordensleute zu koordinieren, um das Interesse der Gläubigen an den Missionen zu wecken und die Zusammenarbeit in der Mission zu fördern. Es soll den Gläubigen einen universalen missionarischen Geist vermitteln und wird daher als Seele aller anderen Werke bezeichnet. Ursprünglich als Vereinigung von Priestern gegründet, wurde der Zuständigkeitsbereich am 14. Juli 1949 auf Ordensmänner und -frauen erweitert. Die Union unterscheidet sich von den anderen drei Werken dadurch, dass sie keine Spenden sammelt und nicht für materielle Hilfe zuständig ist.

Aus Sicht der Lehre der Kirche ergibt sich der Wunsch nach missionarischer Zusammenarbeit aus der Tatsache, dass die Kirche auf Erden ihrer Natur nach missionarisch ist. Das Zweite Vatikanische Konzil hat festgelegt, dass diese Werke einen zentralen Platz in der missionarischen Zusammenarbeit einnehmen müssen, »da sie Mittel darstellen, die Katholiken von Kindheit an mit einer wahrhaft universalen und missionarischen Gesinnung zu erfüllen und zur tatkräftigen Sammlung von Hilfsmitteln zum Wohl aller Missionen gemäß den jeweiligen Bedürfnissen anzueifern« (Ad gentes, 38).

Auch der neue Codex des kanonischen Rechtes greift in can. 781 die Lehre des Konzils auf: »Die ganze Kirche ist ihrer Natur nach missionarisch, und das Werk der Evangelisierung ist als grundlegende Aufgabe des Volkes Gottes anzusehen; daher haben alle Gläubigen, im Wissen um die ihnen eigene Verantwortung, ihren Teil zur Missionsarbeit beizutragen.«

Kanon 791, 2 empfiehlt ebenfalls die Päpstlichen Missionswerke zur Förderung der Zusammenarbeit auf Diözesanebene: In jeder Diözese »ist ein Priester zu bestellen, dessen Aufgabe es ist, Vorhaben für die Missionen wirksam zu unterstützen, vor allem die Päpstlichen Missionswerke«.

Der von diesen Werken geförderte »Solidaritätsfonds« ist Teil der missionarischen Zusammenarbeit und trägt materiell zur fortschreitenden Autonomie der Kirchen in den Missionsgebieten bei. Er unterstreicht zudem ihr Hauptziel, nämlich die Unterstützung der Evangelisierung.

Als kirchliche Einrichtungen sind diese Werke der Leitung des für die Mission zuständigen Dikasteriums anvertraut, das als offizielle Stelle missionarischer Zusammenarbeit für ihre Koordinierung im Hinblick auf eine größere Wirksamkeit und echte Universalität verantwortlich ist.

Die vier Werke bilden eine einzige Institution mit vier Zweigen, die das gleiche Hauptziel verfolgen, nämlich den missionarischen Geist im Volk Gottes zu fördern, indem sie ein missionarisches Bewusstsein wecken und vertiefen.

(Orig. engl.; ital. in O.R. 29.6.2022)

Von Msgr. Camillus Johnpillai,
Büroleiter im Dikasterium für die Evangelisierung