Mit Humor und Lebenserfahrung dem Überdruss entgegentreten

27 Mai 2022

Vatikanstadt. Bei der Generalaudienz am Mittwoch, 25. Mai, setzte Papst Franziskus seine Katechesereihe zum Thema »Sinn und Wert des Alters« fort. Eine Mitarbeiterin des Dikasteriums für Kommunikation trug folgende Zusammenfassung vor:

Liebe Brüder und Schwestern, bei unseren Überlegungen zum Alter kommen wir heute zum Buch Kohelet, das angesichts der Vergänglichkeit alles Seienden den Sinn der Existenz zunächst einmal radikal in Frage stellt. Ist nicht alles gleichgültig – »Windhauch« –, wenn am Ende alles Seienden unterschiedslos das Nichts steht? Hat sich die Welt bei all unserem Bemühen auch nur ein wenig gewandelt? Lohnt es sich da überhaupt, sich für das Wahre und das Gute, für die Gerechtigkeit einzusetzen? Ist nicht alles im Wortsinn gleich-gültig, also letztlich egal? Eine solche Sicht, die Wirklichkeit nur beschreibt, daraus aber keinerlei Erkenntnis über das »rechte Handeln« oder so etwas wie Verantwortlichkeit ableiten kann, mag zunächst als befreiend erscheinen, doch über kurz oder lang führt sie zu einer Lähmung der Seele, die das frühe christliche Mönchtum als »Akedia« bezeichnete, was man in etwa mit »Überdruss« übersetzen kann. Diese Sinnleere und Antriebslosigkeit führt dazu, dass der Mensch nachlässt im Guten und so die Kräfte des Bösen Raum gewinnen. Wir erleben, wie die Wissenschaft Fortschritte macht, und das ist gut so. Aber es fehlt die Lebensweisheit, sie scheint an einem toten Punkt angelangt zu sein. Die älteren Menschen hätten hier die wichtige Aufgabe, mit ihrer Lebenserfahrung und dem notwendigen Humor jener tristen Weltsicht entgegenzutreten, die viel Wissen anhäuft, darin aber weder Sinn noch Erfüllung entdecken kann.

Der Papst grüßte die deutschsprachigen Pilger auf Italienisch. Anschließend wurde folgende Übersetzung der Grüße vorgelesen:

Bald feiern wir das Hochfest Christi Himmelfahrt. Jesus Christus ist heimgekehrt zum Vater, aber er hat uns nicht alleingelassen. Vom Himmel aus ist er uns auf eine neue Weise nahe, denn durch den Heiligen Geist lebt er in unseren Herzen. Ich wünsche euch die beständige Erfahrung seiner Gegenwart!