Kein Relikt der Vergangenheit

06 Mai 2022

Vatikanstadt. Bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz am Mittwoch, 4. Mai, setzte Papst Franziskus die Katechesenreihe zum Thema »Sinn und Wert des Alters« fort. Eine Mitarbeiterin des Dikasteriums für Kommunikation trug folgende Zusammenfassung vor:

Liebe Brüder und Schwestern, die Lesung heute erzählt von Eleasar, der sich dem Befehl des Königs widersetzte und sich aus Respekt vor den Regeln seines Glaubens weigerte, Götzenopferfleisch zu essen. Weil er über-all beliebt war, rieten ihm sogar die Beamten des Königs, er solle einfach so tun, als äße er von dem Fleisch; so könne er sein Leben retten. Eleasar lässt sich auf solche Heuchelei aber nicht ein. Dies wäre Verrat an Gott und zudem gäbe er der jungen Generation ein schlechtes Beispiel. Die Jungen sollen nicht auf den verkehrten Gedanken kommen, es käme allein auf die innere Einstellung an und die äußere Glaubenspraxis sei demgegenüber sekundär und müsse nicht unbedingt beachtet werden. Klar, der Glaube darf nicht auf die Einhaltung irgendwelcher Speisevorschriften und andere äußere Bestimmungen reduziert werden, zugleich aber ist christlicher Glaube nie etwas rein Geistiges; er wird immer den Weg des Herrn gehen, den Weg der Inkarnation. Auch heute erleben wir, dass viele die konkrete Glaubenspraxis für entbehrlich halten oder sie gar als schädliche Äußerlichkeit ansehen, als ein Relikt der Vergangenheit, als abergläubisches Ritual – als etwas für alte Leute. Unser Glaube will sowohl in seiner geistigen wie auch in seiner praktischen Dimension beachtet werden. Auf diese Weise kann er unser Leben verändern, unseren Geist läutern und uns die Anbetung Gottes wie auch die Liebe zum Nächsten lehren. Ein solcher konkreter Glaube ist ein Segen für alle, nicht nur »für die Alten«.

Der Papst grüßte die deutschsprachigen Pilger auf Italienisch. Anschließend wurde folgende deutsche Übersetzung der Grüße vorgelesen:

Liebe Brüder und Schwestern deutscher Sprache, der Monat Mai ist der Gottesmutter Maria geweiht, die auch unsere Mutter ist. Ich lade euch ein, sie vertrauensvoll um ihre Fürsprache zu bitten: in euren persönlichen Anliegen, in den Anliegen der Kirche und für den Frieden in der Welt.