Begegnung mit den Schülern des Instituts »La Zolla« im Petersdom vor der Generalaudienz

Schule des Teilens und der Annahme

 Schule  des Teilens und  der Annahme  TED-013
01 April 2022

Liebe Schüler des Instituts

»La Zolla«!

Ich freue mich, euch zu empfangen, und richte einen herzlichen Gruß an euch, an eure Eltern und an eure Lehrer, an eure Großeltern: Es sind viele Großeltern hier. Es ist sehr wichtig für euch Jugendliche und Kinder, mit den Großeltern zu sprechen: sehr wichtig, mit den Großeltern zu sprechen. Es ist wichtig. Eure christlich inspirierte Schule ist eine kostbare Wirklichkeit für den Mailänder Raum und bietet einen anerkannten Bildungsdienst in Zusammenarbeit mit den Familien. Es ist wichtig, eine Bildungsgemeinschaft aufzubauen, in der die Eltern, zusammen mit den Lehrern, Protagonisten des kulturellen Wachstums ihrer Kinder sein können. Und das ist der Bildungspakt, der Dialog zwischen Eltern und Lehrern. Man spricht immer miteinander, zum Wohl der Jugendlichen, der Kinder. Dieser Bildungspakt wird oft gebrochen, und wir müssen ihn immer wieder heilen. Der Dialog und auch die gemeinsame Arbeit, die ihr, Eltern und Lehrer, durchführt. Es ist wichtig, eine Bildungsgemeinschaft aufzubauen, das ist sehr wichtig.

Und euch Jungen und Mädchen möchte ich zwei Worte mitgeben, die mir aus dem Herzen kommen: Teilen und Annahme. Teilen und Annahme, sagen wir es zusammen: »Teilen und Annahme«. Nur die Jungen und Mädchen, die Großen nicht! Sagt es: Teilen und annehmen, alle! [Sie wiederholen: »Teilen und annehmen!«] So ist es, lernt das gut. Teilen: Werdet nicht müde, gemeinsam mit den Menschen heranzureifen, die bei euch sind: den Schulkameraden, Eltern, Großeltern, Erziehern, Freunden. Man muss »ein Team bilden«, nicht nur das Wissen erweitern, sondern auch wachsen, indem man Bindungen knüpft, um eine solidarischere und geschwisterlichere Gesellschaft aufzubauen. Denn der Friede, den wir so sehr brauchen, wird handwerklich durch das Teilen aufgebaut. Es gibt keine Maschinen, um den Frieden aufzubauen, nein: Der Friede wird immer handwerklich hergestellt. Der Friede in der Familie, der Friede in der Schule… Und wie handwerklich? Durch meine Arbeit, durch mein Teilen.

Das zweite Wort: das Annehmen. Die heutige Welt stellt viele Barrieren zwischen die Menschen. Und das Ergebnis der Barrieren sind die Ausgrenzungen, das Aussondern. Das ist gefährlich, wenn man aussondert. Auch in der Schule – hört mir gut zu, Jungen und Mädchen –, in der Schule gibt es irgendeinen Kameraden – oder eine Kameradin –, der etwas seltsam ist, etwas komisch oder den wir nicht mögen: Man darf ihn nie aussondern! Auch kein Mobbing: nein, bitte, kein Mobbing, nichts, wir sind alle gleich. Auch wenn ein Kamerad etwas unsympathisch ist, der Arme, nähere ich mich ihm mit Sympathie. Immer Brücken bauen, niemanden aussondern, bitte! Nicht aussondern. Denn mit der Aussonderung beginnen immer die Kriege. Das Ergebnis der Barrieren sind Ausgrenzungen, die Aussonderung. Es gibt Barrieren zwischen Staaten, zwischen gesellschaftlichen Gruppen, aber auch zwischen den Menschen. Und oft wird auch das Telefon, auf das ihr ständig schaut, zu einer Grenze, die euch isoliert in einer Welt, die in eurer Hand liegt. Wie schön ist es dagegen, den Menschen in die Augen zu schauen, ihre Geschichte anzuhören, ihre Identität zu begreifen; durch die Freundschaft Brücken herzustellen zu Brüdern und Schwestern anderer Traditionen, Ethnien und Religionen. Nur so werden wir, mit Gottes Hilfe, eine Zukunft des Friedens aufbauen. Mir hat euer Motto gefallen: »Staunend« [ital.: »stupìti«]. Das ist schön. Immer überrascht, die Schönheit sehen, staunend und dankbar. Aber gebt acht, denn es besteht die Gefahr, dumm [ital.: »stupidi«] zu werden: Nein, nein! Staunend, nicht dumm. Verstanden?

Danke für diese Begegnung, danke für euer Zeugnis. Ich bete für euch, und bitte vergesst ihr nicht, für mich zu beten. Und jetzt bitte ich euch, an etwas zu denken: Denken wir an die vielen Jungen und Mädchen, Kinder und Jugendliche, die im Krieg sind, die heute in der Ukraine leiden. Sie sind wie wir, wie ihr: sechs, sieben, zehn, vierzehn Jahre, und ihr habt eine Zukunft vor euch, eine soziale Sicherheit, in einer friedlichen Gesellschaft aufzuwachsen. Diese kleinen, auch sehr kleinen Kinder, müssen dagegen vor den Bomben fliehen. Sie leiden sehr. In der Kälte, die dort herrscht… Denken wir daran. Jeder von uns möge an diese Jungen, an diese Mädchen, Kinder und Jugendliche, denken. Heute leiden sie; heute, 3000 Kilometer von hier entfernt. Beten wir zum Herrn. Ich spreche das Gebet, und ihr betet mit mir, im Herzen, im Geist. »Herr Jesus, ich bitte dich für die Jungen, die Mädchen, Kinder und Jugendliche, die unter den Bomben leben, die diesen schrecklichen Krieg erleben, die nichts zu essen haben, die fliehen und ihr Zuhause verlassen müssen, alles. Herr Jesus, schau auf diese Kinder, diese Jugendlichen: Schau sie an, schütze sie. Sie sind Opfer unseres Hochmuts, des Hochmuts der Erwachsenen. Herr Jesus, segne diese Kinder und schütze sie.« Gemeinsam wollen wir die Gottesmutter bitten, sie zu schützen: Gegrüßet seist du, Maria…

Und so verharren wir in Stille und empfangen den Segen des Herrn: des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geis-tes.

Und danke für diese Begegnung: danke, danke. Und vergesst nicht, vergesst nicht: staunend und dankbar. Alle zusammen: staunend und dankbar.

(Orig. ital. in O.R. 16.3.2022)