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Die Ideen

Frauen unterwegs

 Donne in cammino  DCM-002
05 Februar 2022

Katholische Frauen sein heißt heute, den Glauben in der Gegenwart zu leben, in einer sich wandelnden Welt, in sich stetig wandelnden Rollen. Es heißt, in der Kirche zu sein und sie sehen/ändern zu wollen, sie weiblich zu deklinieren und mehr zu zählen. Es heißt, nicht bei der Tradition stehenzubleiben, sondern ihre Lehren zu akzeptieren und weiterzugehen.

In dieser Nummer der Monatsbeilage findet Ihr  die Geschichten einiger Frauen, die diesen Weg gegangen sind. Inzwischen sind es viele, die gerade durch ihr Glaubenszeugnis einen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel inspirieren. Beispiele für neue Weisen, in der Kirche zu sein und leben. Wie Elisabeth Schüssler Fiorenza, Pionierin der feministischen Theologie, die Wissenschaftlerin, die deren Nicht-Neutralität offenbart hat. Wie Emilce Cuda, als erste Frau Büroleiterin der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, eine Theologin, die an eine Sozialmoral glaubt, die vom Volk ausgeht.

Teresa Forcades, die Benediktinerin, die mutig neue Gebiete der Ethik und des Wissens erkundet und dazu einlädt, die »weibliche Geschichte« der Kirche zu kennen und erkennen, haben wir in ihrem Kloster in Montserrat besucht.

Der Boden, auf dem sich die Katholikinnen voranbewegen, ist ein nicht immer einfaches Terrain. Auch wenn viele Schwierigkeiten mittlerweile überwunden sind, kann es anstrengend sein, in der Kirche jung zu sein, wie Koketzo Mary Zomba bezeugt, die auf der Jugendsynode das südliche Afrika vertreten hat. Und es ist auch schwierig, für eine weibliche Führung einzutreten, so erzählt Zuzanna Flisowska-Caridi, Leiterin des römischen Büros von Voices of Faith.

Aber die katholischen Frauen gehen voran. Und sie fordern die Kirche mutig heraus. Maria Lia Zervino, Präsidentin der Weltunion katholischer Frauenorganisationen, fordert Franziskus auf, einen Schritt weiter zu gehen. »Als Frau habe ich das Gefühl, dass mir etwas geschuldet wird«, so schrieb sie ihm, »dass nicht genügend Fortschritte gemacht wurden, um den Reichtum der Frauen zu nutzen, die einen großen Teil des Volkes Gottes ausmachen.« Zu diesem Reichtum gehört unter anderem das Coordinamento Teologhe Italiane. Dessen Präsidentin, Lucia Vantini, schreibt über die Rolle und die Aufgaben des Feminismus in der Kirche, über die Bemühungen, eine Theologie aufzubauen, die Unterschiede willkommen heißt und wertschätzt, die sich gegen Stereotypen und patriarchalische Widerstände wendet, die die christliche Botschaft zu verzerren drohen. Wir eröffnen die Monatsbeilage mit Barbara Jatta, Direktorin der Vatikanischen Museen, der ersten Frau in fünfhundert Jahren auf diesem Posten. Während wir ihr auf einem Rundgang der Seele zwischen Werken mit weiblichen Motiven folgen, zeigt sie uns, wie Kunst zum Wort des Evangeliums werden kann.

(»Frauen – Kirche – Welt«)