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Eucharistiefeier mit Kindertaufe in der Sixtinischen Kapelle am Fest der Taufe des Herrn

Das Geschenk der christlichen Identität

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14 Januar 2022

Papst Franziskus hat Christen in aller Welt gemahnt, ihr Taufdatum nicht zu vergessen. »Merkt euch dieses Datum, denn es war ein Festtag«, sagte er am Sonntag, 9. Januar, beim Angelus auf dem Petersplatz. Wer es nicht wisse, solle seine Eltern fragen. »Unsere Kindheit hat am Tag unserer Taufe begonnen, die uns in Chris-tus eintauchen ließ und zu geliebten Kindern des Vaters gemacht hat.« Am Fest der Taufe des Herrn, das an die Taufe Jesu durch Johannes erinnert, taufte der Papst 16 Kinder in der Sixtinischen Kapelle. Die Täuflinge – neun Mädchen und sieben Jungen - waren vor allem Neugeborene von Vatikanangestellten. Bei dem Gottesdienst mit dabei waren rund 130 Verwandte und Taufpaten. Die Kindertaufen in der Sixtinischen Kapelle gehen auf Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zurück. Er verlegte die Zeremonie, die anfangs andernorts im Vatikan stattfand, 1983 in die berühmte Kapelle mit den Fresken Michelangelos. Benedikt XVI. (2005-2013) nahm die in den letzten Krankheitsjahren von Johannes Paul II. unterbrochene Tradition wieder auf, Franziskus führte sie fort. Im vergangenen Jahr entfiel die Feier wegen der Corona-Pandemie.
In einer kurzen, frei gehaltenen Predigt wandte sich der Papst mit folgenden Worten an die Eltern und Paten:

Heute gedenken wir der Taufe des Herrn. Es gibt einen sehr schönen liturgischen Hymnus am heutigen Fest, wo es heißt, dass das Volk Israel zum Jordan ging »bloßen Fußes und mit bloßer Seele«, das heißt mit einer Seele, die von Gott getränkt werden wollte, die keinen Reichtum besaß, die Gott brauchte. Diese Kinder kommen heute hierher, auch sie »mit bloßer Seele«, um Gottes Rechtfertigung zu empfangen, die Kraft Jesu, die Kraft, im Leben voranzugehen. Sie kommen, um die christliche Identität zu empfangen. Das ist es, ganz einfach. Eure Kinder werden heute die christliche Identität empfangen. Und ihr, Eltern und Paten, müsst diese Identität bewahren. Das ist eure Aufgabe in eurem Leben: die christliche Identität eurer Kinder zu hüten. Das ist eine tägliche Aufgabe: sie wachsen zu lassen mit dem Licht, das sie heute empfangen werden. Das ist es, was ich euch sagen wollte, das ist die Botschaft dieses Tages: die christliche Identität zu bewahren, die ihr heute gebracht habt, damit eure Kinder sie empfangen.

Dieser Gottesdienst ist ein wenig lang, die Kinder fühlen sich etwas fremd hier in einer Umgebung, die sie nicht kennen. Bitte, sie sind die Protagonisten: Sorgt dafür, dass ihnen nicht zu warm ist, dass sie sich wohl fühlen… Und wenn sie Hunger haben, dann stillt sie ruhig hier, vor dem Herrn, das ist kein Problem. Und wenn sie schreien, dann lasst sie schreien, denn sie haben einen Gemeinschaftsgeist, sagen wir den Geist einer »Musikgruppe«, einen gemeinsamen Geist, und es reicht, dass einer anfängt – denn sie sind alle musikalisch – und sofort setzt das Orchester ein! Lasst sie ruhig weinen, sie sollen sich frei fühlen. Aber es soll ihnen nicht zu warm sein, und wenn sie Hunger haben, sollen sie nicht hungrig bleiben.

Und so, in diesem Frieden, setzen wir den Gottesdienst fort. Und vergesst nicht: Sie werden die christliche Identität empfangen und eure Aufgabe wird es sein, diese christliche Identität zu bewahren…

Danke.

(Orig. ital. in O.R. 10.1.2022)