· Vatikanstadt ·

Gedanken zum Sonntag - Dritter Advent

Was soll ich tun?

cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg
10 Dezember 2021

Wie ein Refrain zieht sich durch das Evangelium des dritten Adventsonntags die Frage: »Was sollen wir tun?« Johannes der Täufer hatte zur Umkehr aufgerufen und gemahnt, dem Herrn die Wege zu bereiten. Die Leute, die da zur Taufe kamen, fragen nun, was zu tun ist. Der Glaube hat Konsequenzen.

Eine geradezu adventliche Frage, auch für uns. Mit ihr signalisiert jemand die Bereitschaft, sich neu auszurichten und zurückzukehren auf die Wege Gottes. Die Frage »Was soll ich tun?« führt aber nicht in einen Aktivismus. Vielmehr ist eine grundsätzliche Haltung ausgedrückt.

Auch Jesus wird diese Frage gestellt. Der reiche Jüngling etwa fragt den Herrn, was er denn noch tun müsse, um das ewige Leben zu gewinnen (Lk 18,18). »Was sollen wir tun«, das ist ebenso die Reaktion jener Menschen, die beim Pfingstereignis staunen und spotten, dann aber von der Pfingstpredigt des Petrus mitten ins Herz getroffen werden: »Was sollen wir tun, Brüder?« (Apg 2,37) Oder Saulus vor Damaskus: Er war ausgezogen, dort die ersten Christen zu verhaften. Doch auf dem Weg trifft ihn ein helles Licht, er stürzt zu Boden und hört
Jesu sagen: »Saul, Saul, warum verfolgst
Du mich?« (Apg 9,4) Paulus berichtet selbst: »Ich sagte: Herr, was soll ich tun?« (Apg 22,10) So ist es nicht verwunderlich, dass den frühen Mönchen in der Wüste oft nur diese Frage gestellt wurde: »Was soll ich tun, Vater?«

Die Haltung des Hörens können auch wir im Alltag einüben: Wenn wir vor Entscheidungen stehen, uns in Konflikten befinden oder Herausforderungen zu bewältigen haben, ist es gut, sich nicht gleich selbst eine Antwort zu geben. Vielmehr ans Fenster treten oder sich zu einem Kreuz wenden und ganz ruhig fragen: »Was soll ich denn tun?« Hier entsteht ein Raum, in dem sich etwas ereignen kann, wird eine Klarheit geschenkt, die nicht nur aus den eigenen Gedanken oder von anderen Menschen kommt. So kann sich in diesem Advent auch bei uns ereignen, was wir im Evangelium lesen: »Das Volk war voll Erwartung.«

P. Bernhard A. Eckerstorfer OSB ist Benediktiner von Kremsmünster in Oberösterreich und Rektor des Päpstlichen Athenäums Sant’Anselmo in Rom.