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Gedanken zum Sonntag - 16. Januar: 2. Sonntag im Jahreskreis

Ein Stück »genießbarer« werden

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14 Januar 2022

Das Neue Jahr ist noch nicht alt. Unsere guten Neujahrsvorsätze stehen uns lebendig vor Augen. Vieles soll sich ändern im Neuen Jahr. Wir selbst wollen uns ändern, besser werden, vorankommen auch auf unserem geistlichen Weg. Es ist gut, wenn christlicher Glaube in Bewegung ist. Er ist ein Unterwegssein mit einer großen Verheißung.

Daran erinnert das Evangelium des kommenden Sonntags von der Hochzeit zu Kana, auf der Jesus sein erstes Zeichen tat und Wasser zu Wein wandelte.

Wasser, das man zu lange aufbewahrt, verdirbt, wird schal, erläuterte Bischof Maximus von Turin (5. Jh.) einst in einer Predigt für Katechumenen. Alle geschaffenen Dinge werden mit der Zeit schlechter, meinte er, nur Wein wird besser, wenn er altert! Maximus verglich die Getauften mit einem kräftigen roten Wein: Dieser verliert mit jedem Tag etwas von seiner Bitterkeit und erhält mit den Jahren ein immer volleres Bouquet. Wie Wein, so sollen auch Christen im Laufe ihres Lebens einen guten Geschmack und ein süßes Aroma annehmen.

Viele Veränderungen in unserem Alltag hängen von unserer Eigeninitiative und der jeweiligen Situation ab. Wir versuchen, uns zum Guten zu ändern, schlechte Verhaltensweisen abzulegen. Auf diese Weise kommen wir Gott und anderen Menschen näher, werden für sie oft auch ein Stück »genießbarer«. Wir wandeln uns, aber mehr noch kommt es darauf an, uns von Gott verwandeln zu lassen. Das Leben von Menschen, die sich bedingungslos für sein Handeln öffnen, bekommt einen anderen Geschmack, eine neue Farbigkeit, einen angenehmen Duft – wird »Wohlgeruch Christi«
(2 Kor 2,15).

Jesus Christus verwandelt schal gewordenes Lebenswasser in Wein, der neue Schläuche braucht (Lk 5,37f), weil er alteingesessene Lebensmuster und Gewohnheiten sprengt. Mit dem französischen Religionsphilosophen und Naturwissenschaftler Blaise Pascal können Menschen auch heute noch staunend ausrufen: »Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.«

Sr. Manuela Scheiba OSB,
Abtei St. Gertrud – Alexanderdorf,
Am Mellensee