· Vatikanstadt ·

Audienz für die »Paulinische Familie« aus Anlass des 50. Todestages des seligen Giacomo Alberione

Das wichtigste Kommunikationsmittel ist das Gebet

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03 Dezember 2021

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich empfange euch gemeinsam aus Anlass des 50. Todestages des seligen Giacomo Alberione, Gründer der verschiedenen Ordenskongregationen, Säkularinstitute und Laienvereinigungen, die die Paulinische Familie bilden. Ich danke dem Generaloberen der St. Paulus-Gesellschaft, der in euer aller Namen gesprochen hat.

Dieser Jahrestag ist für die Kirche und insbesondere für euch ein guter Anlass, um der großen Dinge zu gedenken, die der Heilige Geist in und durch den seligen Don Alberione getan hat, und erneut vor Augen zu führen, wie wichtig sein Charisma im aktuellen Kontext, aus der Perspektive der Neuevangelisierung, ist. Denn mit großer Weitsicht wusste euer Gründer für das 20. Jahrhundert die Notwendigkeit zu erkennen, dass das Wort Gottes »in Eile dahinläuft« (vgl. Ps 147,15) und »sich ausbreitet« (vgl. 2 Thess 3,1) unter Zuhilfenahme und Ausnutzung der wirksamsten Mittel und Ausdrucksweisen, die der technische Fortschritt anbietet.

Die Gestalt dieses beispielhaften Zeugen des Wortes Gottes tritt uns lebendig vor Augen im »Porträt«, das der heilige Paul VI. von ihm zeichnete: »Und hier steht er demütig, schweigend, unermüdlich, in seine Gedanken vertieft, die vom Gebet zur Tätigkeit fließen, immer bereit, die Zeichen der Zeit zu erforschen, das heißt die kreativsten Formen, die Seelen zu erreichen.« Und der Papst fuhr fort: »Unser Don Alberione hat der Kirche neue Ausdrucksmöglichkeiten geschenkt, neue Mittel, um ihrem Apostolat Kraft und weite Ausstrahlung zu verleihen, neue Fähigkeit und ein neues Bewusstsein für den Wert und die Möglichkeit ihrer Sendung in der modernen Welt und mit den modernen Mitteln« (Ansprache an die Paulinische Familie, 28. Juni 1969).

Diese Worte, liebe Brüder und Schwestern, richten sich an jeden einzelnen von euch und an eure Ordensfamilie. Sie sind eine Herausforderung für euch in eurem konkreten Leben als Gottgeweihte, die aus dem Gebet die Fähigkeit empfangen, die »Zeichen der Zeit« zu ergründen, um die Projekte des Apostolats den Situationen und Bedürfnissen der Menschen von heute anzupassen.

Don Alberione sagte oft, dass der Apostel Paulus euer wahrer Gründer sei. Er verwies stets auf ihn als Inspirator und Vater, als nachzuahmendes Vorbild in der totalen Hingabe an Jesus, den Herrn, und an sein Evangelium, indem man sich von seiner Liebe auf den Weg der Heiligkeit führen lässt. Und er hatte die starke und klare Intuition, dass dieser Weg für euch der Weg des Apostolats ist, das heißt der Dienst an den Brüdern und Schwestern, die – vielleicht auch unbewusst – nach dem Licht und der Freude des Evangeliums dürsten. Und das genau ist die Leidenschaft für das Evangelium. Leidenschaft für das Evangelium, das möchte ich unterstreichen. Denn man kann das Evangelium nicht ohne Leidenschaft leben. Das Evangelium allein aus Worten, das geht nicht: das Evangelium kommt aus deinem Herzen, Leidenschaft… Gerade die Leidenschaft für das Evangelium ist es, die in seinen zahlreichen Initiativen des Apostolats hervorleuchtet, das beseelt war von denselben Motivationen und Zielen, die wir beim Apostel finden, wenn er schreibt: »Obwohl ich also von niemandem abhängig bin, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. […] Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben« (1 Kor 9,19-23).

Und der heilige Paulus ist es auch, der eurem Gründer die Art und Weise eingegeben hat, wie das Apostolat eurer Ordensfamilie trotz seiner Vielfältigkeit als »ein einziges« betrachtet werden kann, wie es eure Spiritualität ist (vgl. Eph 3,10). In diesem Sinne seid ihr alle voll und ganz »Pauliner«, weil ihr alle geistige Söhne und Töchter des heiligen Paulus seid, mit ein und demselben geistlichen Ausgerichtet-Sein auf Jesus Christus, den Meister, den Weg, die Wahrheit und das Leben. Jede Kongregation und jedes Paulinische Institut trägt dazu bei, seinen eigenen besonderen Beitrag einzubringen im Dienst an der Evangelisierung. Die St. Paulus-Gesellschaft und die Töchter des heiligen Paulus durch die Herausgabe von Büchern, Zeitschriften, multimedialen und digitalen Veröffentlichungen. Die Schwestern Jesu, des Göttlichen Meisters, durch das liturgische sowie eucharistische Apostolat und das Apos-tolat in Bezug auf die Priester. Die Schwes-tern Jesu, des Guten Hirten, im Apostolat in den Pfarreien. Die Schwestern der Königin der Apostel mit dem Apostolat für Berufungen – das ist heute notwendig! Und dann gibt es den besonderen Beitrag der Säkularinstitute: das Institut Heiliger Erzengel Gabriel, das Institut Mariä Verkündigung, den Paulus-Weltpriesterverein und das Institut Heilige Familie. Die Mitglieder der Institute dienen ebenso wie die Paulinischen Mitarbeiter dem Evangelium vor allem im Dialog mit der zeitgenössischen Welt – der ein wenig der Dreh-und Angelpunkt der gesamten Paulinischen Spiritualität ist –, in die sie als Laien und Mitglieder von Säkularinstituten voll und ganz eingegliedert sind.

Es ist wahr, dass der technische Fortschritt die gesamte kirchliche Gemeinschaft dazu geführt hat, sich die modernen Kommunikationsmittel als Elemente der ordentlichen Pastoral anzueignen. Dennoch ist heute noch – ja, ich würde sagen immer mehr – eure Präsenz notwendig, beseelt von eurem Charisma und bereichert von den Erfahrungen der Arbeit »in der Praxis«. Das ist entscheidend.

Im Kontext des synodalen Prozesses, den wir begonnen haben, bitte ich euch, es an eurem Beitrag nicht fehlen zu lassen. Diesbezüglich ermutige ich euch, gemeinsam und vernetzt zu arbeiten, wobei jeder dem Wunsch des seligen Giacomo Alberione gemäß das »Eigene« einbringen soll.

Fünfzig Jahre nach seiner »Geburt zum Himmel« bieten euch die Feierlichkeiten für euren Gründer die Gelegenheit, die prophetische Bedeutung seines Zeugnisses noch besser zu erkennen. Seinem Beispiel folgend und mit seiner Fürsprache wählt auch ihr die Kommunikationsmittel als »Kanzel«, damit ihr, wie er selbst sagte, mit den Mitteln unserer Zeit den Menschen unserer Zeit Jesus verkünden könnt. Ich danke euch für den Einsatz, mit dem ihr arbeitet und vor allem betet. Vergesst das Gebet nicht! Es ist das wichtigste Kommunikationsmittel: dorthin kommunizieren [Der Papst zeigt nach oben.] Wenn ich mit der ganzen Welt kommuniziere, aber nicht mit dem Herrn, dann stimmt etwas nicht. Gebet und Arbeit, damit das heilige Gottesvolk sich immer mehr vom Wort Gottes ernährt. »In allen Dingen und mit ganzem Herzen im Leben wie im Apostolat immer und ausschließlich die Ehre Gottes und den Frieden der Menschen suchen« (vgl. Don Alberione, Gebet des Bundes mit Gott).

Maria, die Königin der Apostel, begleite euch auf den Wegen der Welt als Apostel und Apostelinnen des Evangeliums, immer bereit, »von den gewöhnlichen Leuten« zu lernen, wie Don Alberione gerne zu sagen pflegte. Auch ich begleite euch mit meinem Gebet und mit meinem Segen. Und bitte, ich bitte euch, für mich zu beten. Danke.

(Orig. ital. in O.R. 25.11.2021)