· Vatikanstadt ·

Vatikan kritisiert unmenschliche Zustände in Fischereibranche

cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg
26 November 2021

Vatikanstadt. Zum Weltfischereitag, der in diesem Jahr am 21. November begangen wurde, hat der Vatikan auf Missstände in der Branche aufmerksam gemacht. Das industrielle Fischereigewerbe habe sich »in einem Netz aus Problemen und Herausforderungen« verfangen, heißt es in einem Schreiben von Kurienkardinal Peter Turkson. Der Präfekt des Dikasteriums für den Dienst zuguns-ten der ganzheitlichen Förderung des Menschen kritisiert Menschenrechtsverletzungen auf See, die durch die Coronakrise weiter zugenommen hätten. Leidtragende seien die Fischer und ihre Familien in aller Welt.

Die Umsetzung einschlägiger Schutzvorschriften habe sich im Fischereisektor als außerordentlich schwierig erwiesen. Denn oft würden die Betroffenen zu »Geiseln der Umstände«, sobald das Schiff den Hafen verlasse. Was in den Wochen und Monaten auf See geschehe, lasse sich kaum überwachen.

Etliche Fischer würden bei schlechter Bezahlung gezwungen, selbst bei ungünstigs-tem Wetter und kritischer Versorgungslage endlose Schichten abzuleisten. Nicht selten passierten wegen Übermüdung schlimme Unfälle. »Mit mehr als 24.000 Toten in einem Jahr können wir die Fischereiindustrie als tödlich bezeichnen«, so Kardinal Turkson. Meist erhielten die Angehörigen nur eine geringe oder gar keine Entschädigung. Dies seien »unmenschliche Zustände«, gegen die dringend etwas unternommen werden müsse.

Die weltweite Produktion von Wassertieren erreichte laut aktuellen UN-Zahlen aus dem Jahr 2018 rund 179 Millionen Tonnen im Wert von 401 Milliarden US-Dollar. Davon stammten 97 Millionen Tonnen aus der Fangfischerei. Den Angaben zufolge arbeiten im Fischerei- und Aquakultursektor rund 60 Millionen Menschen.