· Vatikanstadt ·

Heilige Messe mit Weihe von zwei Bischöfen im Petersdom

Zum Dienst an den Menschen auserwählt

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29 Oktober 2021

Papst Franziskus hat seinen scheidenden Zeremonienmeister Guido Marini im Petersdom zum Bischof geweiht. Marini, der 14 Jahre lang das Amt des Zeremonienmeisters ausübte, wird am kommenden 7. November seinen Dienst als Bischof von Tortona in Nord-italien antreten. Zudem weihte der Papst den neuen Sekretär der Kongregation für den Klerus, den Chilenen Andrés Gabriel Ferrada Moreira, zum Bischof. Er hatte zuvor in Santiago de Chile als Studienpräfekt des Priesterseminars gewirkt; seit 2018 arbeitet er im Vatikan. Am Ende des Gottesdienstes bekundete Bischof Marini dem Papst seine Dankbarkeit. Er und sein Amtsbruder Ferrada wollten »Hirten sein, in denen das Wort Gottes gegenwärtig wird«. Die vom Papst gehaltene Homilie ist im Wesentlichen die Predigt, die in der italienischen Ausgabe des »Pontificale Romano« für die Bischofsweihe vorgesehen ist. Franziskus ergänzte sie durch persönliche Hinzufügungen:

Liebe Brüder und Schwestern,

liebe Söhne und Töchter!

Bedenkt, welch wichtiges Amt in der Kirche unseren Brüdern heute übertragen wird. Wie der Vater unseren Herrn Jesus Christus in die Welt gesandt hat, um die Menschen zu erlösen, so hat dieser die Apostel gesandt. Er hat ihnen aufgetragen, in der Kraft des Heiligen Geistes das Evangelium zu predigen und alle Völker zu sammeln, sie zu heiligen und sie zu leiten.

Damit diese Aufgabe bis zum Ende der Zeiten erfüllt werde, haben sich die Apostel Mitarbeiter erwählt. Ihnen haben sie durch Hand-auflegung die Gabe des Heiligen Geis-tes verliehen, den sie selbst von Christus empfangen hatten. Durch diese Handauflegung wird das Weihesakrament in seiner ganzen Fülle übertragen. So wird die ununterbrochene apostolische Nachfolge der Bischöfe gewahrt; das lebendige Werk des Erlösers besteht bis in unsere Zeit fort und wächst weiter. Im Bischof, der umgeben ist von seinen Presbytern, ist unser Herr Jesus Christus selbst in eurer Mitte gegenwärtig, der Hohepriester in Ewigkeit.

Jesus Christus selbst verkündet durch den Dienst des Bischofs das Evangelium; er spendet denen, die glauben, die Sakramente. Er selbst fügt durch den Bischof dem Leib seiner Kirche neue Glieder ein. Er selbst führt euch durch den Bischof in Weisheit auf dem Weg durch die Zeit zur ewigen Freude. Nehmt darum unsere Brüder frohen und dankbaren Herzens auf, die wir Bischöfe durch Handauflegung unserem Kollegium eingliedern.

Ihr aber, liebe Brüder, die der Herr erwählt hat, bedenkt: Ihr seid zum Dienst vor Gott aus den Menschen ausgewählt und für die Menschen eingesetzt – nicht für euch, für die anderen. Das Bischofsamt ist nicht zur persönlichen Ehre gegeben, sondern es ist eine Aufgabe – es ist ein Dienst, ohne das Dienen ist es kein wahres Bischofsamt –, und der Bischof ist nicht da, zu herrschen – wie es die Jünger wollten, einer zur Rechten und einer zur Linken –, sondern zu dienen, wie der Herr geboten hat: »Der Größ-te unter euch soll werden wie der Kleinste, und der Führende soll werden wie der Die-nende.« Dienen. Und mit diesem Dienen werdet ihr eure Berufung bewahren und echte Hirten sein im Dienen, nicht durch Ehre, Macht und Autorität. Nein. Dienen, immer dienen. Verkündet das Wort, tretet dafür ein, ob man es hören will oder nicht. Weist zurecht in aller Geduld und Weisheit; bildet euch weiter. In Gebet und Opfer erbittet für eure Gläubigen aus dem Reichtum Christi seine Gnade in Fülle.

Ihr werdet die Hüter des Glaubens, des Dienens, der Liebe in der Kirche sein und deshalb müsst ihr nahe sein. Denkt daran, dass die Nähe das charakteristischste Indiz Gottes ist. Er selbst sagt es im Buch Deuteronomium zu seinem Volk: »Welche Nation hätte Götter, die ihr so nahe sind, wie ich dir nahe bin?« (vgl. 4,7). Nähe, mit zwei Charakteristika, die sie begleiten: Nähe, die Mitleid und Zärtlichkeit ist. Bitte unterlasst diese Nähe nicht, seid immer dem Volk nahe, seid Gott immer nahe, seid euren bischöflichen Mitbrüdern nahe, seid den Priestern nahe. Das sind die vier Weisen der Nähe des Bischofs. Der Bischof ist ein Mann, der Gott im Gebet nahe ist. Oft könnte man sagen: »Ich habe so viel zu tun, ich kann nicht beten.« Halt! Als die Apostel die Diakone »erfunden« haben, was sagt Petrus da? »Wir« – die Bischöfe – »wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben« (vgl. Apg 6,4). Die allererste Aufgabe des Bischofs ist das Gebet – nicht wie ein Papagei – mit dem Herzen beten, beten. »Ich habe keine Zeit.« Nein! Lass die anderen Dinge, aber Beten ist die ers-te Aufgabe des Bischofs. Nähe zu Gott im Gebet.

Dann die zweite Nähe, Nähe zu den anderen Bischöfen. »Nein, denn die gehören zu jener Fraktion, ich gehöre zu dieser Fraktion…« Seid Bischöfe! Es wird Diskussionen unter euch geben, aber als Brüder, die einander nahe sind. Aber niemals schlecht über die bischöflichen Mitbrüder reden, niemals. Nähe zu den Bischöfen: das ist die zweite Nähe, zum Bischofskollegium.

Dritte Nähe, die Nähe zu den Priestern. Bitte, vergesst nicht, dass die Priester eure allernächsten Nächsten sind. Wie oft hört man Klagen, dass ein Priester sagt: »Ich habe den Bischof angerufen, aber die Sekretärin, hat mir gesagt, dass sein Terminkalender voll ist und dass er mich vielleicht in einem Monat empfangen könnte…« Das geht nicht. Wenn du erfährst, dass dich ein Priester angerufen hat, dann rufe ihn am selben oder am nächs-ten Tag zurück. Und dadurch wird er wissen, dass er einen Vater hat. Nähe zu den Pries-tern, und wenn sie nicht kommen, dann gehe du sie besuchen: nahe sein.

Und die vierte Nähe, Nähe zum heiligen gläubigen Gottesvolk. Das, was Paulus zu Timotheus gesagt hat: »Denk an deine Mutter, an deine Großmutter…« (vgl. 2 Tim 1,5). Vergiss nicht, dass du »aus der Herde genommen wurdest«, nicht aus einer Elite, die studiert hat, viele Titel hat und jetzt Bischof sein muss. Nein, aus der Herde.

Bitte vergesst diese vierfache Nähe nicht: Nähe zu Gott im Gebet, Nähe zu den Bischö-fen im Bischofskollegium, Nähe zu den Pries-tern und Nähe zur Herde. Der Herr möge euch auf diesem Weg der Nähe wachsen lassen, so werdet ihr den Herrn besser nachahmen, denn er war immer nahe und ist uns immer nahe, und mit seiner Nähe, die eine mitleidsvolle und zärtliche Nähe ist, bringt er uns vorwärts. Und die Muttergottes behüte euch!

(Orig. ital. in O.R. 18.10.2021)