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Papst empfängt Mitglieder eines orthodox-katholischen Arbeitskreises

Gemeinsam Mauern niederreißen

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15 Oktober 2021

Vatikanstadt/Wien. Papst Franziskus hat am Donnerstag, 6. Oktober, Vertreter des Gemeinsamen orthodox-katholischen Arbeitskreises St. Irenäus in Audienz empfangen. In seiner Ansprache rief er die Teilnehmer auf, gemeinsam Mauern niederzureißen und Brücken der Gemeinschaft zu bauen. Ihm gefalle auch der Name der Gruppe. Sie seien nicht eine Kommission oder ein Komitee, sondern ein Arbeitskreis; eine Gruppe, die sich in einem brüderlichen und geduldigen Dialog als Experten unterschiedlicher Kirchen und Länder austausche. Dabei hätten alle die Einheit als Ziel.

Dem Arbeitskreis gehören 13 orthodoxe und 13 katholische Theologen an. Dazu kommen bei den Tagungen auch einige Beobachter beziehungsweise Gäste. Den Vorsitz des Arbeitskreises haben gemeinsam der katholische Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, und der rumänisch-orthodoxe Erzbischof und Metropolit für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa, Serafim (Joanta), inne. Die Mitglieder des Arbeitskreises werden nicht als Delegierte von ihren Kirchen entsandt, sondern wurden aufgrund ihrer theologischen Kompetenz in den Arbeitskreis berufen.

Beim mehrtägigen Jahrestreffen, das in den vergangenen Tagen in der Päpstlichen Universität St. Thomas von Aquin in Rom stattfand, befassten sich die Teilnehmer mit dem Spannungsfeld von Einheit, Vielfalt und Schisma –  sowohl im Blick auf die ersten christlichen Jahrhunderte wie auch auf aktuelle Entwicklungen.

Der Wiener Ostkirchenexperte und »Pro Oriente«-Vizepräsident Rudolf Prokschi äußerte im Anschluss an die Audienz nach Angaben des Pro Oriente-Informationsdienstes die Hoffnung, dass die Ergebnisse des Irenäus-Arbeitskreises künftig auch stärker rezipiert würden. Bei ihrer letzten Tagung in Graz 2018 verabschiedeten die Mitglieder des Arbeitskreises das Dokument »Im Dienst an der Gemeinschaft. Das Verhältnis von Primat und Synodalität neu denken«, das in den Jahren davor erarbeitet worden war. 2018 hofften die Theologen, dass der Text einen Beitrag zum theologischen Dialog zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche leisten werde. Nun zeige sich, dass er auch für den von Papst Franziskus eröffneten synodalen Prozess in der katholischen Kirche von Relevanz sein könnte.

Prokschi, der dem Arbeitskreis seit Beginn angehört, betonte, dass der Primat und das synodale Element in der Kirche zusammengehörten. Sie seien nicht zu trennen und dürften auch nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Das Dokument »Im Dienst an der Gemeinschaft. Das Verhältnis von Primat und Synodalität neu denken« wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt. Papst Franziskus erhielt bei der Audienz von Kardinal Kurt Koch alle bisher erschienenen Sprachausgaben als Geschenk. Die Teilnehmer des Arbeitskreises hatten vor der Papstaudienz den Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen besucht, der sie dann zum Papst begleitete.