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Die Ideen

Gleichberechtigung

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04 September 2021

Der Beitrag der Frauen zum Leben der Kirche hat viele Nuancen, die in der Konkretheit des gelebten Lebens deutlich und exemplarisch werden und heute einen Weg zur Regenerierung der Kirche aufzeigen können, und nicht nur das. Nachdem wir von den Samariterinnen und den rebellischen Prophetinnen berichtet haben, bieten wir heute eine Reise quer durch die großen geistlichen Freundschaften zwischen Mann und Frau, um zu zeigen, dass die gemeinsame und mitverantwortliche Arbeit, inklusive der »angeordneten Kombination«, im Leben der Kirche stets fruchtbar wird. Oft sind es gerade diese »Paare«, die innovative Prozesse eingeleitet haben.

Wir erzählen einige Geschichten, die unterschiedliche Augenblicke in der tausendjährigen Geschichte der Kirche charakterisiert haben. Es handelt sich dabei immer um intensive und reiche Beziehungen; sie sind Ausdruck einer spirituellen Liebe wie jener zwischen Klara und Franziskus; einer geschwisterlichen Liebe wie jener zwischen Scholastika und Benedikt; einer absoluten Liebe wie jener zwischen Heloïse und Abaelard. Und auch menschliche Abenteuer zwischen weit entfernten Persönlichkeiten sind interessant: wir denken dabei an die energische Johanna Franziska von Chantal, Anhängerin und zugleich inspirierende Freundin des Franz von Sales; oder, in jüngerer Zeit, an die ruhige und sonnige Romana Guarnieri, die von dem rastlosen und umgetriebenen Pfarrer Giuseppe De Luca zum katholischen Glauben bekehrt wurde.

Es ist wichtig, diese außergewöhnlichen Freundschaften in der Geschichte des Christentums wieder aufs Tapet zu bringen, da es sich bei ihnen, wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten und gemessen an der Kultur ihrer Zeit, um auf der Gleichberechtigung gründende Partnerschaften handelt. Sie zeugen von einer anderen Ordnung innerhalb der Beziehungen, in der man sich gegenseitig die selbe Würde zuerkennt, die sowohl von den Hierarchien als auch von der Welt geschätzt wird. Mitunter ist es bei diesen Paaren gerade die Führung durch die Frau, die ins Auge sticht. Wir denken hier etwa an die Energie, mit der Armida Barelli die Projekte von Agostino Gemelli unterstützt hat, mit dem sie die Katholische Universität gegründet und geleitet hat.

Diese Erfahrungen sind Werkstätten. Diese Frauen und diese Männer haben an einem gemeinsamen Projekt gearbeitet und sich dabei Vertrauen geschenkt und einander geschätzt. Und dieses Projekt haben sie ihrer Kirche zur Verfügung gestellt.

Ihre Konfrontation hat zu geistlichen und theologischen Vertiefungen und Vergleichen geführt. Aus der Kraft ihrer Freundschaft ist ein soziales Engagement für den Menschen hier und jetzt, auf Erden, hervorgegangen, und es sind Organisationen entstanden, die der Kirche geholfen haben, ihren Ansatz im Umgang mit den Übeln der Welt zu ändern: so denken wir etwa an das, was zwei Giganten der Nächstenliebe, Louise von Marillac und Vinzenz von Paul, verwirklicht haben.