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Bestimmte Gesten erinnern uns Christen daran, dass wir nicht allein sind, sondern uns jemandem anvertrauen können, der uns liebt

Wenn der Papst der Muttergottes in die Augen blickt…

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30 Juli 2021

Es gibt eine wortlose Geste, die den Petrusdienst von Papst Franziskus begleitet: Immer wieder pilgert er nach Santa Maria Maggiore, um vor dem Bild der »Salus populi romani« zu beten. Jede Reise, jedes wichtige kirchliche Ereignis oder auch persönliche Beschwerden – wie Operation und Krankenhausaufenthalt – trägt der Papst vor das Bild in der ältesten Marienkirche der Welt. Der nach oben auf das Bild gerichtete Blick erinnert an die Augen eines Kindes, das auf das Gesicht seiner Mutter blickt. Und genau dadurch erinnert uns Franziskus daran, dass jedes Alphabet des Glaubens, einschließlich der Marienverehrung, vor allem eine lebendige und wahre Beziehung zu einer lebendigen und wahren Person ist. Die geheimnisvolle Gemeinschaft der Heiligen, die Himmel und Erde verbindet, bildet den Hintergrund für bestimmte Gesten, für bestimmte Entscheidungen. Bilder sind für einen Christen niemals Götzen, sondern heilige Zeichen, Sakramentalien, die die Erinnerung an eine Bindung neu beleben. Wie es häufig geschieht, dass jemand, der einen geliebten Menschen in weiter Ferne weiß, ein Bild, einen Brief, einen Gegenstand von diesem in die Hand nimmt und dadurch aus der Ferne eine Verbindung bezeugt, die durch die Distanz noch tiefer geworden ist, so erinnern uns Christen bestimmte Gesten daran, dass wir nicht allein sind und dass wir uns beständig jemandem anvertrauen können, der uns liebt. Dieser Jemand ist vor allem Christus, der uns liebt und der uns gesagt hat, dass er alle Tage bis zum Ende der Welt bei uns bleiben wird, und dann Maria, die Heiligen, unsere verstorbenen Angehörigen.

Wir sind eingetaucht in ein Netz von Beziehungen. Wir sind nicht allein. Mit dem Blick auf den Papst könnten wir uns fragen, ob das auch für uns so ist. Ob auch für uns diese Wahrheit wahr ist, dass wir nicht allein sind. Ob auch wir Gesten kennen, die uns an diese entscheidende Gegenwart des Himmels in den irdischen Dingen erinnern. Mit dem Blick auf den Papst fragen wir uns, ob Maria auch für uns unsere Mutter ist und ob wir diese Verbindung beherzigen, um das Evangelium ernster zu nehmen und mutigere Lebensentscheidungen zu treffen. Nach der Entlassung aus der Gemelli-Klinik wollte der Papst in Santa Maria Maggiore diese Auszeit mit einer Geste des Dankes und vielleicht auch mit einem Akt des Anvertrauens abschließen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für all jene, denen er in den Korridoren der Krankenhausabteilungen begegnet ist, die er besucht hat. Jener Besuch bei Maria war zweifellos von Dankbarkeit und Vertrauen geprägt, grundlegende Komponenten, um die Herausforderungen des Lebens bewältigen zu können. Dankbarkeit ist die Erinnerung an das Gute. Vertrauen ist die Erinnerung daran, dass wir uns nicht selbst genügen. Das zeichnet die Haltung der Jünger aus.

Von Luigi Maria Epicoco

Luigi Maria Epicoco, am 16. Juni von Papst Franziskus zum kirchlichen Assistenten des Dikasteriums für die Kommunikation ernannt sowie zum »Leitartikelautor« des Osservatore Romano. Geboren in Mesagne, Apulien, am 21. Oktober 1980, wurde er 2005 für die Erzdiözese L’Aquila zum Priester geweiht. Er lehrt Philosophie an der Päpstlichen Lateranuniversität und hat sich als Verfasser geistlicher Literatur wie auch durch Videos zu Themen des Glaubens in Italien einen Namen gemacht. Anfang 2020 erschien sein Buch mit Auszügen aus »persönlichen Gesprächen« mit Papst Franziskus. Im Mittelpunkt des Werkes stehen die Gestalt Johannes Pauls II. und das Verhältnis Jorge Bergoglios zu ihm.