· Vatikanstadt ·

Im Vorfeld des Welttags gegen den Menschenhandel am 30. Juli

Mit der Kraft der Fürsorge die Strukturen der Ausbeutung und Sklaverei zerschlagen

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22 Juli 2021

Das weltweite Netzwerk »Talitha Kum« – bei dem über 3.000 katholische Ordensfrauen und Mitarbeiter zusammenarbeiten, um dem Menschenhandel ein Ende zu setzen –, lädt alle verpartnerten Ordensfamilien und die Freunde in circa 90 Ländern in aller Welt ein, sich an der Medienkampagne für die Vorbereitung des Welttags gegen dieses abscheuliche Phänomen zu beteiligen, der am 30. Juli begangen wird.

Am 22. Juli wurde im Vorfeld des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Welttags gegen Menschenhandel eine »Online-Aktivierung« gestartet, die vor allem über die sozialen Netzwerke erfolgt: »Wir wollen gemeinsam eine Geschichte der Fürsorge erzählen«, erläutert die internationale Koordinatorin der Initiative, Sr. Gabriella Bottani von den Comboni-Missionsschwestern, indem sie die Bedeutung der Worte »Care Against Trafficking« übersetzt. »Unser Ziel ist, aufzuzeigen, dass die Fürsorge auf jedem Abschnitt des Weges zur Bekämpfung des Menschenhandels den Unterschied machen kann: Fürsorge für gefährdete Menschen, Fürsorge für die Opfer und für die Überlebenden«, so fügt sie hinzu. Eben deshalb startet die Initiative »Fürsorge gegen den Menschenhandel« auf den Twitter-, Instagram- und Facebook-Accounts von »Talitha Kum« damit, die Banner und Profile mit dem englischsprachigen Schlüsselwort zu aktualisieren. »Alle Materialien wie etwa das Logo und die Fotos werden durch das Posten von Geschichten über Ordensfrauen geteilt, um die Botschaft zu veranschaulichen und sie durch das Internet zu verstärken.« Es handelt sich dabei zu einem Großteil um Zeugnisse, die dazu dienen, die Kraft der Fürsorge zu beschreiben, vor allem im Hinblick auf den Zugang zu guter Bildung, zu Arbeitserlaubnissen und Beschäftigungsmöglichkeiten, zum Gesundheitswesen und psychologischem Beistand und Gerechtigkeit für die Überlebenden. Und diejenigen, die nur wenig mit der Welt der sozialen Netzwerke vertraut sind, werden aufgefordert, ihre Erfahrungen trotzdem an die Mailadresse communication@talithakum.info zu schicken: diese werden dann seitens des Koordinierungsbüros des römischen Hauptquartiers am Sitz der Internationalen Vereinigung von Generaloberinnen (UISG) verbreitet, um sie bekanntzumachen. Auch wenn die Koordinatorin darauf verweist, dass »die Mitwirkung an der Kampagne über alle örtlichen Kanäle möglich ist, um so mehr Menschen zu erreichen und stärker zu wirken«.

»Der Menschenhandel ist eine schwärende Wunde am Leib der zeitgenössischen Menschheit«, hatte Papst Franziskus den Teilnehmern der internationalen Konferenz über den Menschenhandel am 10. April 2014 gesagt. Eben deshalb, so die Comboni-Missionsschwester, »werden wir nicht still sein, während Menschen überall auf der Welt seinetwegen leiden«.

Das wissen die Schwestern von »Talitha Kum« nur allzu gut, die in Pattaya in Thailand, einem der wichtigsten Ziele des Sextourismus, Mädchen, die dem Markt der Prostitution entrissen wurden, Ausbildungen als Friseurinnen oder Masseusen anbieten, damit sie eine anständige Arbeit finden können.

»Genährt mit der Kraft der Spiritualität«, kommentiert Sr. Gabriella, »haben wir Zehntausenden von Menschen geholfen, die der Gewalt entkommen sind, und sie dabei unterstützt, einen Weg zu finden, ihr Leben, ihre Würde und ihre Freiheit wiederzufinden. Und wir wagen noch einen weiteren Schritt auf unserem Weg der Fürsorge: wir wollen eine nachhaltige, langfristige Veränderung herbeiführen, um die Strukturen zu zerschlagen, welche die Unterdrückung und die Ausbeutung ermöglichen. Wir geben zu, dass wir, um dieser globalen Herausforderung entgegenzutreten und systemische Lösungen zu finden, mit Organisationen aus dem Privatsektor, mit Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten müssen. Wir müssen die Wirtschaft des Menschenhandels in eine Wirtschaft der Fürsorge umwandeln, die es jedermann, vor allem aber den Frauen, gestattet, blühende und sichere Gemeinschaften zu fördern. Deshalb bitten wir alle Menschen guten Willens, sich zusammenzutun, um die systemischen Ursachen dieses Phänomens zu bekämpfen, und die Regierungen, die Überlebenden langfristig zu unterstützen und ihnen Bildung, Ausbildung, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung sowie medizinische und psychologische Hilfe zu garantieren«, so schließt sie.

Von Gianluca Biccini