Grußworte von Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 9. Juni

Der innere Weg des Herzensgebetes

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09 Juni 2021

In der Generalaudienz am Mittwoch, 9. Juni, die wieder im Damasushof des Apostolischen Palastes stattfand, setzte Papst Franziskus seine Katechesenreihe über das Gebet fort. Ein Mitarbeiter der deutschsprachigen Abteilung des Staatssekretariats trug die folgende Zusammenfassung vor:

Die Heilige Schrift lädt uns ein, ja sie gebietet uns, »ohne Unterlass« zu beten – und die Gläubigen aller Zeiten haben sich gefragt, wie man sich solch unaufhörliches Gebet vorstellen soll und wie es sich konkret verwirklichen lässt. In dieser Hinsicht ist das Buch »Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers« zu einem Klassiker der geistlichen Literatur geworden. Es beschreibt den inneren Weg des sogenannten Herzensgebetes, das beständig und dem Atem folgend die immer gleiche Anrufung des Namens Jesu wiederholt, bis sich dieses Gebet dann mit dem unbewussten, kontinuierlichen Rhythmus des Atems verbindet. Wie der Atem setzt sich dieses Beten dann fort, auch wenn man mit anderen Dingen beschäftigt ist. Die biblische Aufforderung, ohne Unterlass zu beten, muss also keineswegs in einem Widerspruch zu unseren vielfältigen Aufgaben und Verpflichtungen des Alltags stehen – auch wenn es uns manchmal so vorkommen mag. So nahm gerade im christlichen Mönchtum die Arbeit immer einen gewichtigen Platz ein, und das nicht nur aufgrund materieller Notwendigkeit, sondern auch zur Erhaltung eines inneren Gleichgewichts. Das Gebet ist für den geistlichen Menschen wie der Atem, er durchzieht all unser Tun, es belebt und inspiriert das ganze Leben. Die Arbeit ihrerseits bewahrt das Gebet vor einer spiritualistischen oder ritualistischen Abgehobenheit und Entfremdung vom konkreten Leben. Beten und christliches Leben lassen sich nicht trennen (KKK 2745).

Der Heilige Vater grüßte die deutschsprachigen Gläubigen auf Italienisch. Anschließend wurde folgende deutsche Übersetzung der Grüße vorgelesen:

Liebe Brüder und Schwestern deutscher Sprache, am Freitag feiern wir das Herz-Jesu-Fest. Bitten wir den Herrn um ein Herz, das nach dem seinen schlägt. Er reinige es von allem Irdischen, von allem Stolz, aller Unordnung und Gleichgültigkeit. Er selbst sei unsere Erfüllung, damit unser Herz in Liebe und Gottesfurcht den Frieden finde.