Fronleichnamsgottesdienst am Campo Santo Teutonico

Das Staunen neu lernen

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11 Juni 2021

Vatikanstadt. Bei einem Fronleichnamsgottesdienst im Vatikan hat Salzburgs Erzbischof Franz Lackner vor einer Ich-Kultur in der westlichen Kirche gewarnt. Anstatt »nur auf sich bezogen zu sein, auf eigene Fähigkeiten und Talente fixiert«, gelte es, im Antlitz des anderen Gottes Antlitz zu erkennen, sagte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz am Samstagabend, 5. Juni, in der Kirche des Campo Santo Teutonico. Dies müsse man »mit den Werten des Evangeliums angehen«.

Die Gefahr einer um sich greifenden »Ich-Religion«, vor der Papst Franziskus bereits wiederholt gewarnt hat, sieht Erzbischof Lackner derzeit vor allem auch in der westlichen und deutschsprachigen Kirche. Geistliche seien davon nicht ausgenommen. »Wir zelebrieren mitunter nur uns selbst«, so Lackner an die Mitbrüder gewandt. Stattdessen gelte es, sich wieder bewusst zu werden, dass man selbst wie auch eigene Projekte nur vorläufig sind. Aller Einsatz gelte letztlich Gott und wie er sich in anderen Menschen zeige. Das gelinge zudem besser, wenn Menschen wieder lernten, öfter zu staunen.

An der heiligen Messe mit anschließender Prozession durch die Vatikanischen Gärten nahmen unter anderem die Botschafterin der Republik Österreich beim Heiligen Stuhl, Franziska Honsowitz-Friessnigg, ihr belgischer Kollege Patrick Renault sowie der Gesandte der deutschen Botschaft, Konrad Geier, teil. Neben Erzbischof Lackner zelebrierten der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, der Rektor des Campo Santo Teutonico, Prälat Hans-Peter Fischer, und der Leiter der deutschsprachigen Sektion im vatikanischen Staatssekretariat, Prälat Winfried König.

Musikalisch gestaltet wurde die Feier von einer Abordnung der Blaskapelle Anthering bei Salzburg. Der Campo Santo zählt zu den traditionsreichsten deutschsprachigen Institutionen in Rom. Er umfasst unter anderem den bei vielen Rompilgern bekannten »Friedhof der Deutschen und Flamen« und ein Priesterkolleg.

Erzbischof Lackner hielt sich seit 3. Juni zu einem mehrtägigen Besuch in Rom und im Vatikan auf. Das Fronleichnamsfest wird in der ewigen Stadt nicht wie in Österreich zehn Tage nach Pfingsten gefeiert, da dieser Tag in Italien kein staatlicher Feiertag ist, sondern meist erst am darauffolgenden Wochenende.