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Vatikan startet weltweiten synodalen Prozess

Gemeinsam auf den Heiligen Geist hören

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27 Mai 2021

Die für Oktober 2023 geplante Weltbischofssynode im Vatikan wird von Papst Franziskus zu einem zweijährigen synodalen Weg ausgebaut. Für die Bischofssynode zum Thema Synodalität der Kirche sind drei Phasen vorgesehen: eine diözesane, eine kontinentale und eine weltkirchliche. Ziel sei es, allen Gläubigen Gelegenheit zu bieten, »aufeinander und auf den Heiligen Geist zu hören«, wie es Franziskus selbst formulierte.

Vatikanstadt. Der Vatikan hat zur Vorbereitung der im Oktober 2023 stattfindenden Bischofssynode einen weltweiten synodalen Prozess geplant. Das teilte der Vatikan am Freitag, 21. Mai, mit. Die ganze Kirche werde im kommenden Oktober einen »synodalen Weg« beschreiten, kündigte der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Mario Grech, in einem dazu auf Twitter veröffentlichten Video an. Aus einem am Morgen veröffentlichten Schreiben des Generalsekretariats der Bischofssynode an die Bischöfe geht hervor, dass bereits im Oktober dieses Jahres die Beratungen in Rom und in den Ortskirchen beginnen sollen. Sie sollen der Kirche dabei helfen, »durch eine greifbare Erfahrung der Synodalität« zusammenzuwachsen, hieß es darin. Der synodale Prozess werde ein »kirchliches Abenteuer« werden, so Grech, bei dem die »Beteiligung jedes einzelnen wertvoll in diesem Prozess gemeinsamen Hörens auf den Heiligen Geist« sei. Noch im März hatte Grech mitgeteilt, dass noch nicht klar sei, ob die Synode wie geplant 2022 stattfinden könne.

Der Prozess besteht aus drei Phasen: Einer diözesanen, einer kontinentalen und einer weltkirchlichen. Dabei handle es sich nicht nur um ein Ereignis, »sondern einen Prozess, bei dem das Volk Gottes, das Kollegium der Bischöfe und der Bischof von Rom gemeinsam einbezogen sind, alle gemäß den ihnen zukommenden Funktionen«, so die Mitteilung des Synodensekretariats. Der Prozess beginnt in Rom und in allen Diözesen der Weltkirche. Am 9. und 10. Oktober fällt der Startschuss in Rom, am 17. Oktober folgt die Eröffnung in den Ortskirchen. Von Oktober 2021 bis April 2022 sollen auf der Grundlage von Dokumenten, Fragebögen und Handreichungen aus dem Vatikan Anhörungen in den Diözesen abgehalten werden. Daran sollen auch Orden, katholische Hochschulen und Laienbewegungen teilnehmen. »Das Ziel dieser Phase des Prozesses ist es, das Volk Gottes zu beteiligen. Der synodale Prozess geschieht, indem allen Getauften, die Träger des Glaubenssinns der Gläubigen sind, zugehört wird«, so Grech.

Nach dem diözesanen Prozess sollen die Bischofskonferenzen die Ergebnisse beraten und ihre Ergebnisse zwischen September 2022 und März 2023 in kontinentalen Bischofstreffen beraten, auf deren Grundlage die Arbeitsdokumente der Synode entstehen. Wie bereits zuvor angekündigt, tagt dann im Oktober 2023 die Bischofssynode in einer einmonatigen Sitzungsperiode. Die Bischöfe sollen dort über die gesammelten Anliegen des Volkes Gottes – »und nur darüber« – beraten, betonte Grech. Auf der Basis der Ergebnisse der Synode kann dann ein Apostolisches Schreiben des Papstes entstehen.

Synodale Prozesse gibt es derzeit in mehreren Teilen der Weltkirche. In Deutschland beraten seit Anfang 2020 Bischöfe und Laien im »Synodalen Weg«. Anfang Februar hatte Papst Franziskus selbst seinen Wunsch nach einem synodalen Prozess für Italien ausgedrückt. In Australien beginnt im Oktober ein Plenarkonzil der Diözesen des Landes. In Irland kündigten die katholischen Bischöfe im März an, binnen fünf Jahren eine Nationalsynode einzuberufen. Vorbereitend soll es einen »synodalen Weg« (»synodal pathway«) geben. Unter anderem will man in Irland die Stimmen derer hören, die die Kirche verlassen haben.

Wie die unterschiedlichen Beteiligungsformate mit dem nun beginnenden weltkirchlichen Prozess verzahnt werden, ist noch nicht bekannt. Im Februar hatte Grech den einzelnen in der Weltkirche stattfindenden Beratungen seine Unterstützung angeboten. »Wir verfolgen mit Interesse all diese verschiedenen synodalen Prozesse, die im Gange sind«, so der Kardinal.

Bereits im vergangenen Frühjahr hatte der damalige Generalsekretär des Ständigen Rats der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, angekündigt, dass sich die nächste Bischofssynode mit Synodalität befassen wird. Der angekündigte Titel lautete »Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission«. Ursprünglich war Oktober 2022 als Termin geplant.

Die Bischofssynode ist ein Beratungsorgan des Papstes. Das Kollegium der Bischöfe soll den Papst in seiner Leitungsaufgabe unterstützen. Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) richtete Papst Paul VI. dieses Gremium ein, deren ordentliche Generalversammlung im Regelfall alle drei Jahre tagt.

Zuletzt fand 2018 die Ordentliche Bischofssynode zum Thema »Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung« statt. Daneben gibt es noch Außerordentliche Synoden wie die Familiensynode 2015 und Sondersynoden zur Lage der Kirche in einzelnen Regionen der Welt wie die Amazonas-Synode 2019. Bischofssynoden haben keine Entscheidungskompetenz. Ihre Konsequenzen werden durch den Papst in freier Wertung der Ergebnisse festgelegt.