Gedenkveranstaltung für die am 15. Februar 2015 in Libyen enthaupteten Christen

Liebe und Glaube sind stärker als der Hass

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26 Februar 2021

Vatikanstadt. Papst Franziskus hat an koptischeChristen erinnert, die vor sechs Jahren von Terrormilizen des sogenannten »Islamischen Staates« (IS) ermordet wurden, und sie als »Heilige aller Christen« bezeichnet. In einer in freier Rede gehaltenen Videobotschaft anlässlich der Gedenkveranstaltung am Montag, 15. Februar, würdigte er die Getöteten als Familienväter, die angesichts der Brutalität der Islamisten noch im Tod den Namen Jesu bekannt hätten. Die 21 Opfer, fast alle ägyptische Bauarbeiter in Libyen, waren von IS-Milizen entführt und nahe der Stadt Sirte enthauptet worden. Der IS verbreitete am 15. Februar 2015 ein Video des Massakers.

Die Gedenkfeier fand am »Tag der zeitgenössischen Märtyrer« statt, der von der koptisch-orthodoxen Kirche am Jahrestag der Ermordung begangen wird und an all jene erinnert, die in der heutigen Zeit das Martyrium erleiden. Organisiert wurde die Online-Veranstaltung von der koptisch-orthodoxen Diözese London und ihrem Erzbischof Angaelos. Neben dem Kirchenoberhaupt Tawadros II. beteiligten sich daran der Erzbischof von Canterbury und Primas der Anglikaner, Justin Welby, sowie der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch.

Martin Mosebach, der auf den Spuren der Märtyrer Ägypten bereist hatte, schilderte seine Eindrücke. Bei den Angehörigen habe er keine Trauer gespürt, sondern vor allem Stolz und Freude sowie den Glauben, dass sie die Kronen der Märtyrer gewonnen hätten und nun mit Jesus Christus vereint seien. Neben bekrönten Bildern habe es Reliquienschreine in den Häusern gegeben, in denen unter anderem ihre Gewänder als Sänger in der Liturgie und ihre Musikinstrumente aufbewahrt würden. Für den von Toleranz geprägten Westen habe das Martyrium etwas Archaisches, doch sei es in anderen Teilen der Welt ein starkes Zeugnis für das Christentum, das unter dem Zeichen des Kreuzes stehe.

In weiteren Beiträgen von Mervyn Thomas, Gründer und Präsident der »Christian Solidarity Worldwide«, und Neville Kyrke-Smith, Nationaldirektor von Kirche in Not im Vereinigten Königreich, kam die aktuelle Situation in Ländern wie Pakistan, Syrien und Irak zur Sprache. Thomas verwies auf Clement Shahbaz Bhatti, den er wenige Wochen vor seiner Ermordung noch getroffen habe. Der pakistanische Politiker war seit 2008 als erster Christ Minister für Minderheiten, wurde aber drei Jahre später wegen seines Einsatzes für mehr religiöse Toleranz ermordet.

Abschließend bekräftigte Erzbischof Angaelos, der in Ägypten geboren wurde, aber in Australien aufgewachsen ist, den Einsatz der koptischen Kirche für »die Würde und den Wert jedes Menschen«.

In Ägypten waren aufgrund der Pandemie dieses Jahr keine großen öffentlichen Gedenkfeiern möglich. Im Rahmen kleiner Zusammenkünfte wurde aber – wie jedes Jahr – der Märtyrer gedacht. So fand etwa schon am Abend des 14. Februar im Dorf Al-Aour in der Provinz Minya eine Mahnwache im Heiligtum der »Märtyrer des Glaubens und des Vaterlandes« statt, in dem die vom IS ermordeten koptischen Christen bestattet sind. An der Gedenkfeier unter dem Vorsitz des koptischen Erzbischof Pavnotius von Samalut nahmen mehrere Priester und einige Familienangehörige der Märtyrer teil, wie der römische Pressedienst »Fides« berichtete.

In den vergangenen Tagen hatte eine TV-Reportage des Journalisten Hamdi Rizk mit dem Titel »Von Minya über Libyen ins Paradies« die Geschichte der ermordeten koptischen Märtyrer rekonstruiert, wobei die Geschichte des Martyriums anhand von Interviews mit Verwandten der Märtyrer geschildert wird.

Die sterblichen Überreste der von den Dschihadisten in Libyen getöteten Kopten wurden Ende September 2017 in einem Massengrab an der libyschen Küste in der Nähe der Stadt Sirte gefunden und identifiziert. Bei den Recherchen über die Märtyrer stellte sich heraus, dass es ursprünglich um 20 koptische Gefangene der IS-Terroristen ging. Der 21. Märtyrer sei ein Bürger aus Ghana gewesen, der kein Christ war, wie Bischof Pavnotius berichtete. Angesichts der Bekenntnistreue der Kopten habe der Mann aber auf die Frage der IS-Terroristen, ob er Jesus als »wahren Gott und wahren Menschen« bekenne, geantwortet, »ihr Gott ist mein Gott«, obwohl ihm bewusst gewesen sei, dass er damit sein Leben verwirkt hatte.

Die koptische Kirche hat im Gedenken an die 21 Opfer ein Buch herausgegeben. Über den Mann aus Ghana, der Matthew hieß, steht geschrieben: »Wir wissen nicht, wann oder wo Matthew geboren wurde, aber wir wissen eines: Er wurde geboren, um Zeugnis für Christus zu geben und hinzuzukommen zu unseren Märtyrern im Himmel.«

Im Oktober 2016 hatte der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, im Rahmen eines Ägyptenbesuchs, auf Einladung des koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II., einige Familienangehörige der Märtyrer in Samalut getroffen. Er zeigte sich erschüttert über die Bluttat, zugleich aber auch tief bewegt über die Standhaftigkeit der Ermordeten und mit welcher Glaubensstärke die Familienangehörigen ihr Schicksal ertragen. Diese hätten vor allem auch der Versuchung des Hasses und der Rache widerstanden, so Schönborn damals. Die Opfer wie auch die Familienangehörigen würden Zeugnis dafür geben, »dass Liebe und Glaube stärker sind als der Hass«, sagte der Kardinal zu den der mehr als 100 Frauen, Kindern und Männern, die sich im Haus des koptischen Bischofs von Samalut eingefunden hatten.