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Online-Veranstaltung zum UN-Welttag der Geschwisterlichkeit aller Menschen

Geschwisterlichkeit ist der neue Horizont der Menschheit

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12 Februar 2021

Vatikanstadt/Abu Dhabi. Am 21. Dezember 2020 hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit einer Resolution den 4. Februar zum Internationalen Tag der Geschwisterlichkeit aller Menschen erklärt, der von jedem Land so begangen werden soll, wie es dies für angemessen hält. Am offiziellen Festakt, mit dem der Tag in diesem Jahr zum ersten Mal begangen wurde, nahm auch Papst Franziskus teil.

Während der etwa einstündigen Veranstaltung kamen in kurzen Video-Beiträgen mehrere Persönlichkeiten zu Wort, die sich für die Umsetzung des Dokuments von Abu Dhabi einsetzen. Der Primas der Anglikanischen Gemeinschaft, Justin Welby, Erzbischof von Canterbury, bekräftigte, dass das Dokument eine Inspiration sei für das, »was wir gemeinsam tun können«, und dass es uns aufrufe, »in Solidarität und Freundschaft« zu handeln. Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates, erinnerte daran, dass »Dialog Verständnis ermöglicht, Verständnis wiederum zu Toleranz inspiriert und Toleranz zu Respekt führt«. Diese »Kette von Tugenden macht Frieden und Geschwisterlichkeit möglich«.

Weiter forderte Richter Mohamed Abdel Salam, Generalsekretär des Hohen Komitees für die Brüderlichkeit aller Menschen, die jungen Leute auf, eine Perspektive des Dialogs und der Freundschaft ohne Barrieren zu suchen und »niemals aufzuhören zu träumen: Seid optimistisch, denkt mit einem Lächeln an die Zukunft!«

Die Moderation der Veranstaltung hatte Michaëlle Jean übernommen, ehemalige Generalgouverneurin Kanadas, die Mitglied der Jury war, zusammen mit dem Senegalesen Adama Dieng, ehemaliger UN-Berater für die Prävention von Völkermord, und Catherine Samba-Panza, ehemalige Präsidentin der Zentralafrikanischen Republik. Zur Preis-Jury gehörten auch Kardinal Dominique Mamberti, Präfekt des Obersten Gerichts der Apostolischen Signatur, und Muhammad Jusuf Kalla, ehemaliger Vizepräsident Indonesiens.

Die Gewinner des Zayed-Preises wurden von der Liberianerin Leymah Gbowee, Friedensnobelpreisträgerin 2011, vorgestellt: »Es sind zwei Menschen, die eine starke Botschaft über das friedliche Zusammenleben übermitteln und über die Rolle, die jeder von uns spielen kann, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.«

Der von Abu Dhabis Scheich Mohamed Bin Zayed gestiftete »Zayed-Preis für Geschwisterlichkeit« ist vom Dokument zur Brüderlichkeit aller Menschen inspiriert und soll an den Gründer der Vereinigten Arabischen Emirate erinnern. 2019 war der Preis in Abu Dhabi an Papst Franziskus und den Großimam von Al-Azhar als Unterzeichner des Dokuments verliehen worden. In diesem Jahr ging er an UN-Generalsekretär António Guterres und die marokkanisch-französische Friedensaktivistin Latifa Ibn Ziaten, Gründerin der »Imad-Vereinigung für Jugend und Frieden«.

Ziatens Sohn Imad war als französischer Militärangehöriger 2012 in Toulouse von einem islamistischen Attentäter ermordet worden. Seither engagiert sich die Mutter in interreligiöser Friedensarbeit. Sie bezeichnete sich selbst als »zweite Mutter von vielen, die ich in Stadtvierteln, Gefängnissen und Moscheen traf und zu denen ich sprechen konnte«. Ihre Worte verdeutlichten, wie eine persönliche Geschichte zu einer von Frieden und Hoffnung geprägten Vision inspirieren und zur festen Überzeugung führen kann, dass »wir alle Geschwister sind«.

Papst Franziskus dankte ihr mit folgenden Worten: »Liebe Schwester, deine letzten Worte hast du nicht gesagt, weil du sie vom Hörensagen kennst oder weil es sich so gehört: »Wir sind alle Geschwister.« Das ist die Überzeugung. Eine Überzeugung, die im Schmerz, in deinen Wunden Gestalt angenommen hat. Du hast dein Leben hingegeben für das Lächeln, du hast dein Leben eingesetzt für das Nicht-Verbittert-Sein und durch den Schmerz, einen Sohn verloren zu haben – nur eine Mutter weiß, was es bedeutet, einen Sohn zu verlieren –, durch diesen Schmerz hast du den Mut, zu sagen, dass wir alle Geschwister sind, und Worte der Liebe zu säen. Danke für dein Zeugnis. Und danke, dass du Mutter deines Sohnes bist und so vieler Mädchen und Jungen, dass du heute Mutter dieser Menschheit bist, die dir zuhört und von dir lernt: entweder der Weg der Geschwisterlichkeit, als Geschwister, oder wir werden alles verlieren. Danke, danke!«

Großimam Al-Tayyeb verurteilte »das düstere Schreckgespenst des Terrorismus« und versicherte der Aktivistin, ihr Sohn Imad sei im Paradies.

Der Portugiese António Guterres erhielt die Auszeichnung wegen seines lebenslangen Einsatzes für Menschenrechte, so als ehemaliger UNHCR-Kommissar für Flüchtlinge. UN-Generalsekretär Guterres wies auf die Pandemie, Klimafragen, Kriege und Konflikte, Rassismus, Spaltungen, Gewalt, Extremismus und Diskriminierung, insbesondere religiöse Diskriminierung, als die großen und dringenden Herausforderungen hin. Es gehe darum, »den Hass zu besiegen und sicherzustellen, dass die Solidarität den Kampf gewinnt«.

Der Papst dankte Guterres für seinen Einsatz für den Frieden, »einen Frieden, den man nur mit einem brüderlichen Herzen erreichen kann«. Auch der Großimam bezeichnete Guterres als »eine der tragenden Säulen des Friedensaufbaus in der Welt«.

Außerdem erneuerte Al-Tayyeb seine Bereitschaft, »mit meinem Bruder Papst Franziskus dafür zu arbeiten, die Prinzipien der Geschwisterlichkeit aller Menschen in aller Welt Wirklichkeit werden zu lassen«. Der Papst, so der Großimam, »ist Bruder und Freund auf dem Weg der Geschwisterlichkeit und des Friedens« und »seine Botschaft, dass wir alle Geschwister sind, ist ein Meilenstein«. Er forderte zur »Zusammenarbeit und zur Beendung aller Kriege« auf und dazu, »Toleranz und Harmonie zu fördern und zugleich jede von Intoleranz, Hass und Macht geprägte Politik abzulehnen«. Ahmad Al-Tayyeb verlieh zudem der Hoffnung Ausdruck, dass »der 4. Februar eines jeden Jahres eine Alarmglocke für die Welt und ihre führenden Persönlichkeiten sein möge«, ein Aufruf, »die Prinzipien der Geschwisterlichkeit aller Menschen zu konsolidieren «, im Bewusstsein, dass »wir alle Geschwister sind, die das Recht haben, in Frieden zu leben«.