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Papst Franziskus besucht Auschwitz-Überlebende Edith Bruck

Es genügen wenige Gesten, um die Welt zu

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26 Februar 2021

Vatikanstadt/Rom. Papst Franziskus hat am 20. Februar in Rom die Auschwitz-Überlebende Edith Bruck besucht. Die ungarisch-italienische Schriftstellerin hatte kürzlich in einem Interview mit der italienischen Ausgabe des L’Osservatore Romano von ihren Erinnerungen erzählt.

Franziskus war von dem Interview beeindruckt, in dem die Schriftstellerin von den Schrecken berichtet, die sie und ihre Familie während der Verfolgung durch die Nazis durchmachen mussten. So bat er darum, sie kennenlernen zu dürfen – ein Wunsch, dem die betagte Dame gerne nachgab. Es war dem Papst ein Anliegen, dass sich das Treffen nicht in den formalen Räumlichkeiten des Vatikans abspielen sollte. So begab er selbst sich am vergangenen Samstagnachmittag ins Stadtzentrum, wo die ungarische Schriftstellerin mit jüdischen Wurzeln schon seit langem lebt. Dort dankte er ihr für ihr Zeugnis. Nur einer durfte mit: Andrea Monda, der Direktor der Vatikanzeitung, der das berührende Interview am vergangenen 26. Januar aus Anlass des Holocaust-Gedenktages veröffentlicht hatte.

In Ungarn in eine kinderreiche jüdische Familie hineingeboren, wurde Bruck als Heranwachsende 1944 in das KZ Auschwitz deportiert, kam später nach Dachau und wurde 1945 im KZ Bergen-Belsen befreit. 1954 ging sie nach Italien, wo sie später auch die Staatsbürgerschaft erhielt. In ihren Schriften beschäftigt sie sich häufig mit ihrer Kindheit und dem Holocaust. Mehrfach wurden ihre Werke mit Preisen ausgezeichnet.

Im Interview berichtete Bruck aber auch von menschlichen Begegnungen, die ihr das Leben retteten. Im KZ Dachau, so erzählt sie im Osservatore-Interview, musste sie Gräben ausheben. Während dieser Zeit geschah es, dass ein deutscher Soldat ihr seinen Essens-Napf zum Auswaschen zuwarf, »aber auf dem Boden hatte er ein wenig Marmelade für mich übrig gelassen«.

Ein weiteres Aufscheinen von Menschlichkeit in einer unmenschlichen Umgebung widerfuhr ihr in der Küche eines Schlosses in der Nähe des Lagers Dachau, wo sie und ihre Schwester Dienst leisten mussten – oder durften, denn hier konnten sie wenigstens hin und wieder heimlich einen Bissen in den Mund stecken… Der Koch, dem sie unterstanden, fragte sie eines Tages nach ihrem

Namen. Und als sie mit zitternder Stimme antwortete, überreichte er ihr mit den Worten »Ich habe eine Tochter in deinem Alter« einen Kamm, mit dem sie die nach dem Scheren eben wieder nachwachsenden Haare kämmen konnte.

»Ich hatte das Gefühl, mich nach langer Zeit wieder einem menschlichen Wesen gegenüber zu sehen. Mich rührte diese Geste, die Leben und Hoffnung bedeutete«, so Edith Bruck. »Es genügen wenige Gesten, um die Welt zu retten«, schließt die Holocaust-Überlebende, die am vergangenen Samstag den Papst in ihrer Wohnung empfangen hat.

Während des Gesprächs sagte Franziskus: »Ich bin hierher gekommen, um Ihnen für Ihr Zeugnis zu danken und dem Volk die Ehre zu erweisen«, das zu Märtyrern des völkischen Wahns der Nationalsozialisten geworden sei. »Und mit Aufrichtigkeit wiederhole ich Ihnen die Worte, die ich in Yad Vashem aus tiefstem Herzen gesprochen habe und die ich vor jedem Menschen wiederhole, der, wie Sie, deswegen so viel gelitten hat: Vergib, Herr, im Namen der Menschheit.«