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Statistiken von Fides und Open Doors veröffentlicht

Mehr verfolgte und getötete Christen

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22 Januar 2021

Vatikanstadt. Aus der Anfang des Jahres veröffentlichten Statistik der Nachrichtenagentur Fides, dem Presseorgan der Päpstlichen Missionswerke, geht hervor, dass im Jahr 2020 weltweit insgesamt 20 Missionare und Missionarinnen ermordet wurden, darunter acht Priester, ein Seminarist, ein Laienbruder, drei Ordensfrauen und sechs Gläubige im Laienstand. Die meisten Missionare starben auf dem amerikanischen Kontinent, wo fünf Priester und drei katholische Laien getötet wurden. Gefolgt von Afrika, wo 2020 ein Priester, drei Ordensfrauen und ein Seminarist ermordet wurden. In Asien wurden ein Priester, ein Seminarist, ein Ordensmann und vier Laien ermordet.

In Europa starben 2020 zwei Priester in Italien einen gewaltsamen Tod: In Como tötete ein Mann mit psychischen Problemen am 15. September den Priester und Obdachlosen-Seelsorger Roberto Malgesini; im sizilianischen Riposto starb am 5. Dezember der Ordensmann Leonardo Grasso bei einem Brandanschlag auf eine Einrichtung für Drogenabhängige und Aidskranke.

Nicht alle Todesfälle stehen in Zusammenhang mit dem christlichen Bekenntnis der Betroffenen, teilte der Missionspressedienst mit. Einige der 20 Getöteten seien Opfer von Raubüberfällen geworden oder bei allgemeinen Gewaltakten in ihrem Wirkungsgebiet ums Leben gekommen. Im Zeitraum zwischen 2000 und 2020 wurden weltweit 535 Mitarbeiter im kirchlichen Dienst (einschließlich fünf Bischöfe) ermordet. Fides verweist darüber hinaus auf die lange Liste an Christen in der Welt, die aufgrund ihres Glaubens bedrängt, diskriminiert und verfolgt werden. Papst Franziskus erinnert regelmäßig daran, dass die heutigen Opferzahlen höher sind als die der Christenverfolgung in der frühen Kirche.

Nach Einschätzung des Hilfswerks »Open Doors« hat sich die Lage von Christen im vergangenen Jahr in vielen Ländern erneut verschärft. Aktuell erlitten rund 309 Millionen Christen Gewalt, Vertreibung, Überwachung und Diskriminierung, entweder durch Regierungen, Gesellschaft oder die eigene Familie. Zusätzlich habe die Covid-19-Pandemie bereits bestehende Benachteiligungen verstärkt, heißt es in dem am 13. Januar veröffentlichten »Weltverfolgungsindex 2021«, einer Rangliste der 50 Länder mit der stärksten Christenverfolgung. Auffällig sei, dass »sich die Intensität der Christenverfolgung im letzten Jahr deutlich verschärft hat«; so habe sich die Anzahl der aufgrund ihres Glaubens getöteten Christen von 2.983 im Vorjahr auf aktuell mindestens 4.761 erhöht.

»Erstmals in der Geschichte des Weltverfolgungsindex weisen diese 50 Länder nicht nur ein hohes, sondern ein sehr hohes oder extremes Ausmaß an Verfolgung auf«, konstatierte Kurt Igler, Leiter von »Open Doors Österreich«. Es sei ein »trauriger Höchstwert« einer jahrelangen Entwicklung. Der aktuelle Berichtszeitraum ist der 1. Oktober 2019 bis 30. September 2020.

An erster Stelle des aktuellen Weltverfolgungsindex findet sich wieder Nordkorea; das asiatische Land steht seit 20 Jahren auf diesem Rang. Dahinter folgen Afghanistan, Somalia, Libyen, Pakistan und Eritrea. Die Plätze sieben bis zehn nehmen Jemen, der Iran, Nigeria und Indien ein. Es folgen der Irak, Syrien, Sudan, Saudi-Arabien und die Malediven.

Bereits bestehende strukturelle Diskriminierungen von Christen seien im Zuge der Covid-19-Pandemie noch verstärkt worden. Corona wirke »wie ein Katalysator für ihre prekäre Situation «, so »Open Doors«. Speziell Christen in vielen Ländern Asiens wie Indien bekämen keine oder kaum staatliche Corona-Hilfen. In einigen west- und zentralafrikanischen Ländern nutzten islamistische Gruppen die Lockdown-Maßnahmen, um ihre Aktivitäten und Angriffe gegen Christen auszuweiten, da Sicherheitskräfte nur beschränkt handlungsfähig gewesen seien, meldete das Hilfswerk. Die Pandemie habe aber auch dazu geführt, Christen zu beschuldigen, dass sie oder ihr »falscher Glaube« Ursache für die Krankheit seien.

In China registriert das Hilfswerk eine zunehmende digitale Überwachung. Ziel des Staates sei ein »Social Scoring«, mittels dessen die Kontrolle und Steuerung der Bürger erreicht werden soll. Die kommunistische Partei habe den Druck auf staatlich registrierte sowie nichtregistrierte Kirchen weiter verstärkt: So seien Kameras mit Gesichtserkennungssoftware in Gottesdiensten Vorschrift, Kindern und Jugendlichen sei die Teilnahme verboten.

In Indien dokumentierte »Open Doors« eine weitere Steigerung hassmotivierter Übergriffe gegen Christen. Die Regierung habe zudem die Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen durch ausländische Geldgeber per Gesetz massiv eingeschränkt, was die meisten christlichen Organisationen sowie Kirchen, Schulen oder Krankenhäuser treffe. Mittlerweile wird auch die öffentliche Verbreitung des christlichen Glaubens in acht der 28 indischen Bundesstaaten bestraft, dort ist ein Anti-Konversionsgesetz in Kraft. Andere Staaten planen dessen Einführung.

Prekär sei die Lage von Christen auch im Nordirak, wo im Zuge einer türkischen Militäroffensive die Christen der Region Dohuk erneut vertrieben wurden, die zuvor vor dem IS aus der Ninive-Ebene dorthin geflohen waren. Zudem siedle die Türkei im bislang kurdisch geprägten Nordosten von Syrien gezielt syrische Flüchtlinge an und vertreibe mit islamistischen Söldnern aus Syrien sowohl alteingesessene Christen als auch kurdische Konvertiten.

Afrika verzeichnet laut »Weltverfolgungsindex 2021« die höchste Zahl ermordeter Christen. Tödliche Angriffe auf Christen hätten insbesondere in Subsahara-Afrika stark zugenommen; dabei würden islamistische Gruppen länderübergreifend kooperieren, um Christen zu vertreiben. Ähnlich die Lage in Nigeria wo mit 3.530 die meisten Christen getötet wurden, der Großteil von April bis August 2020, als das Land wegen der Covid-19-Pandemie abgeriegelt war. Wegen der seit Jahren zunehmenden Gewalt gegen Christen sei auch die Demokratische Republik Kongo neu auf dem Weltverfolgungsindex, dasselbe gilt für Mosambik.

Die Päpstliche Stiftung »Kirche in Not« hat für Ende April eine Neuauflage der Studie »Religionsfreiheit weltweit« angekündigt. Zuletzt war sie 2018 erschienen. Seit dem vergangenen Bericht habe sich die Lage deutlich verschlechtert, erklärte der aus Niederösterreich stammende geschäftsführende Präsident von »Kirche in Not«, Thomas Heine-Geldern: »Viel Diskriminierung und Verfolgung wird von der Weltöffentlichkeit nicht beachtet.«