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Coronabedingt erleben zwei der neuen Kardinäle ihre Kreation über das Internet

Papst erhebt Geistliche erstmals auch »online« zu Kardinälen

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04 Dezember 2020

Erstmals in der Geschichte hat ein Papst zwei Geistliche »über das Internet« zu Kardinälen erhoben. Weil die Bischöfe Cornelius Sim aus Brunei und Jose Fuerte Advincula von den Philippinen aufgrund der coronabedingten Reisebeschränkungen nicht persönlich nach Rom kommen konnten, nahmen sie über Videoschaltung an dem Gottesdienst teil. Außer ihnen erhob Papst Franziskus am Samstag, 28. November, im Petersdom elf weitere Männer in den Kardinalsstand. Zum Schutz vor Ansteckungen war die physische Teilnehmerzahl auf 100 begrenzt worden.

In seiner Predigt mahnte der Papst die neuen Würdenträger, die Auszeichnung nicht falsch zu verstehen. Wer Jesus nachfolgen wolle, müsse sich auf einen Weg begeben, der durch Leiden, Tod, aber auch Auferstehung geprägt sei, so Franziskus. Er bezog sich darin auf den Evangeliumstext, in dem zwei Apostel Jesus um die besten Plätze im Himmel bitten. Dies, so der Papst, »ist der Weg derer, die, vielleicht ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein, den Herrn ›benutzten‹, um sich selbst zu fördern«. Ein Kardinal, der sich als »Eminenz« fühle und nicht mehr als »Hirte«, sei bereits vom Weg abgekommen.

Neun der 13 neuen Kardinäle sind jünger als 80 und damit bei einem etwaigen Konklave papstwahlberechtigt. Unter ihnen befinden sich mit dem Generalsekretär der Bischofssynode, Mario Grech (63), und dem jüngst zum Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse ernannten Marcello Semeraro (72) zwei hohe Kurienmitarbeiter. Ins Kardinalskollegium aufgenommen wurden zudem die Erzbischöfe Wilton Daniel Gregory (Washington, USA, 72), Antoine Kambanda (Kigali, Ruanda, 62), Celestino Aós Braco (Santiago de Chile, 75), Augusto Paolo Lojudice (Siena, Italien, 56), Cornelius Sim (Brunei, 69) und Jose Fuerte Advincula (Capiz, Philippinen, 68). Bemerkenswert ist auch die Kardinalserhebung von Mauro Gambetti (55), dem bisherigen Kustos des Minoriten-Konvents im Heiligtum von Assisi. Vier Kandidaten haben das 80. Lebensjahr vollendet und werden verdiensthalber in das Kardinalskollegium berufen: Der mexikanische Bischof Felipe Arizmendi

Esquivel (80), der sich für Indigene einsetzte, der langjährige Kirchendiplomat und Ständige Beobachter bei den Vereinten Nationen Silvano Maria Tomasi (80), der Kapuziner Raniero Cantalamessa (86), der seit 40 Jahren als Prediger des Päpstlichen Hauses der Römischen Kurie ins Gewissen redet, und der langjährige römische Caritas-Direktor Enrico Feroci (80).

In der trotz Corona-Maßnahmen nur leicht veränderten Feier im Petersdom erhielten die elf anwesenden neuernannten Kardinäle ihre Insignien, rotes Birett, Kardinalsring und Ernennungsurkunde, überreicht; auf die übliche Umarmung mit dem Papst sowie der Kardinäle untereinander wurde verzichtet. Die Kardinäle aus Brunei und von den Philippinen erhalten ihre Insignien in den kommenden Wochen, wenn es die Umstände erlauben, von einem Vertreter des Papstes überreicht.

Schon früher wurden Kardinäle erhoben, ohne dass die Ernannten persönlich bei der Feier anwesend sein konnten. Entweder waren sie zu alt oder krank, mitunter – etwa bei Geistlichen aus Ländern des ehemaligen Ostblocks – erlaubten es die politischen Umstände nicht oder der Papst hatte sie geheim (»in pectore«) ernannt. Auch diese Kardinäle erhielten in den allermeisten Fällen ihre Insignien nachgereicht. Dieses Mal gab es einen Livestream über das Internet, so dass Sim und Advincula online an der Feier teilnehmen konnten.

Von den nunmehr 128 Papstwählern im Kardinalskollegium stammen 53 aus Europa, 37 aus den Amerikas, 18 aus Afrika, 16 aus Asien und vier aus Australien und Ozeanien. 73 von ihnen, also gut über die Hälfte, wurden von Franziskus ernannt. Ein gutes Dutzend – unter ihnen auch der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn – stammt noch aus der Amtszeit von Johannes Paul II. (1978-2005), die übrigen von Benedikt XVI. (2005-2013).