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Der Afrika-Missionar war 2 Jahre lang Gefangener einer islamistischen Terrormiliz

Entführter Missionar: Tränen waren mein Gebet

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13 November 2020

Papst Franziskus hat am 9. November den kürzlich aus der Geiselhaft in Mali freigekommenen Priester Pierluigi Maccalli empfangen. Der italienische Missionar aus der Gesellschaft der Afrikamissionen war in der Nacht vom 17. auf den 18. September 2018 im Niger entführt und nach Mali verschleppt worden. Dort wurde er bis 8. Oktober von einer islamistischen Terrormiliz festgehalten.

»Es war eine sehr, sehr schöne Begegnung«, sagte Maccalli nach dem Treffen mit Papst Franziskus gegenüber Vatican News. »Es war vor allem bewegend für mich, dem Papst von meiner Erfahrung erzählen zu können.« Er habe dem Papst für die Unterstützung gedankt, worauf  Franziskus geantwortet habe: »Wir haben Sie unterstützt, aber Sie haben die Kirche unterstützt.« Das habe ihn sehr berührt, so der Priester. Schließlich sei er doch »nur ein kleiner Missionar«. Zum Abschied habe der Papst ihm die Hände geküsst, berichtete Maccalli weiter.

Am Sonntag hatte Pater Maccalli in einer römischen Pfarrei die heilige Messe gefeiert und dort auch von seinen Erfahrungen in der Gefangenschaft berichtet. »Was meinen Glauben stützte, das war das Gebet. Das Öl des Gebets. Sie brachten mich in Schlafanzug und Pantoffeln weg. Eine Reise, von der ich nie gedacht hätte, dass sie so lange dauern würde. Ich hatte nichts. Als Priester hatte ich keine Bibel, ich hatte kein Brevier, ich konnte keine Messe feiern. Meine Tage waren vom Gebet geprägt. Ich habe mir einen Rosenkranz gebastelt. Ich betete einige Psalmen, an die ich mich erinnerte, einige Psalmstellen. Meine heilige Messe bestand einfach darin zu sagen: ›Herr, dies ist mein Leib, hingegeben und geopfert. Ich habe nichts, was ich dir sonst geben könnte.‹«

In der zweijährigen Gefangenschaft habe er »mit Tränen gebetet, mit vielen Warum«, bis hin zur Frage: »Warum hast du mich verlassen? Ich erhielt nur Schweigen als Antwort. Die große Stille der Sahara. Das Schweigen Gottes. Aber ich bin dem Gebet hartnäckig treu geblieben, weil ich weiß, dass Er da ist.«

Die Wüste sei außerdem eine »Erfahrung des Wesentlichen« gewesen: »Ich wurde daran erinnert, dass das Wesentliche in unserem Leben der Schalom ist, diese Harmonie zwischen Himmel und Erde und zwischen allen Menschen. Brüderlichkeit ist wesentlich. Wir sind alle Kinder desselben Vaters. Wesentlich ist die Vergebung.« Er hege keinen Groll gegen seine Bewacher, junge Männer mit Kalaschnikows, die »nicht wissen, was sie tun«, so P. Maccalli, der um Gebet für diejenigen bat, die sich weiterhin in Gefangenschaft befinden.