· Vatikanstadt ·

Das Gebet ist eine Kunst

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Grußworte von Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 4. November

04 November 2020

In der Generalaudienz am Mittwoch, 4. November, die seit dieser Woche wieder per Livestream aus der Privatbibliothek des Apostolischen Palastes übertragen wird, setzte Papst Franziskus die Katechesereihe über das Gebet fort. Ein Mitarbeiter der deutschsprachigen Abteilung des Staatssekretariats trug folgende Zusammenfassung vor:

Liebe Brüder und Schwestern, die Evangelien berichten immer wieder vom Gebet Jesu, von seiner tiefen Einheit mit dem Vater. Jesu Weg ist geheimnisvoll bestimmt vom Gebet. Er lässt sich nicht leiten von Erfolgen, von der Zustimmung der Menschen und auch nicht von diesem schmeichelhaften »Alle-suchen-dich« (Mk 1,37). Jesus geht den Weg, den der Vater ihm im Verborgenen mitteilt. Am Vorbild Jesu können wir für unser christliches Gebet Wichtiges erkennen: Zunächst einmal, dass das Beten Vorrang hat. Es soll an erster Stelle stehen. So vermag es, dem ganzen Tag Richtung und Sinn zu geben. Es lässt uns erkennen, was Gott uns durch die Herausforderungen des Alltagslebens sagen möchte und wie alles zu einer Gelegenheit werden kann, im Glauben und in der Nächstenliebe zu wachsen. Am Beispiel Jesu wird zudem sichtbar, dass das Gebet eine Kunst ist, die eine kontinuierliche Praxis erfordert, Disziplin und Übung, sowie einen festen Platz im Alltag. Solch ausdauerndes Gebet verwandelt und verleiht Kraft. Das Gebet ist keine Flucht vor der Welt, sucht aber doch die Einsamkeit. Denn dort, in der Stille, spricht Gott. Und in der Ruhe können viele unserer verborgenen und manchmal unterdrückten Wünsche und Wahrheiten zum Vorschein kommen und dann bewusst vor Gott gebracht werden. Jeder Mensch braucht einen persönlichen Freiraum, wo er sein inneres Leben kultivieren kann, das ihn vor Oberflächlichkeit, Unruhe und Angst bewahrt.

Der Heilige Vater grüßte die deutschsprachigen Pilger auf Italienisch. Anschließend wurde folgende deutsche Übersetzung der Grüße vorgelesen:

Herzlich grüße ich alle Gläubigen deutscher Sprache. Ich lade euch ein, immer wieder vertrauensvoll zur Quelle des Gebets zurückzukehren und aus diesem Dialog mit Gott Kraft und Zuversicht zu schöpfen für euren täglichen Auftrag. Gott segne euch.