· Vatikanstadt ·

Wirtschaft muss dem Menschen dienen

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Kardinal Parolin im Interview mit italienischem Think-Tank

04 September 2020

Nicht die Wirtschaft, sondern der Mensch steht im Vordergrund: Das hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin laut Nachrichtenportal »Vatican News« in einem Interview betont, das auf der Website www.ripartelitalia.it veröffentlicht wurde. Das Internetportal ist ein Think-Tank, der eingerichtet wurde, um die Entwicklung Italiens nach der brutalen Rezession im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu fördern. »Die Pandemie lehrt uns auf dramatische Weise, dass niemand es allein schaffen kann: eine gemeinsame und koordinierte Reaktion ist notwendig, um mit dem Virus fertig zu werden. Dasselbe gilt für die Heilung der Übel von Gleichgültigkeit, Einsamkeit und Feindschaft«, so Kardinal Parolin wörtlich.

Covid-19 habe nicht nur eine Gesundheitskrise verursacht, sondern viele Aspekte des menschlichen Lebens beeinflusst: Familie, Politik, Arbeit, Wirtschaft, Handel, Tourismus und vieles mehr, fügte Parolin an. Da alle Regierungen gezwungen waren, drastische Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie zu ergreifen, bedeute dies, dass nicht die Wirtschaft, »sondern der Mensch im Vordergrund steht«, so Kardinal Parolin. Es bedeute vor allem, sich um die Gesundheit zu kümmern. Aber »die Soziallehre der Kirche, die in der christlichen Anthropologie verwurzelt ist, erinnert uns daran, dass wir uns nicht darauf beschränken dürfen, uns nur um die Gesundheit des Körpers zu kümmern«, sagte der Kardinal und fügte hinzu: »Wir müssen die Unversehrtheit der menschlichen Person, die daher das Hauptziel des politischen und wirtschaftlichen Engagements sein muss, in einer Ethik der gemeinsamen Verantwortung im gemeinsamen Haus pflegen.«

Deshalb, so Parolin, lade die Kirche ein, die Berufung der Wirtschaft im Dienste des Menschen wiederzuentdecken, um allen die notwendigen Voraussetzungen für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung und ein menschenwürdiges Leben zu garantieren.

Den Worten Kardinal Parolins zufolge müssten daher bestimmte Gefahren hervorgehoben werden, die sich im Kampf gegen die Pandemie gezeigt hätten. In der dramatischen Not­situation, »die wir durchlebt haben, haben wir die Beschränkung der Interpretation von Gesundheitsfragen nach ausschließlich technischen Paradigmen erlebt, wodurch bestimmte Grundbedürfnisse praktisch verleugnet wurden, zum Beispiel durch die Behinderung der Nähe von Familienmitgliedern und der geistlichen Begleitung von Kranken und Sterbenden. Dies erfordert weitere Überlegungen zu den vielen Fragen, die uns die Pandemie gestellt hat«.