· Vatikanstadt ·

Jene ins Blut
geschriebene Signatur

Die Enthauptung Johannes des Täufers (1608)

16 Juli 2020

Ein Jahr nach seiner Ankunft in Malta, der nach Neapel zweiten Etappe seiner überstürzten und waghalsigen Flucht aus Rom vor der Vollstreckung der Todesstrafe für den Mord an Ranuccio Tomassoni, dem Sohn eines hochrangigen Offiziers des Kirchenstaates, signierte Caravaggio (man schrieb das Jahr 1608) Die Enthauptung Johannes des Täufers – ein großes, über fünf Meter breites Ölgemälde auf Leinwand –, wobei er schlicht und einfach »frà Michelangelo« in den Blutschwall hineinschrieb, der dem Haupt des Johannes entströmt. Im Lauf seiner Karriere war dies das einzige Mal, dass er seinen Namen auf einem seiner Werke verewigte. Der Grund dafür hängt mit der Tatsache zusammen, dass dieses »frà« den Beweis dafür darstellt, dass das Gemälde vor dem 14. Juli jenes Jahres entstanden sein muss, als Caravaggio zum Magistral-Ritter in Obödienz ernannt worden war, dem zu jener Zeit ersten und einzigen Grad, den ein Künstler anstreben konnte: Der Versuch, sein nach dem Mord beschädigtes und angekratztes Image zu rehabilitieren, ist also offenkundig.

Man kann allerdings feststellen, dass der Künstler in einem gewissen Sinne auch zahlreiche weitere Gemälde signierte, indem er jeweils einem der Protagonisten dieser Bilder sein eigenes Antlitz verlieh. Über diese (mutmaßlichen) Selbstporträts waren sich die Fachleute nicht immer einig. In diesem Zusammenhang kommt dem als Kleiner kranker Bacchus (Bacchino malato, 1596) bekannten Bild große Bedeutung zu.

Einigen Kunsthistorikern zufolge schuf der Künstler dieses Gemälde, indem er sein eigenes Spiegelbild als Vorlage nutzte, als er im »Ospedale della Consolazione« (einem Armen-Hospital) lag, nachdem er von einem scheuenden Pferd getreten worden war. Caravaggio wurde, um zwei weitere Beispiele anzuführen, auch mit dem enthaupteten assyrischen Feldherrn auf dem Gemälde Judith und Holofernes (1602) und mit dem Mann identifiziert, der bei der Gefangennahme Christi die Laterne trägt, das gleichfalls 1602 entstand. Das eklatanteste Beispiel unter seinen Selbstporträts ist jenes, wo sich der Künstler in den Gemälden, die David und Goliath darstellen, mit dem besiegten Riesen identifiziert.

Wenn auch noch keineswegs alle Zweifel über die im Prado hängende Version dieses Sujets aus dem Weg geräumt sind, ist doch zumindest seine »Präsenz« auf dem Gemälde in der Galleria Borghese geklärt, das 1610 an Scipione Borghese geschickt worden war, um eine Begnadigung durch den Papst zu begünstigen. Eine solche würde ihm gestattet haben, wieder nach Rom zurückzukommen. Es ist nicht mit Sicherheit bekannt, ob dieses Dokument jemals ausgestellt wurde: zwischenzeitlich war Caravaggio nämlich bereits am 18. Juli 1610 in Porto Ercole gestorben. Während er ungeduldig darauf wartete, dass dieses Begnadigungsschreiben bei ihm eintreffe.

Von Gabriele Nicolò