· Vatikanstadt ·

Im Zeichen der Solidarität

cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg

»We run together« – Onlineversteigerung für einen guten Zweck

24 Juli 2020

Ursprünglich war »We run together« als Benefizlauf in Castelporziano bei Rom geplant. Paralympiker, Sportler mit geistigem Handicap, Amateure, Migranten und Häftlinge hätten dort gemeinsam antreten sollen, um ein Zeichen für Integration zu setzen. Wegen der Corona-Pandemie wurde aus dem sportlichen Wettbewerb eine Online-Versteigerung, die noch bis 8. August läuft (www.charitystars.com/We­RunTogether). Der Erlös kommt zwei Krankenhäusern in Bergamo und Brescia zugute. Zu den Organisatoren der Aktion zählt Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident des Päpstlichen Rats für die Kultur. Beteiligt sind zudem der Vatikansportverein »Athletica Vaticana«, der Leichtathletikverband der Region Latium sowie die Sportabteilung der italienischen Finanzpolizei.

Die Kampagne hat die außerordentliche Unterstützung und den Segen von Papst Franziskus erhalten, der sich auch persönlich an der Initiative beteiligt. Er stiftete einige Sportartikel, die er als Geschenk erhalten hatte, darunter das Rennrad des dreifachen Weltmeisters Peter Sagan aus Slowenien. Das in den Vatikanfarben Weiß und Gelb gehaltene Carbonrad erbrachte 30.000 Euro. Zusammen mit dem Heiligen Vater haben sich viele international bekannte Sportler aus verschiedenen Disziplinen, Unternehmen und Sportvereine der Kampagne angeschlossen, in dem Wissen, dass gemeinsames Laufen bedeutet, sich gegenseitig zu unterstützen. Sport als Triebkraft der Solidarität, um gemeinsam voranzugehen.

»Im Sport gibt es viele ›Wunder‹ von Frauen und Männern, die wieder aufstehen, nachdem sie zu Boden gegangen sind, und das ist eine entscheidende Haltung für das Leben eines jeden von uns.« Die kroatische Stabhochspringerin Blanka Vlasic – unter vielen anderen Medaillen zweimal Gold und zweimal Silber bei Weltmeisterschaften – spricht sofort vom Wesentlichen. In einem Kurzvideo für die Vatikanmedien kommen ihr sportlicher Stil und ihr Glaube zum Ausdruck, sie engagiert sich auch in ihrer Erzdiözese Split-Makarska. Für die Versteigerung hat sie ein signiertes Trikot ihrer Nationalmannschaft gespendet sowie ihre Spikeschuhe, die für sie »ein Symbol für die Opfer sind, um im Leben erfolgreich zu sein«. Sie trug sie auf dem Podest bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016, an denen sie wegen einer ihrer zahlreichen Verletzungen eigentlich nicht hätte teilnehmen sollen. Aber sie tat alles dafür und gewann sogar eine Bronzemedaille. »Auch mit dem Sport bezeugt man den Glauben und die Schönheit der Schöpfung«, unterstreicht die kroatische Hochspringerin.

Die Gruppe der noch bis 24. Juli zu ersteigernden Auktionslose stammt aus dem Bereich der Leichtathletik. Neben Blanka Vlasic haben sich weitere Leichtathletinnen beteiligt. Unter ihnen die kenianische Langstreckenläuferin Mary Keitany, vierfache Gewinnerin des New-York-City-Marathons und dreifache Gewinnerin des London-Marathons. Sie stiftete das von ihr signierte Trikot der afrikanischen Nationalmannschaft und ihre Startnummer des New-York-Marathons. Vor einem Jahr kam sie nach Rom, um an einer von Papst Franziskus gefeierten heiligen Messe im Gästehaus Santa Marta teilzunehmen. In ihrem Heimatort Iten in Kenia beteiligte sie sich an der Errichtung der Gebäude für eine Pfarrei, bei der sie selbst Hand anlegte, gemeinsam mit ihrem Mann und den zwei Kindern.

Die zwei besten Stabhochspringerinnen der Welt nehmen gemeinsam an der Auktion teil. Die Griechin Katerina Stefanidi und die US-Amerikanerin Sandi Morris sind eng befreundet, obwohl sie bei Wettkämpfen gegeneinander antreten und als Konkurrentinnen um die Goldmedaille und um wenige Zentimeter auf den Siegertreppchen der Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele stehen. Damit wollen sie auch bezeugen, »wie der Sport und vor allem auch das Leben sein sollte«.

Unter den Leichtathleten sind historische Größen wie Sir Sebastian Coe, der nach einer Karriere als Mittelstreckenläufer (zweifacher Olympiasieger und zwölf Weltrekorde) 2012 die Olympischen Spiele von London organisiert hat und heute Präsident von World Athletics ist, dem Leichtathletik-Weltverband. Er stiftete ein Trikot des Verbandes und seine Autobiographie Running my life. Andere Sportler stifteten ein gemeinsames Essen oder eine Trainingseinheit. Letzteres tat auch Oney Tapia, der blinde Weltmeister im Diskuswerfen. Er ist kubanischer Herkunft, hat aber mittlerweile im italienischen Bergamo seine Heimat gefunden. Im Übrigen war er eine der Testpersonen für den speziellen Rundgang für Blinde in den Vatikanischen Museen.

Wer nichts ersteigern möchte, kann die nord­italienischen Krankenhäuser mit einer Geld­spende unterstützen. Unter allen Spendern wird ein von Papst Franziskus signiertes Trikot des Vatikansportvereins verlost. (Informationen www.athleticavaticana.org).

Giampaolo Mattei