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Georg Ratzinger gestorben

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Apostolischer Protonotar Georg Ratzinger (1924-2020)

02 Juli 2020

Georg Ratzinger, der ältere Bruder des emeritierten Papstes, ist am 1. Juli im Alter von 96 Jahren verstorben. Mit seinem Tod verliert Joseph Ratzinger, der seinen Bruder Mitte Juni in Regensburg besucht hatte, das einzige noch lebende Familienmitglied. Die beiden Brüder wurden am selben Tag zum Priester geweiht und standen sich – der eine Musiker und Lehrer eines berühmten Chores, der andere Theologe und Bischof, Kardinal und Papst – immer sehr nahe.

Georg Ratzinger, geboren am 15. Januar 1924 im bayerischen Pleiskirchen, spielte seit seinem 11. Lebensjahr Orgel in der Pfarrkirche. 1935 trat er in das Kleine Seminar in Traunstein ein, 1942 wurde er in den Reichsarbeitsdienst und später in die Wehrmacht eingezogen. Im März 1945 von den Alliierten gefangen genommen, musste er einige Monate in Neapel bleiben, bevor er freigelassen wurde und zu seiner Familie zurückkehren durfte. 1947 trat er zusammen mit seinem Bruder Joseph in das Priesterseminar »Herzogliches Georgianum« in München ein. Am 29. Juni 1951 wurden beide Brüder zusammen mit etwa vierzig weiteren Seminaristen im Dom zu Freising von Kardinal Michael von Faulhaber zum Priester geweiht. Nach einer Zeit als Chordirektor in Traunstein, wirkte Georg dreißig Jahre lang, von 1964 bis 1994, als Domkapellmeister am Regensburger Dom und leitete die Regensburger Domspatzen. Mit ihnen gab er zahlreiche Konzerte auf der ganzen Welt und spielte viele Aufnahmen für die Deutsche Grammophon, Ars Musici und andere wichtige Plattenfirmen ein, mit Werken von Bach, Mozart, Mendelssohn und anderen Komponisten.

Am 21. August 2008 wurde Georg Ratzinger Ehrenbürger von Castel Gandolfo. In den Dankesworten an den Bürgermeister sagte Benedikt XVI. über seinen Bruder: »Seit den frühesten Zeiten meines Lebens ist mein Bruder für mich nicht nur stets ein Gefährte, sondern auch ein vertrauenswürdiger Wegweiser gewesen. Aufgrund der Klarheit und Entschlossenheit seiner Entscheidungen ist er für mich ein wichtiger Orientierungs- und Bezugspunkt. Er hat mir immer, auch in schwierigen Situationen gezeigt, welcher Weg einzuschlagen ist.« Und er fügte hinzu: »Mein Bruder hat darauf hingewiesen, dass wir mittlerweile an der letzten Etappe unseres Lebens, im vorgerückten Alter, angelangt sind. Die Tage, die uns bleiben, werden nach und nach weniger. Doch auch auf dieser Etappe hilft mir mein Bruder, mit Gelassenheit, Demut und Mut die Last eines jeden Tages anzunehmen. Dafür danke ich ihm.«

In einem Interview 2011 äußerte sich Georg Ratzinger über seine Berufung zum Priester und Musiker: »Ich kann nicht mehr genau sagen, wann für mich die Berufung zum Priesteramt erfolgte, denn eigentlich war mir immer schon klar gewesen, dass hier meine Bestimmung lag. Schon als ich Ministrant war und am Altar diente, wusste ich, dass dort mein Platz sein würde. […] Daran hatte ich nie einen Zweifel, das ergab sich mit einer geradezu organischen Natürlichkeit.« Musik war für den Domkapellmeister auch ein Weg zu Gott: »Ich habe meine Tätigkeit im musikalischen Bereich immer auch als Seelsorge verstanden, denn wir wollten mit allem, was wir gesungen haben, auch wenn es keine liturgischen Gesänge waren, den Menschen etwas von der Größe Gottes vermitteln. Auch die weltlichen Stücke, die uns nicht von Gott wegführen, vermitteln uns etwas von der Herrlichkeit seiner Schöpfung.«

Trotz gesundheitlicher Probleme, das Gehen fiel ihm schwer und die Sehkraft hatte nachgelassen, reiste Georg in den letzten Jahren regelmäßig von Regensburg nach Rom, wo er im Kloster »Mater Ecclesiae« wohnte und seinem Bruder, dem emeritierten Papst, Gesellschaft leistete.