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Wie Mose »hartnäckig« Fürsprache halten

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Grußworte von Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 17. Juni

17 Juni 2020

In der Generalaudienz am Mittwoch, 17. Juni, setzte Papst Franziskus die Katechesenreihe über das Gebet fort. Ein Mitarbeiter der deutschsprachigen Abteilung des Staatssekretariats trug folgende Zusammenfassung vor:

Blicken wir im Rahmen unserer Katechesen über das Gebet auf die Gestalt des Mose, so wird deutlich, dass Gott keineswegs die »unkomplizierten« Beter bevorzugt. Mose war trotz der ihm eigenen Demut (Nm 12,3) ein bisweilen recht »hartnäckiger« Dialogpartner. Gott lässt sich auf sein Fragen und Nachfragen ein, auch wenn er bisweilen erzürnt ist über das mangelnde Vertrauen von Mose. Schon bei seiner Berufung am brennenden Dornbusch bringt dieser allerlei Ausflüchte vor, er verhandelt geradezu mit Gott. Mose ist so vertraut mit Gott, dass er von Angesicht zu Angesicht mit ihm sprechen kann (vgl. Ex 33,11). Ebenso nahe ist er den Menschen; er empfindet Mitleid angesichts ihrer Sünden und tritt immer wieder vermittelnd beim Herrn für das Volk ein. Sein Gebet wird zum ergreifenden Bild des fürbittenden Gebetes, das sich in Jesus Christus, dem einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen, vollenden wird (vgl. KKK 2574). Selbst in den schwierigsten Momenten, z.B. als das Volk sich von Gott und dem von ihm bestimmten Führer lossagt und sich selbstgemachten Götzen zuwendet, geht Mose nicht auf Distanz zu seinem Volk. Das ist das Gebet des wahren Gläubigen, der trotz der Sünden seiner Mitmenschen – ja gerade deswegen – betend für sie eintritt (vgl. KKK 2577). Davon lebt die Welt: vom frommen und bisweilen kühnen Gebet, das die Heiligen überall und zu aller Zeit für die Menschheit an Gott richten.

Der Heilige Vater grüßte die deutschsprachigen Pilger auf Italienisch. Anschließend wurde folgende deutsche Übersetzung der Grüße vorgelesen:

Herzlich grüße ich die Gläubigen deutscher Sprache. Mose betet nicht für sich, er betet für andere, er wird zum großen Fürsprecher des Volkes Gottes. Machen auch wir uns bewusst, dass wir nie nur als einzelne, sondern immer in der Gemeinschaft der Kirche vor Gott stehen, mehr noch, dass wir alle Söhne und Töchter der einen Menschheitsfamilie sind. Das soll auch an unserem Gebet füreinander sichtbar werden. Gott segne euch!