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Stärkere Rolle von Frauen in Priesterausbildung

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Kurienkardinal Ouellet im Gespräch mit der Monatsbeilage unserer Zeitung

30 April 2020

Kardinal Marc Ouellet, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, hat sich für eine stärkere Beteiligung von Frauen im Bereich der Priesterausbildung ausgesprochen. Es gebe viele Möglichkeiten, sie in den Prozess einzubeziehen, sagte er in einem Beitrag für das vom Osservatore Romano herausgegebene Frauenmagazin »Donne Chiesa Mondo« (»Frauen Kirche Welt«, Mai-Ausgabe).

In theologischen, philosophischen, aber auch in spirituellen Fragen könnten sie durchaus Teil des Ausbilderteams sein. »Wir brauchen die Meinung von Frauen«, so Kurienkardinal Ouellet. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe sei für die Priesteramtskandidaten eine wertvolle Vorbereitung auf ihren späteren Dienst. Ohne eine solche Kooperation sehe er die Gefahr, dass Priester ihre Beziehungen zu Frauen »in klerikaler Weise leben« – sie also als Untergebene betrachten könnten.

Die aktuellen Ausbildungsregeln sollten nach Ansicht von Ouellet »weiterentwickelt« werden: »Wir befinden uns immer noch in einem klerikalen Konzept.« Die Integration von Frauen komme nach wie vor zu kurz. Dies sei nicht zuletzt im Hinblick auf die Seelsorge problematisch. »Die Aufmerksamkeit für Menschen ist von Natur aus weiblich«, sagte der aus Kanada stammende Geistliche.

Viele Priester und Seminaristen hätten ein »ängstliches Verhältnis zu Frauen«, kritisierte der Kardinal weiter. Oftmals werde die Frau als eine »Gefahr« gesehen. Das eigentliche Problem seien aber Männer im kirchlichen Dienst, die kein ausgewogenes Verhältnis zu Frauen hätten. »Das müssen wir radikal ändern«, so Ouellet.