· Vatikanstadt ·

Möge die Zeit nach der Pandemie die Zeit der Wiederauferstehung des Volkes sein

cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg

In der Frühmesse am Ostermontag rief der Papst dazu auf, nicht mehr »in das Grab des Hungers, der Sklaverei, der Kriege, der Waffenfabriken, der Kinder ohne Bildung zurückzukehren«

14 April 2020

Nach der Pause an den Kartagen und am Ostersonntag nahm Papst Franziskus am 13. April, dem Montag der Osteroktav, die Feier seiner seit einem Monat live über Fernsehen und Internet übertragenen Frühmessen aus der Kapelle des vatikanischen Gästehauses wieder auf. Bei der Einleitung zur Messe betete Franziskus für die Politiker und Wissenschaftler:

»Lasst uns heute für die Regierenden, die Wissenschaftler, die Politiker beten, die begonnen haben, den Ausweg, die Zeit nach der Pandemie, dieses ›Danach‹ zu studieren, das bereits begonnen hat: mögen sie den richtigen Weg finden: immer zugunsten der Menschen, immer zugunsten der Völker«.

In seiner Predigt kommentierte Franziskus das Tagesevangelium (Mt 28,8-15), in dem der auferstandene Jesus einigen Frauen erscheint und sie drängt, seinen Jüngern zu sagen, sie sollten nach Galiläa gehen: dort würden sie ihn sehen. Das Evangelium fordere dazu auf, zu wählen zwischen der Hoffnung auf die Auferstehung Jesu und der Nostalgie nach dem Grab:

Das heutige Evangelium stellt uns vor eine Option, eine alltägliche Option, eine menschliche Option, die aber seit jenem Tag Bestand hat: die Option zwischen der Freude, der Hoffnung auf die Auferstehung Jesu und der Nostalgie nach dem Grab.

Die Frauen gehen voran und bringen die Botschaft: Gott beginnt immer mit den Frauen, immer. Sie öffnen Wege. Sie zweifeln nicht: sie wissen es. Sie haben ihn gesehen, sie haben ihn berührt. Sie haben auch das leere Grab gesehen. Die Jünger konnten es zwar nicht glauben und sagten: »Aber diese Frauen haben vielleicht ein bisschen zu viel Phantasie«... Ich weiß nicht, sie hatten ihre Zweifel. Aber sie waren sich sicher, und am Ende haben sie diesen Weg bis heute fortgesetzt: Jesus ist auferstanden, er lebt unter uns. Und dann ist da noch das andere: es ist besser, nicht zu leben, wenn das Grab leer ist. So viele Probleme wird uns dieses leere Grab bescheren. Und die Entscheidung, die Tatsache zu verbergen. Es ist wie immer: wenn wir nicht Gott, dem Herrn, dienen, dienen wir dem anderen Gott, dem Geld. Erinnern wir uns an das, was Jesus gesagt hat: Es sind dies zwei Herren, der Herr Gott und der Herr Geld. Man kann nicht beiden dienen.

Und um aus dieser Offensichtlichkeit, aus dieser Realität herauszukommen, wählten die Priester, die Gesetzeslehrer den anderen Weg, den Weg, den ihnen der Gott Geld anbot, und sie bezahlten: sie zahlten für das Schweigen. Das Schweigen der Zeugen. Einer der Wächter hatte gestanden, sobald Jesus gestorben war: »Wahrlich, dieser Mann war der Sohn Gottes!« Diese armen Leute verstehen nicht, sie haben Angst, weil ihr Leben auf dem Spiel steht... und sie gingen zu den Priestern, zu den Gesetzeslehrern. Und diese zahlten: sie haben für das Schweigen bezahlt, und das, liebe Brüder und Schwestern, ist keine Bestechung: das ist reine Korruption, reine Korruption. Wenn du nicht Jesus Christus, den Herrn, bekennst, denk nach, denn dort, wo das Siegel deines Grabes ist, dort ist die Korruption. Es ist wahr, dass so viele Menschen Jesus nicht bekennen, weil sie ihn nicht kennen, weil wir ihn nicht konsequent verkündet haben, und das ist unsere Schuld. Aber wenn wir trotz der Offensichtlichkeiten diesen Weg gehen, dann ist es der Weg des Teufels, es ist der Weg der Korruption. Sie zahlen und du hältst den Mund. Auch heute, angesichts des – hoffentlich bald – bevorstehenden Endes dieser Pandemie, gibt es die gleiche Alternative: entweder setzen wir auf das Leben, auf die Auferstehung der Völker, oder aber auf den Gott Geld. Zum Grab des Hungers, der Sklaverei, der Kriege, der Waffenfabriken, der Kinder ohne Bildung zurückkehren... da ist das Grab.

Möge uns der Herr sowohl in unserem persönlichen als auch in unserem gesellschaftlichen Leben immer dabei helfen, die Verkündigung zu wählen: die Botschaft, die Horizont ist, die offen ist, immer. Möge er uns dazu bringen, das Wohl der Menschen zu wählen. Und niemals in das Grab des Gottes Geld zu fallen.

Der Papst beendete die Messfeier wie immer mit der Anbetung und dem eucharistischen Segen und lud die Menschen mit dem Gebet des heiligen Alfons Maria zur geistlichen Kommunion ein:

Anbetungswürdiger Jesus! Ich glaube fest, dass du in dem heiligsten Sakramente des Altars wesentlich zugegen bist. Ich liebe dich über alles. Meine Seele verlanget, dich zu empfangen. Weil ich dich aber gegenwärtig wesentlich im Sakramente nicht kann empfangen, so komme geistlicher Weise und kehre mit deiner Gnade in mein Herz ein. Ich umarme dich, oh Jesus, als schon wirklich gegenwärtig. Ich vereinige mich ganz mit Dir, lasse nicht zu, dass ich mich jemals von Dir trenne.

Bevor Franziskus die dem Heiligen Geist geweihte Kapelle verließ, wurde die in der Osterzeit gesungene marianische Antiphon Regina caeli angestimmt:

»Regína caeli laetáre, allelúia.
Quia quem merúisti portáre, allelúia.
Resurréxit, sicut dixit, allelúia.
Ora pro nobis Deum, allelúia«.