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Jüngerschaft und die Salbung des Heiligen Geistes

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Für die Medienschaffenden

01 April 2020

Papst Franziskus begann die Feier der heiligen Messe am Morgen des 1. April mit dem Eröffnungsvers, der ein »Gebet der Befreiung« sei: »Du hast mich von meinen Feinden befreit, o Herr, mich über meine Gegner erhoben, dem Mann der Gewalt mich entrissen« (Ps 18,49). Dann wandte er seine Aufmerksamkeit denen zu, die in den Medien arbeiten:

»Heute möchte ich, dass wir für all jene beten, die in den Medien arbeiten, die sich für die Kommunikation einsetzen, damit sich die Menschen nicht so isoliert fühlen. Für die Erziehung der Kinder, für die Information, um ihnen zu helfen, diese Zeit der Schließung zu überstehen.«

In seiner Predigt kommentierte der Papst das Tagesevangelium (Joh 8,31-42), in dem Jesus zu den Juden sagt: »Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien« (V. 31-32). Jünger sein bedeute, sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen. Deshalb sei der Jünger Jesu ein Mensch der Tradition und der Neuheit, ein freier Mensch, der nie Ideologien unterworfen sei:

»In diesen Tagen bringt uns die Kirche das achte Kapitel des Johannesevangeliums zu Gehör, in dem es eine scharfe Diskussion zwischen Jesus und den Schriftgelehrten gibt. Vor allem bemüht man sich, die eigene Identität zu zeigen: Johannes versucht, uns diesem Kampf um die Klärung der eigenen Identität näher zu bringen, sowohl der Identität Jesu als auch der Identität der Schriftgelehrten. Jesus bringt sie in Bedrängnis, indem er ihnen ihre Widersprüche zeigt. Und am Ende finden sie keinen anderen Ausweg als Beleidigung: Es ist eine der traurigsten Begebenheiten, es ist Gotteslästerung. Sie beleidigen die Gottesmutter.

Jesus spricht von Identität und gibt den Juden, die geglaubt haben, den Rat: ›Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger‹ (Joh 8,31). Es kehrt dieses Wort wieder, das dem Herrn so teuer war, dass er es oft wiederholte, auch beim Letzten Abendmahl: bleiben. »Bleibt in mir.« Im Herrn bleiben. Er sagt nicht: »Studiert gut, lernt die Argumentationen gut«: das setzt er als selbstverständlich voraus. Sondern er wendet sich dem zu, was am Wichtigsten ist und was am gefährlichsten für das Leben ist, wenn man es nicht tut: bleiben. ›Bleibt bei meinem Wort‹ (Joh 8,31). Diejenigen, die in Jesu Wort bleiben, haben ihre eigene christliche Identität. Und was ist das? ›Ihr seid wahrhaft meine Jünger‹ (Joh 8,31). Die christliche Identität ist kein Ausweis, auf dem ›Ich bin ein Christ‹ steht, ein Personalausweis: nein. Sie ist Jüngerschaft. Wenn du im Herrn, im Wort des Herrn, im Leben des Herrn bleibst, wirst du ein Jünger sein. Wenn du nicht bleibst, wirst du einer sein, der mit der Lehre sympathisiert, der Jesus nachfolgt als ein Mensch, der so wohltätig ist, der so gut ist, der die richtigen Werte hat, aber die Jüngerschaft ist die wahre Identität des Christen.

Und es wird die Jüngerschaft sein, die uns die Freiheit schenken wird: Der Jünger ist ein freier Mensch, weil er im Herrn bleibt. Und »bleibt im Herrn«, was bedeutet das? Sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen. Der Jünger lässt sich vom Geist leiten, deshalb ist der Jünger immer ein Mensch der Tradition und der Neuheit, er ist ein freier Mensch. Ein freier Mensch. Niemals den Ideologien, den Lehren im christlichen Leben unterworfen, Lehren, die diskutiert werden können... Er bleibt im Herrn, es ist der Geist, der inspiriert. Wenn wir zum Heiligen Geist singen, sagen wir ihm, dass er ein Gast der Seele ist (vgl. Hymnus Veni Sancte Spiritus), der in uns wohnt. Aber das nur, wenn wir im Herrn bleiben.

Ich bitte den Herrn, uns diese Weisheit kennenlernen zu lassen, in ihm zu bleiben, und uns jene Vertrautheit mit dem Geist kennenlernen zu lassen: der Heilige Geist gibt uns die Freiheit. Und das ist die Salbung. Wer im Herrn bleibt, ist ein Jünger, und der Jünger ist ein Gesalbter, ein durch den Geist Gesalbter, der die Salbung des Geistes empfangen hat und sie weiterführt. Das ist der Weg, den Jesus uns für die Freiheit und auch für das Leben weist. Und die Jüngerschaft ist die Salbung, die diejenigen empfangen, die im Herrn bleiben.

Möge der Herr uns das verstehen lassen, was nicht einfach ist: denn die Schriftglehrten hatten es nicht verstanden. Man versteht das nicht nur mit dem Kopf. Man versteht das mit dem Kopf und dem Herzen, diese Weisheit der Salbung des Heiligen Geistes, die uns zu Jüngern macht.«

Der Papst beschloss die Messfeier mit der Anbetung und dem eucharistischen Segen und lud die Menschen, die die sakramentale Kommunion nicht empfangen können, mit dem Gebet von Kardinal Rafael Merry del Val zur geistlichen Kommunion ein:

»Zu Deinen Füßen, lieber Jesus, werfe ich mich nieder und schenke Dir den Reueschmerz meines zerknirschten Herzens. Ich beuge mich tief in meinem Nichts vor Deiner heiligen Gegenwart. Ich bete Dich an im Sakrament Deiner Liebe, in dem unsagbar großen und heiligen Sakrament des Altares. Ich wünsche Dich aufzunehmen in die armselige Wohnung, die meine Seele Dir bieten kann. In Erwartung des Glückes der wirklichen heiligen Kommunion möchte ich Dich geistigerweise empfangen. Komme zu mir, lieber Jesus, denn ich komme zu Dir. Möge Deine Liebe mein ganzes Wesen besitzen im Leben und im Tode! Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich. Amen.«