· Vatikanstadt ·

Für die schwangeren Frauen

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Die Gefahr eines gnostischen Glaubens ohne Volk und Sakramente

17 April 2020

In seiner Einleitung zur Messfeier in der Kapelle des Hauses Santa Marta am 17. April, dem Freitag der Osteroktav, galten die Gedanken des Papstes den schwangeren Frauen:

Ich möchte, dass wir heute für die Frauen beten, die guter Hoffnung sind, schwangere Frauen, die Mütter werden und unruhig sind und sich Sorgen machen. Eine Frage: »In welcher Welt wird mein Kind leben?« Lasst uns für sie beten, dass der Herr ihnen den Mut schenke, diese Kinder voranzubringen, im Vertrauen darauf, dass es sicherlich eine andere Welt sein wird, aber dass es immer eine Welt sein wird, die der Herr sehr lieben wird.

In seiner Predigt kommentierte Franziskus das Tagesevangelium (Joh 21, 1-14), in dem der auferstandene Jesus den Jüngern nach einem ergebnislosen Fischfang wieder am See von Tiberias am Ufer erscheint. Es sei dies eine Szene, die sich ganz natürlich abspiele, weil die Jünger mit Jesus vertraut geworden seien:

Die Jünger waren Fischer: Jesus hatte sie gerade bei der Arbeit berufen. Andreas und Petrus arbeiteten mit den Netzen. Sie verließen die Netze und folgten Jesus. Dasselbe gilt für Johannes und Jakobus: sie verließen ihren Vater und die Jungs, die mit ihnen arbeiteten, und folgten Jesus nach (vgl. Mt 4,21-22). Der Ruf erfolgte gerade bei ihrer Arbeit als Fischer. Und dieser Abschnitt aus dem heutigen Evangelium, dieses Wunder, dieser wunderbare Fischfang lässt uns an einen anderen wunderbaren Fischfang denken, an jenen, von dem Lukas berichtet (Lk 5,1-11): auch dort geschah dasselbe. Sie hatten einen Fischfang, als sie dachten, sie würden nichts fangen. Nach der Predigt sagte Jesus: »Fahr hinaus, wo es tief ist« – »Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen!« – »Geht« – »Auf dein Wort hin«, sagte Petrus, »werde ich die Netze auswerfen«. Dort war eine so große Menge Fische – heißt es im Evangelium –, dass »sie von Schrecken ergriffen wurden« wegen dieses Wunders (vgl. Lk 5,9). Heute, bei diesem anderen Fischfang, ist von Schrecken keine Rede mehr. Man sieht eine gewisse Natürlichkeit, man sieht, dass es Fortschritte gegeben hat, einen Weg, der hin zur Erkenntnis des Herrn, zum innigen Umgang mit dem Herrn gegangen ist; ich will das richtige Wort sagen: zur Vertrautheit mit dem Herrn. Als Johannes dies sah, sagte er zu Petrus: »Es ist der Herr!«, und Petrus gürtete sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See, um zum Herrn zu gehen (vgl. Joh 21,7). Beim ersten Mal war er vor ihm niedergekniet: »Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr«. Dieses Mal sagt er nichts, er ist natürlicher. Niemand fragte: »Wer bist du?« Sie wussten, dass es der Herr war, die Begegnung mit dem Herrn war natürlich. Die Vertrautheit der Apostel mit dem Herrn hatte zugenommen.

Auch wir Christen sind auf unserem Lebensweg in diesem Zustand des Gehens, des Fortschreitens in der Vertrautheit mit dem Herrn. Der Herr, so könnte ich sagen, ist ein bisschen »umgänglich«, aber insofern »umgänglich«, als er mit uns geht, wir wissen, dass er es ist. Niemand fragte ihn hier: »Wer bist du?«: Sie wussten, dass es der Herr war. Eine alltägliche Vertrautheit mit dem Herrn, das ist die des Christen. Und sicherlich haben sie zusammen gefrühstückt, mit Fisch und Brot, sie sprachen sicherlich in völliger Natürlichkeit über viele Dinge.

Diese Vertrautheit der Christen mit dem Herrn ist immer gemeinschaftlich. Ja, sie ist intim, sie ist persönlich, aber in der Gemeinschaft. Eine Vertrautheit ohne Gemeinschaft, eine Vertrautheit ohne Brot, eine Vertrautheit ohne die Kirche, ohne das Volk, ohne die Sakramente ist gefährlich. Sie kann zu einer Vertrautheit – sagen wir mal – gnostischer Art werden, eine Vertrautheit nur für mich allein, losgelöst vom Volk Gottes. Die Vertrautheit der Apostel mit dem Herrn war immer gemeinschaftlich, immer bei Tisch, dem Zeichen der Gemeinschaft. Sie war immer mit dem Sakrament, mit dem Brot.

Ich sage das, weil mich jemand dazu gebracht hat, über die Gefahr nachzudenken, dass dieser Augenblick, den wir durchleben, diese Pandemie, dazu geführt hat, dass wir alle auch religiös über die Medien, über die Kommunikationsmittel kommunizieren, auch diese Messe, wir alle kommunizieren: aber nicht zusammen, spirituell zusammen. Das Volk ist klein. Es gibt ein großes Volk: wir sind beieinander, aber nicht zusammen. Auch das Sakrament: heute habt ihr sie, die Eucharistie, aber die Menschen, die mit uns verbunden sind, haben nur die geistliche Kommunion. Und das ist nicht die Kirche: das ist die Kirche einer schwierigen Situation, was der Herr zulässt, aber das Ideal der Kirche ist immer mit dem Volk und mit den Sakramenten. Immer.

Vor Ostern, als die Nachricht bekannt wurde, dass ich Ostern in einem leeren Petersdom feiern würde, schrieb mir ein Bischof – ein guter Bischof: ein guter – und schimpfte mich aus. »Aber wie jetzt, der Petersdom ist so groß, warum stellen Sie da nicht mindestens dreißig Leute auf, damit die Leute zu sehen sind? Es besteht keine Gefahr…«. Ich dachte: »Aber, was geht dem da durch den Kopf, dass er mir das sagt?« Das hatte ich in jenem Augenblick nicht verstanden. Aber da er ein guter Bischof ist, der dem Volk sehr nahe steht, wird er mir etwas sagen wollen. Wenn ich ihn sehen werde, werde ich ihn fragen… Dann habe ich verstanden. Er sagte zu mir: »Achten Sie darauf, die Kirche nicht zu viralisieren, die Sakramente nicht zu viralisieren, das Volk Gottes nicht zu viralisieren«. Die Kirche, die Sakramente, das Volk Gottes sind konkret. Es stimmt, dass wir diese Vertrautheit mit dem Herrn in diesem Augenblick auf diese Weise schaffen müssen, aber um aus dem Tunnel herauszukommen, nicht um dort zu bleiben. Und das ist die Vertrautheit der Apostel: keine gnostische, keine viralisierte, keine egoistische Vertrautheit für jeden einzelnen von ihnen, sondern eine konkrete Vertrautheit, im Volk. Vertrautheit mit dem Herrn im täglichen Leben, Vertrautheit mit dem Herrn in den Sakramenten, inmitten des Gottesvolkes. Sie haben einen Weg der Reife in der Vertrautheit mit dem Herrn zurückgelegt: lasst auch uns lernen, dies zu tun. Ihnen war vom ersten Augenblick an klar, dass diese Vertrautheit anders war, als sie es sich vorgestellt hatten, und so sind sie zu dieser Erkenntnis gelangt. Sie wussten, dass es der Herr war, sie teilten alles miteinander: die Gemeinschaft, die Sakramente, den Herrn, den Frieden, das Fest.

Möge uns der Herr diese Intimität mit ihm, diese Vertrautheit mit ihm, lehren, aber in der Kirche, mit den Sakramenten, mit dem heiligen und gläubigen Volk Gottes.

Der Papst schloss die Feier wie immer mit der Anbetung und dem eucharistischen Segen ab und lud die Menschen zur geistlichen Kommunion ein.