· Vatikanstadt ·

Die wahre Freude schenkt tiefen Trost

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Messe in Santa Marta

16 April 2020

Zu Beginn der Frühmesse am 16. April, dem Donnerstag der Osteroktav, betete Papst Franziskus besonders für die Apotheker: »In diesen Tagen hat man mir Vorwürfe gemacht, weil ich vergessen habe, einer Personengruppe zu danken, die ebenfalls arbeitet… Ich habe den Ärzten, den Krankenpflegern, den ehrenamtlichen Helfern gedankt… ›Aber Sie haben die Apotheker vergessen‹: Auch sie arbeiten viel, um den Kranken zu helfen, die Krankheit zu überwinden. Beten wir auch für sie.«

In seiner Predigt sprach der Papst mit Bezug auf die Lesung aus der Apostelgeschichte (3, 11-26) über die wahre Freude, die ein Geschenk des Heiligen Geistes ist. Er sagte:

In Jerusalem, hatten die Menschen in diesen Tagen viele Empfindungen: Angst, Staunen, Zweifel. In jenen Tagen, da der Gelähmte, der geheilt worden war, »sich Petrus und Johannes anschloss, lief das ganze Volk […] zusammen, außer sich vor Staunen« (Apg 3,11): Es herrscht keine Ruhe, weil Dinge geschahen, die man nicht verstand. Der Herr ist zu seinen Jüngern gegangen. Auch sie wussten, dass er bereits auferstanden war, auch Petrus wusste es, weil er an jenem Morgen mit ihm gesprochen hatte. Die beiden, die aus Emmaus zurückgekehrt waren, wussten es, aber als der Herr erschienen ist, erschraken sie. »Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen« (Lk 24,37). Dieselbe Erfahrung hatten sie auf dem See gemacht, als Jesus zu ihnen kam und auf dem Wasser ging. Aber damals hatte Petrus sich ein Herz gefasst, alles auf den Herrn gesetzt und gesagt: »Aber wenn du es bist, dann lass mich auf dem Wasser gehen!« (vgl. Mt 14,28). An diesem Tag schwieg Petrus, er hatte mit dem Herrn gesprochen, an jenem Morgen. Und niemand weiß, was sie einander in jenem Gespräch gesagt hatten, und darum schwieg er. Sie waren jedoch voller Angst, bestürzt, und meinten, einen Geist zu sehen. Und er sagt: Aber nein, »was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an…«. Er zeigt ihnen die Wunden (vgl. Lk 24,38-39): jenen Schatz, den Jesus in den Himmel mitgenommen hat, um ihn dem Vater zu zeigen und für uns Fürsprache zu halten. »Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen.«

Und dann kommt ein Wort, das mir viel Trost schenkt, und darum ist es eine meiner Lieblingsstellen im Evangelium: »Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten…« (Lk 24,41). Noch immer waren sie voll Staunen, die Freude hinderte sie am Glauben. Jene Freude war so groß, dass sie sagten: »Nein, das kann nicht wahr sein. Diese Freude ist nicht real, es ist eine zu große Freude.« Und das hinderte sie am Glauben. Die Freude. Die Augenblicke großer Freude. Sie waren übervoll mit Freude, aber gelähmt vor Freude. Und die Freude ist einer der Wünsche, die Paulus für die Seinen in Rom hat: »Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude« (Röm 15,13), sagt er zu ihnen. Mit Freude erfüllen, voll Freude sein. Es ist eine Erfahrung höchsten Trostes, wenn der Herr uns verstehen lässt, dass dies etwas anderes ist als fröhlich, positiv, strahlend zu sein… Nein, es ist etwas anderes. Sich freuen…, aber voll Freude, einer überfließenden Freude, die uns wirklich ergreift. Und darum wünscht Paulus den Römern: »Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude«. Und jenes Wort, jener Ausdruck, »mit Freude erfüllen«, wird sehr oft wiederholt. So geschieht es zum Beispiel im Gefängnis, als Paulus dem Gefängniswärter, der sich töten wollte, weil sich durch das Erdbeben die Türen geöffnet hatten, das Leben rettet und ihm dann das Evangelium verkündet, ihn tauft, und der Gefängniswärter, wie es in der Bibel heißt, »voll Freude« war, weil er zum Glauben gekommen war (vgl. Apg 16,29-34). Dasselbe geschah am Tag der Himmelfahrt: Die Jünger kehrten »in großer Freude« nach Jerusalem zurück, heißt es in der Bibel (vgl. Lk  24,52-53). Es ist die Fülle des Trostes, die Fülle der Gegenwart des Herrn. Denn wie Paulus zu den Galatern sagt ist »die Freude Frucht des Heiligen Geistes« (vgl. Apg 24,52-53) und nicht die Folge von Gefühlen, die wegen einer wunderschönen Sache bersten… Nein, sie ist mehr.

Diese Freude, die uns erfüllt, ist die Frucht des Heiligen Geistes. Ohne den Geist kann man diese Freude nicht haben. Die Freude des Geistes zu empfangen ist eine Gnade. Mir kommen die letzten Nummern, die letzten Abschnitte des Apostolischen Schreibens Evangelii nuntiandi von Paul VI. (vgl. 79-80) in den Sinn, wo er von den freudigen Christen, den freudigen Evangelisieren spricht, und nicht von denen, die immer niedergeschlagen leben. Heute ist ein schöner Tag, um es zu lesen. Voll Freude. Das ist es, was die Bibel und sagt: »Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten…« Sie war so groß, dass sie es nicht glaubten. Es gibt einen Abschnitt im Buch Nehemia, der uns heute bei dieser Reflexion über die Freude helfen kann. Das Volk, das nach Jerusalem zurückgekehrt ist, hat das Buch der Weisung wiedergefunden, es ist wiederentdeckt worden. Weil sie die Weisung auswendig kannten, fanden sie das Buch der Weisung nicht. Es gab ein großes Fest, und das ganze Volk versammelte sich, um dem Priester Esdra zu lauschen, der aus dem Buch der Weisung las. Das tief bewegte Volk weinte, es weinte vor Freude, weil es das Buch der Weisung gefunden hatte, und es weinte, ein freudiges Weinen… Am Ende, als der Priester Esdra fertig war, sagte Nehemia zum Volk: »Beruhigt euch und weint nicht mehr! Bewahrt die Freude, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke« (vgl. Neh 8,1-12). Dieses Wort des Nehemia wird uns heute helfen. Die große Stärke, die wir haben, um zu verwandeln, um das Evangelium zu verkündigen, um voranzugehen als Zeugen des Lebens, ist die  Freude am Herrn, die Frucht des Heiligen Geistes ist, und heute bitten wir ihn, uns diese Frucht zu gewähren.

Der Papst lud alle, die die sakramentale Kommunion nicht empfangen können, mit folgendem vom heiligen Alfons von Liguori verfassten Gebet zur geistlichen Kommunion ein: »Mein Jesus, ich glaube, dass Du im allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen bist. Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach Dir. Da ich Dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann, so komme wenigstens geistigerweise zu mir. Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an. Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne. Amen.« Nach   der   Anbetung   und   dem   eucharistischen   Segen   wurde   in   der   Kapelle   des Gästehauses Santa Marta die österliche marianische Antiphon Regina Caeli angestimmt.