· Vatikanstadt ·

Die sieben Schmerzen Mariens

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Gebet für alle, die sich Sorgen machen über die Zeit nach der Pandemie

03 April 2020

Papst Franziskus widmete die Messe am Passionsfreitag 3. April, dem Freitag vor dem Palmsonntag, der schmerzhaften Mutter Gottes. Der Eröffnungsvers, den der Papst zu Beginn der Feier verlas, ist ein Ruf um Hilfe in der Not: »Herr, sei mir gnädig, denn mir ist angst. Entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger. Herr, lass mich nicht scheitern, denn ich rufe zu dir« (Ps 31,10.16.18). In seiner Einleitung wandte Franziskus seine Gedanken den Nachwirkungen der Pandemie zu: »Es gibt Menschen, die jetzt anfangen, an das Nachher zu denken: an die Zeit nach der Pandemie. All die Probleme, die kommen werden: Probleme der Armut, der Arbeit, des Hungers... Wir beten für all die Menschen, die heute helfen, aber auch an morgen denken, um uns allen zu helfen.«

In den Mittelpunkt seiner Betrachtungen in der Predigt stellte Franziskus die »Jungfrau der Schmerzen und schmerzhafte Gottesmutter«. Heute werde es uns gut tun, über die Schmerzen der Gottesmutter nachzudenken und ihr zu danken, weil sie es angenommen habe, Mutter zu sein:

An diesem Passionsfreitag gedenkt die Kirche der Schmerzen Mariens, der schmerzhaften Muttergottes. Aus den Jahrhunderten kommt diese Verehrung des Volkes Gottes. Zu Ehren Unserer Lieben Frau der Schmerzen wurden Hymnen geschrieben: sie stand unter dem Kreuz, und man betrachtet sie dort, leidend. Die christliche Frömmigkeit hat die Schmerzen der Gottesmutter gesammelt und spricht von den »sieben Schmerzen«.

Der erste, nur vierzig Tage nach der Geburt Jesu, die Prophezeiung des Simeon von einem Schwert, das ihr Herz durchdringen wird (vgl. Lk 2,35). Der zweite Schmerz, sie denkt an die Flucht nach Ägypten, um das Leben ihres Sohnes zu retten (vgl. Mt 2,13-23). Der dritte Schmerz, diese drei Tage der Qual, als der Junge im Tempel blieb (vgl. Lk 2,41-50. Der vierte Schmerz, als die Gottesmutter Jesus auf dem Weg zum Kalvarienberg begegnet (vgl. Joh 19,25). Der fünfte Schmerz der Muttergottes ist der Tod Jesu, den Sohn dort gekreuzigt, nackt und sterbend zu sehen. Der sechste Schmerz, die Abnahme Jesu vom Kreuz, tot, und sie nimmt ihn in ihre Arme, wie sie ihn mehr als dreißig Jahre vorher in Bethlehem in ihre Arme genommen hatte. Der siebte Schmerz ist die Grablegung Jesu. Und so folgt die christliche Frömmigkeit diesem Weg der Gottesmutter, die Jesus begleitet. Es tut mir gut, am späten Abend, wenn ich den Angelus bete, diese sieben Schmerzen als Erinnerung an die Mutter der Kirche zu beten, wie die Mutter der Kirche mit so viel Schmerz uns alle geboren hat.

Die Muttergottes hat nie um etwas für sich selbst gebeten, niemals. Ja, für andere: denken wir an Kana, als sie zu Jesus geht, um mit ihm zu sprechen. Sie hat nie gesagt: »Ich bin die Mutter, seht mich an: ich werde die Königin und Mutter sein.« Das hat sie nie gesagt. Sie hat nicht um etwas im Apostel-Kollegium gebeten, das für sie wichtig ist. Allein: sie nimmt es an, Mutter zu sein. Sie begleitete Jesus als Jüngerin, denn das Evangelium zeigt, dass sie Jesus nachfolgte: mit ihren Freundinnen, alles fromme Frauen, folgte sie Jesus nach, hörte ihn an. Einmal erkannte sie jemand: »Ah, hier ist die Mutter«, »deine Mutter ist hier« (vgl. Mk 3,31)... Sie folgte Jesus nach. Bis zum Kalvarienberg. Und dort, zu Füßen... wo die Leute sicher sagten: »Ach, arme Frau, wie sie leiden wird«, und die Bösen sagten sicher: »Aber auch sie ist schuld, denn wenn sie ihn gut erzogen hätte, wäre das nicht so ausgegangen.« Sie war dort, mit dem Sohn, bei der Demütigung des Sohnes.

Die Gottesmutter ehren und sagen: »Das ist meine Mutter«, denn sie ist Mutter. Und das ist der Titel, den sie von Jesus erhalten hat, genau dort, im Moment des Kreuzes (vgl. Joh 19,26-27). Deine Kinder, du bist Mutter. Er hat sie nicht zur Premierministerin gemacht oder ihr »funktionelle« Titel verliehen. Nur »Mutter«. Und dann zeigt sie die Apostelgeschichte im Gebet mit den Aposteln als Mutter (vgl. Apg 1,14). Die Gottesmutter wollte Jesus keinen Titel wegnehmen; sie erhielt das Geschenk, seine Mutter zu sein, und die Pflicht, uns als Mutter zu begleiten, unsere Mutter zu sein. Sie hat nicht darum gebeten, eine Quasi-Erlöserin oder Mit-Erlöserin zu sein: nein. Der Erlöser ist allein einer, und dieser Titel verdoppelt sich nicht. Nur Jüngerin und Mutter. Und so müssen wir als Mutter an sie denken, sie suchen und zu ihr beten. Sie ist die Mutter. In der Kirche, die Mutter ist. In der Mutterschaft der Gottesmutter sehen wir die Mutterschaft der Kirche, die alle aufnimmt, gute und schlechte: alle.

Heute wird es uns gut tun, für eine Weile innezuhalten und über den Schmerz und die Schmerzen der Gottesmutter nachzudenken. Sie ist unsere Mutter. Und wie sie diese getragen hat, wie sie sie gut getragen hat, mit Kraft, mit Tränen: es war kein falsches Weinen, es war gerade ihr vom Schmerz gebrochenes Herz. Es wird uns gut tun, ein wenig innezuhalten und der Muttergottes zu sagen: »Danke, dass du es angenommen hast, Mutter zu sein, als der Engel es dir sagte, und danke, dass du es angenommen hast, Mutter zu sein, als Jesus es dir sagte.«

Der Papst lud alle, die die sakramentale Kommunion nicht empfangen können, mit dem Gebet des heiligen Alfons Maria de‘ Liguori zur geistlichen Kommunion ein: »Mein Jesus, ich glaube, dass du im allerheiligsten Sakrament des Altares zugegen bist. Ich liebe dich über alles und meine Seele sehnt sich nach dir. Da ich dich aber jetzt im Sakrament des Altares nicht empfangen kann, so komme wenigstens geistigerweise zu mir. Ich umfange Dich, als wärest Du schon bei mir und vereinige mich mit Dir! Ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an. Lass nicht zu, dass ich mich je von Dir trenne.«