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Die eigene Sicherheit öffnet den Götzen die Tür

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14 April 2020

Zu Beginn der Frühmesse am 14. April, dem Dienstag der Osteroktav, machte Papst Franziskus die Einheit und Gemeinschaft zum Gegenstand seines Gebets: »Bitten wir den Herrn, dass er uns die Gnade der Einheit untereinander schenken möge. Dass die Schwierigkeiten dieser Zeit uns die Gemeinschaft untereinander entdecken lassen, die Einheit, die stets über jede Spaltung hinausgeht.«

In seiner Predigt bezog sich der Papst auf den Abschnitt aus der Apostelgeschichte (2,14a.36-41), wobei er die Treue zum Herrn in den Mittelpunkt stellte, die man nicht für falsche Sicherheiten und Illusionen aufgeben darf. Er sagte:

Die Predigt des Petrus am Pfingsttag trifft die Menschen mitten ins Herz: »Er, den ihr gekreuzigt habt, ist auferstanden« (vgl. Apg 2,36). »Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun?« (Apg 2,37). Und Petrus gibt eine klare Antwort: »Kehrt um. Kehrt um. Ändert euer Leben. Ihr, die ihr die Verheißung Gottes empfangen habt, und ihr, die ihr euch vom Gesetz Gottes abgewandt habt, von vielem, das euer ist, unter den Götzen, vielen Dingen… Kehrt um. Kehrt zurück zur Treue« (vgl. Apg 2,38). Umkehren bedeutet: wieder treu sein. Die Treue, jene menschliche Haltung, die im Leben der Menschen, in unserem Leben, nicht sehr verbreitet ist. Immer gibt es Illusionen, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und oft wollen wir diesen Illusionen nachgehen. Die Treue: in guten und in schlechten Zeiten. Es gibt eine Stelle im Zweiten Buch der Chronik, die mich sehr beeindruckt. Sie befindet sich in Kapitel 12, am Anfang. Dort heißt es: »Als aber seine Herrschaft gefestigt worden war, fühlte der König Rehabeam sich sicher und fiel mit ganz Israel von der Weisung des Herrn ab« (vgl. 2 Chr 12,1). So heißt es in der Bibel. Es ist eine historische Tatsache, aber auch eine allgemeine Tatsache. Oft beginnen wir, wenn wir uns sicher fühlen, unsere Pläne zu machen, und fallen langsam vom Herrn ab; wir bleiben ihm nicht treu. Und meine Sicherheit ist nicht die, die der Herr mir schenkt. Sie ist ein Götze. Das ist es, was Rehabeam und dem Volk Israel widerfahren ist. Er fühlte sich sicher – die Herrschaft war gefestigt –, er fiel von der Weisung ab und begann, den Götzen zu dienen. Ja, wir mögen sagen: »Vater, ich knie nicht vor den Götzen nieder.« Nein, vielleicht kniest du nicht nieder, aber dass du sie aufsuchst und dass du in deinem Herzen oft die Götzen anbetest, das ist wahr. Oft. Die eigene Sicherheit öffnet den Götzen die Tür.

Ist die eigene Sicherheit denn etwas Schlechtes? Nein, sie ist eine Gnade. Sicher zu sein, aber auch sicher zu sein, dass der Herr mir beisteht. Wenn jedoch die Sicherheit und das Ich im Mittelpunkt stehen, dann falle ich vom Herrn ab, wie der König Rehabeam, dann werde ich untreu. Es ist sehr schwierig, die Treue zu bewahren. Die ganze Geschichte Israels, und auch die ganze Kirchengeschichte ist voller Untreue. Sie ist voll davon. Voller Egoismus, voll eigener Sicherheiten, die das Gottesvolk vom Herrn abfallen lassen, es jene Treue verlieren lassen, die Gnade der Treue. Und auch unter uns, unter den Menschen ist die Treue gewiss keine billige Tugend. Einer ist diesem nicht treu und jenem nicht treu… »Kehrt um, werdet dem Herrn wieder treu« (vgl. Apg 2,38).

Und im Evangelium finden wir das Bild der Treue: jene treue Frau, die all das, was der Herr für sie getan hat, nie vergessen hatte. Sie stand dort, treu, angesichts des Unmöglichen, angesichts der Tragödie. Diese Treue lässt sie denken, dass sie sogar in der Lage wäre, den Leichnam zu tragen… (vgl. Joh 20,15). Eine schwache, aber treue Frau. Das Bild der Treue dieser Maria von Magdala, Apostelin der Apostel.

Bitten wir heute den Herrn um die Gnade der Treue: zu danken, wenn er uns Sicherheiten schenkt, aber nie zu meinen, dass es »meine« Sicherheiten für immer sind. Über die eigenen Sicherheiten hinausblicken. Die Gnade, treu zu sein auch angesichts der Gräber, angesichts des Zusammenbruchs vieler Illusionen. Die Treue, die immer bleibt, die aufrechtzuerhalten jedoch nicht einfach ist. Möge er, der Herr, sie schützen.

Der Papst lud alle, die die sakramentale Kommunion nicht empfangen können, mit dem folgenden Gebet zur geistlichen Kommunion ein: »Zu deinen Füßen, o mein Jesus, werfe ich mich nieder und bringe Dir die Reue meines zerknirschten Herzens dar, das sich mit seinem Nichts in Deiner heiligen Gegenwart verdemütigt. Ich bete Dich an im Sakrament Deiner Liebe, der unfassbaren Eucharistie. Ich sehne mich danach, Dich in der armen Wohnstatt meines Herzens zu empfangen. Während ich das Glück der sakramentalen Kommunion erwarte, möchte ich Dich im Geist besitzen. Komm zu mir, o mein Jesus, da ich zu Dir komme! Die Liebe umfange mein ganzes Sein im Leben und im Tod. Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich. Amen.«

Nach einer Zeit der Anbetung und dem eucharistischen Segen wurde in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta, die dem Heiligen Geist geweiht ist, die österliche marianische Antiphon Regina Caeli angestimmt.