· Vatikanstadt ·

Die Bekehrung der Wucherer

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Eine soziale Pandemie, die viele Familien trifft

24 April 2020

Zu Beginn der Frühmesse in Santa Marta am Donnerstag, 23. April, betete Papst Franziskus insbesondere für die Familien, die durch die Pandemie in wirtschaftliche Not geraten und Wucherern zu Opfer gefallen sind: »Vielerorts spürt man eine der Auswirkungen der gegenwärtigen Pandemie: Viele Familien sind in Not, haben Hunger, und leider »hilft« ihnen die Gruppe der Wucherer. Das ist eine weitere Pandemie. Die soziale Pandemie: Familien, in denen Personen als Tagelöhner arbeiten oder leider Schwarzarbeit machen, die nicht arbeiten können und nichts zu essen haben… mit Kindern. Und dann die Wucherer, die ihnen das wenige wegnehmen, was sie haben. Lasst uns beten. Lasst uns beten für diese Familien, für die vielen Kinder dieser Familien, für die Würde dieser Familien. Und lasst uns auch für die Wucherer beten: Der Herr möge ihr Herz berühren und sie zur Umkehr bewegen.«

In der Predigt des Papstes stand der Apostel Petrus im Mittelpunkt, der – vom Gebet des Herrn getragen – vom Feigling, der Jesus verleugnet hat, zum kompromisslosen Verkündiger der Frohen Botschaft geworden ist:

Die Erste Lesung setzt die Geschichte fort, die mit der Heilung des Gelähmten an der »Schönen Pforte« des Tempels begonnen hatte. Die Apostel sind vor den Hohen Rat geführt worden, dann wurden sie ins Gefängnis geworfen, dann hat ein Engel sie befreit. Und an diesem Morgen, an eben jenem Morgen, sollten sie das Gefängnis verlassen, um ihr Urteil zu empfangen, aber sie waren vom Engel befreit worden und lehrten im Tempel (vgl. Apg 5,17-25). »In jenen Tagen führten der Tempelhauptmann und die Diener die Apostel herbei und stellte sie vor den Hohen Rat« (vgl. V. 27). Sie haben sie aus dem Tempel geholt und vor den Hohen Rat geführt. Und dort wies der Hohepriester sie zurecht: »Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren« (V. 28) – also im Namen Jesu – und »ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen« (V. 28). Denn die Apostel, vor allem Petrus, machten ihnen Vorwürfe. Petrus und Johannes warfen den Oberen, den Priestern vor, Jesus ermordet zu haben. Und da antwortet Petrus zusammen mit den Aposteln mit jener Geschichte: »Man muss Gott gehorchen; wir gehorchen Gott, und ihr habt Schuld auf euch geladen« (vgl. Apg 5,29-31). Und er klagt an, und zwar mit einem Mut, mit einem Freimut, dass man sich fragt: »Ist das wirklich der Petrus, der Jesus verleugnet hat? Jener Petrus, der so viel Angst hatte; jener Petrus, der sogar ein Feigling war? Wie ist er hierher gelangt?« Und am Ende sagt er auch: »Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, der mit uns ist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen« (vgl. V. 32). Auf welchem Weg ist dieser Petrus zu diesem Punkt gekommen, zu diesem Mut, zu diesem Freimut, sich zu exponieren? Denn er hätte Kompromisse eingehen und zu den Priestern sagen können: »Beruhigt euch, wir werden gehen, wir werden unseren Ton etwas mäßigen, wir werden euch nie in der Öffentlichkeit anklagen, und ihr lasst uns in Ruhe…«. Kompromisse eingehen.

In der Geschichte musste die Kirche das oft machen, um das Gottesvolk zu retten. Und oft hat sie es auch getan, um sich selbst zu retten – aber nicht die heilige Kirche, sondern die Oberen. Kompromisse können gut oder schlecht sein. Konnten sie jedoch aus dem Kompromiss herauskommen? Nein, Petrus hat gesagt: »Kein Kompromiss. Ihr seid die Schuldigen« (vgl. V. 30), und zwar mit Mut.

Und wie ist Petrus an diesem Punkt gelangt? Weil er ein enthusiastischer Mensch war; ein Mensch, der mit Nachdruck liebte; und auch ein ängstlicher Mensch; ein Mensch, der gegenüber Gott so offen war, dass Gott ihm offenbart, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes. Aber wenig später – gleich danach – gibt er der Versuchung nach, zu Jesus zu sagen: »Nein, Herr, auf diesem Weg nicht – gehen wir einen anderen«: die Erlösung ohne das Kreuz. Und Jesus sagt zu ihm: »Satan« (vgl. Mk 8,31-33). Ein Petrus, der von der Versuchung zur Gnade überging; ein Petrus, der in der Lage ist, vor Jesus niederzuknien und zu sagen: »Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch« (Lk 5,8); und dann ein Petrus, der versucht, unbemerkt davonzukommen und der Jesus verleugnet, um nicht im Gefängnis zu enden (vgl. Lk 22,54-62). Es ist ein unbeständiger Petrus, aber weil er sehr großherzig und auch sehr schwach war. Welches Geheimnis, welche Kraft ließ Petrus hierher gelangen? Es gibt einen Vers, der uns helfen kann, das zu verstehen. Vor seinem Leiden sagte Jesus zu den Aposteln: »Der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf« (Lk 22,31). Es ist der Augenblick der Versuchung: »Ihr werdet so sein, wie der Weizen.« Und zu Petrus sagt er: Ich aber werde für dich beten, »dass dein Glaube nicht erlischt« (V. 32). Das ist das Geheimnis des Petrus: das Gebet Jesu. Jesus betet für Petrus, damit sein Glaube nicht erlischt und er – so sagt Jesus – die Brüder im Glauben stärken kann. Jesus betet für Petrus.

Und das, was Jesus mit Petrus gemacht hat, hat er mit uns allen gemacht. Jesus betet für uns; er betet vor dem Vater. Wir sind es gewohnt, Jesus zu bitten, dass er uns diese oder jene Gnade schenken, uns helfen möge, aber wir sind es nicht gewohnt, Jesus zu betrachten, der dem Vater die Wunden zeigt; Jesus, den Fürsprecher; Jesus, der für uns betet. Und Petrus war in der Lage, diesen ganzen Weg zu beschreiten, vom Feigling zum mutigen Menschen, durch das Geschenk des Heiligen Geistes dank des Gebets Jesu.

Denken wir ein wenig darüber nach. Wenden wir uns an Jesus und danken wir ihm, dass er für uns betet. Jesus betet für einen jeden von uns. Jesus ist der Fürsprecher. Jesus wollte die Wunden mitnehmen, um sie dem Vater zu zeigen. Das ist der Preis für unser Heil. Wir müssen mehr Vertrauen haben; nicht nur in unser Gebet, sondern in das Gebet Jesu. »Herr, bete für mich« – »Aber ich bin Gott, ich kann dir geben…« – »Ja, aber bete für mich, denn du bist der Fürsprecher.« Und das ist das Geheimnis des Petrus: Petrus, ich werde für dich beten, »dass dein Glaube nicht erlischt« (Lk 22,32).

Möge der Herr uns lehren, ihn um die Gnade zu bitten, für einen jeden von uns zu beten.

Der Papst lud alle, die die sakramentale Kommunion nicht empfangen können, mit dem folgenden Gebet nach Kardinal Merry del Val zur geistlichen Kommunion ein: »Zu deinen Füßen, o mein Jesus, werfe ich mich nieder und bringe Dir die Reue meines zerknirschten Herzens dar, das sich mit seinem Nichts in Deiner heiligen Gegenwart verdemütigt. Ich bete Dich an im Sakrament Deiner Liebe, der unfassbaren Eucharistie. Ich sehne mich danach, Dich in der armen Wohnstatt meines Herzens zu empfangen. Während ich das Glück der sakramentalen Kommunion erwarte, möchte ich Dich im Geist besitzen. Komm zu mir, o mein Jesus, da ich zu Dir komme! Die Liebe umfange mein ganzes Sein im Leben und im Tod. Ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich. Amen.« Nach einer Zeit der Anbetung und dem eucharistischen Segen wurde in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta die österliche marianische Antiphon »Regina Caeli« angestimmt.