· Vatikanstadt ·

Mehr als Angst vor Einsamkeit und Verlassenheit

cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg

29 März 2020

Im Jahr 1955 schreibt der englische Schriftsteller C.S. Lewis, der gerade Witwer geworden war, da er seine Frau durch einen frühen Tod aufgrund eines Tumors verloren hatte, an seinen schwerkranken Freund Malcom einen Brief, um ihn zu trösten. Darin erzählt er vom Leiden Jesu, der von allen verlassen, gegeißelt und zu Unrecht zum Tode verurteilt wird, der so allein ist, dass er am Kreuz die Worte an den Vater richtet: »Mein Gott, warum hast du mich verlassen?« Wirklich eine ganz eigenartige Weise zu trösten.

Auch Jesus war die angstvolle Frage gestellt worden, die Frage nach dem Tod: »Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?« Es sind die Jünger, die Jesus aufwecken, der hinten im Boot schläft, während das Boot dem Seesturm auf dem See Genesaret ausgeliefert ist. Diese Szene aus dem Markusevangelium hatte Papst Franziskus vor Augen, als er diese Frage in seiner Ansprache am Freitagabend auf dem Petersplatz mehrmals wiederholte. Und anschließend betete er vor der Ikone »Salus populi Romani« und vor dem Kreuz aus der Kirche San Marcello, das aus diesem Anlass von dort geholt und vor der Basilika aufgestellt worden war, während es regnete. Das schmerzerfüllte Gesicht des Holzkreuzes schien zu fragen: »Kümmert es euch nicht, dass ich sterbe?« Jesus starb allein, verurteilt von seinem Volk, im Stich gelassen von seinen Freunden. Er starb allein, nicht nur an den grausamen Schmerzen, verursacht durch die erlittenen Wunden, sondern in erster Linie an Erstickung, da er an ein Kreuz geheftet war. Ein Gekreuzigter stirbt den Erstickungstod. Gestern sind in Italien fast 1000 Menschen am Coronavirus gestorben, sie sind allein gestorben und an Erstickung, ohne Luft. Der furchtbarste Aspekt ist gerade diese Einsamkeit, in der zu leben und vor allem zu sterben wir durch diese Pandemie verurteilt sind. All das erschreckt jeden Menschen, aber den Christen vermittelt dies auf geheimnisvolle Weise neben der Angst noch etwas anderes. Ein Christ weiß, dass es Jesus ist, der in diesen Brüdern und Schwestern leidet, als würde ergänzt, was an seinen Leiden noch fehlt (Kolosser 1,24).

Der Brief, den Lewis 1955 an Malcom schrieb, schloss mit den Worten: »Ich bin überzeugt, dass das einzige was du und ich in diesem Moment wirklich teilen können, das Dunkel ist. Es miteinander teilen und – was am meisten zählt – es mit unserem Meister teilen. Wir befinden uns nicht auf einem Weg, der noch nie betreten worden wäre, sondern vielmehr auf dem Hauptweg.«

 

Andrea Monda