· Vatikanstadt ·

Für Menschen ohne festen Wohnsitz

cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg

In der heiligen Messe in Santa Marta fordert der Papst die Kirche und die ganze Gesellschaft zur Aufnahme der Bedürftigsten auf

31 März 2020

»Wir wollen heute für all jene beten, die keinen festen Wohnsitz haben, in dieser Zeit, in der wir darum gebeten werden, im Haus zu bleiben: damit die Gesellschaft« sich dieser Realität bewusst werde und den Männern und Frauen helfe, und damit »die Kirche sie aufnimmt«. In diesem Anliegen feierte Papst Franziskus am Dienstagmorgen, 31. März, die heilige Messe in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta, die via Livestream übertragen wurde. Mit den Worten des Eröffnungsverses aus Psalm 27 (V. 14) lud er zur Hoffnung ein: »Hoffe auf den Herrn und sei stark! Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn.«

Seit Beginn der Pandemie hat der Bischof von Rom dazu aufgefordert, die vielen Menschen, die auf der Straße leben, nicht zu vergessen. Und das Netz der Nächstenliebe, das vom Päpstlichen Almosenamt ins Leben gerufen wurde, ist ein konkretes Zeugnis dafür: insbesondere durch die Verteilung eines »Beutels des Herzens« mit Grundnahrungsmitteln und der Entscheidung, dass die Anlaufstellen an den Kolonnaden des Petersdoms geöffnet bleiben sollen.

In der Predigt meditierte der Papst die heutigen liturgischen Texte aus dem Buch Numeri (21,4-9) und dem Johannesevangelium (8,21-30).

»Die Schlange ist sicherlich kein sympathisches Tier, sie wird immer mit dem Bösen in Verbindung gebracht«, sagte der Papst in Bezug auf den Text aus dem Alten Testament. »Auch in der Offenbarung ist die Schlange gerade das Tier, das der Teufel benutzt, um zur Sünde zu verführen.« So werde der Teufel »in der Apokalypse die alte Schlange genannt, die seit Anbeginn beißt, vergiftet, zerstört, tötet«. Und »deshalb kann es ihr nicht gelingen. Wenn du willst, dass es gelingt, wie jemand, der Schönes anbietet, das sind Phantasien: Wir glauben daran und so sündigen wir.«

Genau dies, so unterstrich der Papst, »ist dem Volk Israel geschehen: ›Unterwegs aber verlor das Volk den Mut‹, es war müde«. Und so »›lehnte sich das Volk gegen Gott und gegen Mose auf‹. Es ist immer dasselbe Lied, nicht wahr? ›Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig‹, das heißt des »Manna«.

Franziskus unterstrich: »Die Phantasie, das haben wir in den vergangenen Tagen gelesen, kehrt immer nach Ägypten zurück: ›Dort ging es uns gut, dort haben wir gut gegessen.‹« Aber »es scheint, dass auch der Herr in jenem Augenblick das Volk nicht ertrug. Er wurde wütend: Der Zorn Gottes wird zuweilen sichtbar.« So sei im Buch Numeri zu lesen: »Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen, und viele Israeliten starben.«

»Und da ist die Schlange wieder das Bild für das Böse«, erläuterte der Papst. »Das Volk sieht in der Schlange die Sünde. Es sieht in der Schlange das Böse, das es getan hat.« Daher stehe in der Heiligen Schrift: »Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit.« Das heiße, das das Volk »bereut«.

»Das ist die Geschichte in der Wüste«, so der Papst, der erneut aus dem Buch Numeri vorlas: »Da betete Mose für das Volk. Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange«, aus Metall, »und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.«

»Mir kommt dabei der Gedanke: Aber ist das nicht Götzendienst?«, fragte sich Franziskus. »Da ist die Schlange, ein Götze, der mich gesund macht. Das versteht man nicht; logisch ist das nicht zu verstehen, weil dies eine Prophetie ist. Das ist die Ankündigung dessen, was geschehen wird.« Im Übrigen, so fügte er hinzu, »haben wir auch im Evangelium eine ähnliche Prophezeiung gehört: ›Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, dass Ich es bin. Ihr werdet erkennen, dass ich nichts im eigenen Namen tue.‹«

Das sei die Prophetie des »am Kreuz erhöhten Jesus: Mose fertigt eine Schlange an und hebt sie in die Höhe.« Und »Jesus wird erhöht werden wie die Schlange, um Heil zu schenken«. Der innerste »Kern der Prophetie ist genau das: Jesus hat sich für uns zur Sünde gemacht. Er hat nicht gesündigt. Er hat sich zur Sünde gemacht«, wie der heilige Petrus in seinem Brief sage: »Er hat unsere Sünden getragen.«

»Wenn wir auf den Gekreuzigten blicken, denken wir an den Herrn, der leidet: Das ist alles wahr«, betonte der Papst und fügte hinzu: »Aber wir bleiben stehen, bevor wir in das Zentrum dieser Wahrheit gelangen: In jenem Augenblick scheinst du der größte Sünder zu sein, du hast dich zur Sünde gemacht.« Der Herr »hat all unsere Sünden auf sich genommen, er hat sich erniedrigt bis heute«.

»Das Kreuz, das ist wahr, ist eine Hinrichtung«, räumte der Papst ein. »Da ist die Rache der Schriftgelehrten, jener, die Jesus nicht wollten, all das ist wahr. Aber die Wahrheit, die von Gott kommt, ist, dass er in die Welt gekommen ist, um unsere Sünden auf sich zu nehmen, so dass er sich zur Sünde gemacht hat. Ganz Sünde geworden ist. Unsere Sünden sind dort.«

»Wir müssen uns angewöhnen, das Kreuz in diesem Licht zu sehen, das am wahrsten ist. Es ist das Licht der Erlösung: In Jesus, der zu Sünde wurde, sehen wir die totale Niederlage Christi. Er tut nicht so, als würde er sterben. Er tut nicht so, als würde er nicht leiden, allein, verlassen. ›Vater, warum hast du mich verlassen?‹« Dabei komme einem das Bild von der Schlange erneut in den Sinn: »Ich bin erhöht wie eine Schlange, wie das, was ganz Sünde ist.« Tatsächlich sei es nicht leicht, dies zu verstehen, räumte der Papst ein. »Wenn wir daran denken, werden wir nie zu einem Schluss kommen.« Wir können »nur betrachten, beten und danken«.

Wie sonst lud der Papst auch heute alle, die nicht kommunizieren können, mit dem Gebet des heiligen Alfons Maria von Liguori zur geistlichen Kommunion ein. Es folgten eine Zeit der Anbetung und der Eucharistische Segen. Abschließend vertraute Franziskus vor der Marienstatue der Kapelle sein Gebet der Muttergottes an, während die Antiphon Ave Regina Caelorum gesungen wurde.

Die Gebetsanliegen des Papstes wurden dann am Mittag vom Erzpriester der Vatikanbasilika, Kardinal Angelo Comastri, beim Gebet des Angelus und des Rosenkranzes aufgenommen.