Die Ideen

Was für eine
Art von Bruttosozialprodukt wir wollen

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30 April 2021

Hoffen wir, dass es ein Mädchen wird. Hoffen wir, dass die neue Wirtschaft, welche die aktuelle – Bankrott gegangene und ungerechte – Wirtschaft ersetzen soll, die Frauen versteht, aufwertet und von ihnen geleitet wird. Das wünschen sich viele. Viele hoffen, dass die neue weibliche Führungsschicht die Dinge möge ändern können. Sie kann – so Sr. Alessandra Smerilli in ihrem Leitartikel – »eine andere, inklusivere und menschlichere Wirtschaft« einführen.

Das ist kein reines Wunschdenken. Der Planet bedarf einer Änderung der Normen und der Ziele, die seine Wirtschaft bisher reguliert haben. Die Pandemie und ihre Folgen sind nur die letzte Demonstration hiervon. Ein Wandel kann dann erfolgen, wenn neue Prinzipien, neue Verfahren, neue Themen eingeführt werden. Die Frauen, die den Mechanismen der Macht und des Profits, der Art und Weise, wie die Weltwirtschaft geordnet war, mehrheitlich fern gestanden hatten, sind eben deshalb heute dazu imstande, einen riesigen Schatz an Erfahrung, Kultur, Beziehungen, aber auch an Zuneigung, Gefühlen, Wünschen einzubringen, der bis dato als der Welt der Wirtschaft fernstehend, fremd, ja entgegengesetzt gegolten hatte und der statt dessen das Potential zu sein scheint, um das Schicksal vieler Menschen, ja der Mehrheit des Planeten, zu verbessern, um Auswege aus dem Elend, der Diskriminierung, der Ungerechtigkeit aufzuzeigen.

Die »wirtschaftliche Mission«, um uns der Worte einer der größten Expertinnen der innovativen Wirtschaft, Mariana Mazzucato, zu bedienen, ist keineswegs unmöglich. Viele Frauen versuchen es bereits, man sieht die Erfahrungen von Unternehmerinnen, Managerinnen und Wissenschaftlerinnen, von denen wir in dieser Monatsausgabe berichten.

Vor allem aber beginnt sich eine andersartige Arbeitsweise einen Weg zu bahnen, die den Menschen in den Vordergrund stellt, Rücksicht auf die Umwelt nimmt, die zentrale Stellung der Rolle, die der Markt spielt, einschränkt und dadurch, dass sie den allen gemeinsam zustehenden Gütern Wert beimisst, die Regeln der Wirtschaft neu überdenkt. Fürsorge und Innovation können nebeneinander bestehen, Staat und Markt können ein anderes Gleichgewicht finden. Die Erwirtschaftung von Reichtum und eine gerechtere Verteilung desselben sind keine Unmöglichkeit. Dazu muss man nur seine Sichtweise ändern. Die weibliche Sichtweise integrieren, in einer realen Gegenseitigkeit der Blicke und Perspektiven. Eine neue Führung fördern. Neue Rezepte vorschlagen. Das ist nicht einfach, aber Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Managerinnen versuchen sich darin. Diesen Monat lädt der Papst dazu ein, dafür zu beten, »dass die Verantwortlichen in der Finanz mit den Regierungen zusammenarbeiten, um die Finanzwelt zu reglementieren und die Bürger vor ihren Gefahren zu schützen«.

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Frauen – Kirche – Welt ist bei seiner 100. Ausgabe angelangt. Es erschien erstmals als Beilage des »L’Osservatore Romano« vom 31. Mai 2012; es wurde damals koordiniert von Ritanna Armeni und Lucetta Scaraffia. [DCM].