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Zwischen Bewegung und Festigkeit

· Messe in Santa Marta ·

Bewegung und Festigkeit. Dies sind die beiden Verhaltensweisen, die Papst Franziskus am Montag, 19. Mai, im Verlauf der Frühmesse, die er in Santa Marta feierte, den Christen anempfahl, damit sie vermeiden könnten, von den Aktionen und Schwierigkeiten überwältigt zu werden, mit denen sie sich Tag für Tag konfrontiert sähen.

Ausgehend von der Schriftlesung aus der Apostelgeschichte (14,5-18) nahm sich der Bischof von Rom erneut den Bericht über den von Heiden und Juden geplanten Versuch vor, Paulus und Barnabas in Ikonion zu steinigen. Ein Versuch, dem sich die beiden dadurch entziehen, dass sie in die lykaonischen Städte Lystra und Derbe bzw. deren Umgebung fliehen. Gerade Paulus »flieht«, so erläuterte der Papst, »und beginnt die Evangelisierung«, wodurch er »die Fähigkeit zeigt, immer neu anzufangen, sich nicht gehenzulassen und zu jammern«. Sein Herz sei fest auf das ausgerichtet, was, wie er wisse, sein Auftrag sei: die Evangelisierung. Und er habe die richtige Einstellung, die ein Christ haben müsse. Der Papst erläuterte dies, indem er darauf hinwies, dass im kurz zuvor gesprochenen Kollektengebet die Bitte ausgesprochen worden war, vom Herrn die Gnade zu erhalten, dass »inmitten der Geschäfte dieser Welt unsere Herzen fest auf das gerichtet sein möchten, wo die wahre Freude ist«. Und er nannte zwei Requisiten, die fürs Leben des Christen erforderlich seien: »Bewegung und Standhaftigkeit. Ein festes Herz, ein standhaftes Herz, das sich aber ununterbrochen bewegt. Und das wird an der Evangelisierungsarbeit des Paulus deutlich sichtbar.«

Gleichfalls unter Verweis auf die Schriftlesung aus der Apostelgeschichte erinnerte der Papst an die Geschichte der Begegnung des Paulus mit dem Gelähmten. »Sein festes Herz«, so erläuterte er, »lässt ihn verstehen, dass dieser Mann da, der Gelähmte, gläubig genug war, um geheilt werden zu können. Er versteht es, dies zu erkennen und heilt ihn im Namen des Herrn«. Paulus, so fuhr er fort, habe mit Sicherheit nicht mit der Reaktion des Volkes gerechnet, das der Heilung beigewohnt habe. Tatsächlich habe es einen kleinen »Volksaufstand« gegeben, weil alle geglaubt hätten, dass »Barnabas Zeus und Paulus Hermes seien. Paulus hatte Mühe, sie davon zu überzeugen, dass sie Menschen waren.«

Und so geschehe es, »dass man in einen anderen Gemütszustand wechselt«, so merkte der Bischof von Rom weiter an, »zu einer Mühe«, da sie das Volk gar durch die Darbringung eines Opfers habe ehren wollen. Paulus habe sehr viel Mühe aufbringen müssen, um »ihnen zu erläutern, dass es nur einen einzigen Gott gibt«. Und um dies zu tun, »spricht er hier nicht direkt über Jesus«, sondern erzähle ihnen in ihrer Sprache »über den Schöpfergott«, wobei er zum Ausdruck bringe, dass er die richtige Weise zu erkennen wisse, auf die er sprechen müsse.

»Das«, so bekräftigte der Bischof von Rom, »sind die menschlichen Umstände, unter denen Paulus lebte. Und auch wir, wir alle, sind vielen solchen Umständen ausgesetzt. Wir sind von vielen Angelegenheiten umgeben, die uns hierhin und dahin bringen aber wir haben um die Gnade gebeten, ein festes Herz zu haben wie Paulus, der nicht über die Verfolgung jammerte, der aufgebrochen ist, um eine andere Stadt aufzusuchen, der begonnen hat, dort zu predigen, einen Kranken zu heilen, der bemerkte, dass dieser Mann gläubig genug war, um geheilt werden zu können. Und dann diese enthusiastische Menge zu beruhigen, die ein Opfer darbringen wollte. Um dann in der für ihren Kulturkreis geeigneten Sprache zu verkündigen, dass es einen einzigen Gott gibt«.

Paulus tue diese Dinge eines nach dem anderen, ohne je einzuhalten. »Und das«, so bemerkte der Papst, »kann nur aus einem Herzen kommen, das fest« auf den Missionsauftrag ausgerichtet sei: ein Herz, das dazu fähig sei, »viele Veränderungen in sehr kurzer Zeit vorzunehmen«, indem es sich »auf angemessene Weise« mit den Umständen auseinandersetzt.«

»Im Evangelium«, so fuhr der Papst dann unter Verweis auf die Lesung aus dem Johannesevangelium (14,21-26) fort, »sagt Jesus dies zu uns: ›Das habe ich euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe‹«. Folglich müsse das Herz »fest im Heiligen Geist« sein, eine Gabe, »die Jesus uns gesandt hat. Paulus hatte sein Herz fest im Heiligen Geist, und wir alle müssen, wenn wir in unserem Leben inmitten der menschlichen Dinge, mit denen wir zu tun haben, Festigkeit finden wollen, zu ihm gehen. Er ist in unserem Herzen, wir haben ihn in der Taufe empfangen. Der Heilige Geist verleiht uns Kraft, er verleiht uns diese Festigkeit, derer wir bedürfen, um im Leben inmitten so vieler Angelegenheiten voranzugehen.«

In diesem Kontext, so führte Papst Franziskus aus, »sagt Jesus zwei Dinge über diesen Heiligen Geist: ›er wird euch alles Lehren und euch an alles erinnern‹. Wir haben gesehen, wie er Paulus gelehrt hat, was er tun musste, indem er ihm diese Fähigkeit gegeben hat, einen Ortswechsel vorzunehmen«. Er lehre und er erinnere.

Aber »woran erinnert der Heilige Geist den Paulus?«, so fragte sich der Papst. Er habe ihn vor allem »an die Heilsbotschaft erinnert: Gott will uns retten. Der großartige Hinweis des Paulus sei der folgende: Gott will uns in Jesus Christus retten. So hat der Heilige Geist dem Herzen des Paulus inmitten der Verfolgungen, der Probleme, der Streitigkeiten, des Neids, der Eifersüchteleien Festigkeit verliehen«. In der Tat finde sich in diesem Kapitel der Apostelgeschichte »ein Wort, das wiederholt auftaucht: es lautet ›Eifersucht‹. Die Eifersucht der Synagogenvorsteher«, die Paulus Hindernisse in den Weg legten. Es gelinge ihm gleichwohl trotzdem, vorwärtszugehen und »viele Probleme« zu überwinden, »weil er ein Herz hat, das fest im Heiligen Geist ist«.

Diese Begebenheit sollte nach Ansicht des Papstes den Christen dazu drängen, sich die Frage zu stellen: »Wie ist es um mein Herz bestellt? Ist es ein Herz, das ein Tänzer zu sein scheint, das von einer Seite zur anderen tänzelt, das einem Schmetterling gleicht, dem heute diese und morgen jenes gefällt, und das stets in Bewegung ist? Ist es ein Herz, das Angst hat vor den Wechselfängen des Lebens, das sich verbirgt und sich davor fürchtet, für Jesus Christus Zeugnis abzulegen? Ist es ein mutiges Herz, oder ist es ein furchtsames Herz, das stets versucht, sich zu verstecken? Worum kümmert sich unser Herz? Was ist der Schatz, an dem unser Herz hängt? Ist es ein Herz, das auf die Wesen der Schöpfung fixiert ist, auf die Probleme, mit denen wir alle uns herumschlagen? Ist es ein Herz, das auf die Götter des Alltags fixiert ist, oder ist es ein Herz, das fest im Heiligen Geist ist? Wo ist die Festigkeit unseres Herzens?«

»Es wird uns gut tun«, so fügte er hinzu, »uns diese Frage zu stellen. Und ebenso auch, uns der zahlreichen Dinge zu erinnern, mit denen wir jeden Tag zu tun haben: zu Hause, bei der Arbeit, mit den Kindern, mit den Menschen, die bei uns leben, mit den Arbeitskollegen, mit allen Menschen.« Die Frage des Bischofs von Rom lautete: Lassen wir uns von jeder »dieser Angelegenheiten« vereinnahmen, oder begegnen wir ihnen »mit einem festen Herzen, das weiß, wo der Einzige ist, der unserem Herzen Festigkeit zu verleihen vermag, der Heilige Geist?« Gewiss, so schloss er, »wird es uns gut tun, daran zu denken, dass wir ein schönes Geschenk erhalten haben, das uns Jesus hinterlassen hat: diesen Geist der Stärke, des Rates, der uns dabei hilft, voranzugehen. Voranzugehen inmitten der Angelegenheiten des Alltags. Machen wir heute diese Übung, uns zu fragen, wie unser Herz geartet ist. Ist es fest, oder nicht? Und wenn es fest ist, wo hält es ein: bei den Dingen, oder im Heiligen Geist?«

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29. Januar 2020

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