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​Zusammenfassung des christlichen Glaubens

Die Verkündigungsbulle des von Franziskus gewünschten Jahres der Barmherzigkeit ist eine Zusammenfassung des christlichen Glaubens. Und wie man gleich zu Beginn lesen kann, ist der Grund die Tatsache, dass die Barmherzigkeit das Herz der Offenbarung ist, die in Jesus von Nazaret ihren Höhepunkt findet, dem Antlitz des Vaters und seiner Liebe: »misericordiae vultus«. Nicht ohne Bedeutung ist, dass sich das päpstliche Dokument ohne Unterschied an all jene richtet, die es lesen wollen, und folgende Hoffnung zum Ausdruck bringt: »Alle, Glaubende und Fernstehende, mögen das Salböl der Barmherzigkeit erfahren, als Zeichen des Reiches Gottes, das schon unter uns gegenwärtig ist!«

Die Daten von Beginn und Ende dieses neuen außerordentlichen Heiligen Jahres erläutert der Papst im Licht der Barmherzigkeit. Es wird vom 8. Dezember 2015 bis zum 20. November 2016 dauern, das heißt vom Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria bis zum Christkönigssonntag. So soll zu Beginn des Jubiläums das Handeln Gottes unterstrichen werden – der »die Menschheit nicht alleine lassen und dem Bösen überlassen« wollte, sondern Maria vor der Erbsünde bewahrt hat – und zum Abschluss die Herrschaft Christi über das ganze Universum, das heißt seiner Barmherzigkeit.

In diesem Rahmen, der die gesamte Heilsgeschichte in Erinnerung ruft, erläutert Franziskus, dass er für den Beginn des Heiligen Jahres den 50. Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils gewählt hat, denn »die Kirche spürt das Verlangen« das Konzil, das als Beginn eines neuen Weges bezeichnet wird, »lebendig zu erhalten«. Damals hatte man »die Notwendigkeit verspürt, zu den Menschen ihrer Zeit in einer verständlicheren Weise von Gott zu sprechen«, wie schon 1950 Montini zu Jean Guitton gesagt hatte: »Was nutzt es, etwas Wahres zu sagen, wenn die Menschen unserer Zeit uns nicht verstehen?«

In der Bulle erinnert der Nachfolger der Konzilspäpste an deren Worte, die das Zweite Vatikanum unter diesem alten und immer neuen Deutungsschlüssel sehen: »Heute dagegen möchte die Braut Christi lieber das Heilmittel der Barmherzigkeit anwenden« und sich so als »liebevolle, gütige und geduldige Mutter aller erweisen, voller Erbarmung und mit Wohlwollen für ihre Kinder, die von ihr getrennt sind«, sagte Johannes XXIII. bei der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Beendet wurde es im eindrucksvollen Zeichen der »uralten Erzählung vom barmherzigen Samariter«, von Paul VI. zum Paradigma für seine Spiritualität erklärt.

Ein halbes Jahrhundert nach Abschluss der größten je abgehaltenen christlichen Versammlung erinnert Papst Franziskus an sie als »neue Etappe der immer anstehenden Evangelisierung«. Er braucht dabei ein Bild, das an Titel (Schleifung der Bastionen) und Inhalt eines 1952 herausgegebenen Büchleins von Hans Urs von Balthasar erinnert: »Mauern, die die Kirche allzu lange in einer privilegierten Festung eingeschlossen hatten, wurden eingerissen, und die Zeit war gekommen, um das Evangelium auf neue Weise zu verkünden« und um »mit verstärktem Enthusiasmus und voller Überzeugungskraft Zeugnis für den Glauben« an Christus, den einzigen Herrn, »abzulegen«.

Das also ist die Zeit der Gnade, um zum Wesentlichen zurückzukehren und jede christliche Gemeinschaft in eine »Oase der Barmherzigkeit« zu verwandeln, indem unsere Gleichgültigkeit abbröckelt, wir die Werke der leiblichen und geistlichen Barmherzigkeit praktizieren, die Schönheit der Beichte wiederentdecken und das Leben ändern, in der Offenheit für die Begegnung mit Frauen und Männern anderer Religionen. Als Pilger auf dem Weg zum Ziel, nach dem sich jeder, vielleicht auch unbewusst, sehnt. Ohne Angst davor, »sich von Gott überraschen« zu lassen.

Giovanni Maria Vian

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25. Februar 2020

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